Die Entwicklung des Flachglas MarkenKreises ist von mehreren Meilensteinen geprägt: 2001 wurde die Systemzentrale gegründet, 2005 folgte mit RaumGlas die Erweiterung des Angebotsspektrums. 2008 entstand das Beteiligungskonzept, am 27. November 2008 wurde die Flachglas eG gegründet, 2009 übernahm sie die Anteile von Pilkington. Im Jahr 2017 erfolgte schließlich die vollständige Übernahme der Systemzentrale durch die Mitglieder.
Heute ruht das Netzwerk auf drei Aktivitätenfeldern: FassadenGlas, RaumGlas und GlasService.
„Wir hatten von Anfang an Isolierglas und die Fassade, und das ist immer weiter gewachsen, hin zu ESG und VSG und dann noch unsere dritte Säule mit Dienstleistungen“, erläutert GF Michael Scheer, der als erster neuer Mitarbeiter in den Flachglas MarkenKreis kam.
Der Wandel von einer industriegeführten Partnerschaft zu einer heute unabhängigen, inhabergeführten Kooperation sei dabei ein zentrales Erfolgsmerkmal des Glasnetzwerks: „Die Unabhängigkeit zieht viele Interessierte an, die sich nicht nur an einen großen Glashersteller binden wollen“, unterstreicht Michael Scheer.
Die genossenschaftliche Struktur prägt heute das Selbstverständnis der Kooperation. „Die Mitglieder haben eine Verantwortung für die Kooperation, und das beeinflusst im Positiven auch unsere Entscheidungen“, so GF Karsten Ollesch. „Alle sind auf Augenhöhe, unabhängig von der Firmengröße. Dadurch können wir Entscheidungen sehr schnell treffen und umsetzen.“
Mit 12 Mitarbeitenden deckt die Systemzentrale des Flachglas MarkenKreises heute ein breites Leistungsspektrum ab, von Service und Anwendungstechnik über technische Objektberatung bis hin zu Thermostress-Lösungen.
Karsten Ollesch: „Unsere Objektberatung ist unabhängig vom Glasanbieter. Das kommt gut an. Die Objektberater sind der verlängerte Arm für unsere Gesellschafter. Wir holen also auch für die Mitglieder Aufträge herein.“
RaumGlas adressiert neue Zielgruppen. Mit dem Ausbau von RaumGlas richtet sich der Verbund gezielt an Innenarchitekten, Ladenbauer und Hotels.
Der Impuls dazu kam laut der Geschäftsleitung aus den eigenen Reihen: „Das kam von unseren Mitgliedern. Da wir als Fernziel auch eine Beratung für RaumGlas aufbauen wollen, greifen wir neue Zielgruppen auf.“ Ziel sei es, Aufträge in den Verbund zu holen.
Digitale Plattform nexmaster.ai
Parallel setzt der Flachglas MarkenKreis mit der KI-Plattform „nexmaster.ai“ auf die digitale Zukunft seiner Mitgliedsbetriebe. „Wir wollen eine KI-Plattform mit einem Spezialistennetz dahinter“, erklärt Karsten Ollesch. „So kann der potenzielle Kunde Lösungen bis hin zu KI-unterstützten Produktionsabläufen einsetzen – vom Voice-Agenten bis hin zur Prozessoptimierung. Vom Einsteiger bis zum Unternehmen, das bereits mit KI arbeitet.“ Ziel sei eine spürbare Effizienzsteigerung in den Mitgliedsbetrieben.
Das sagen die Geschäftsführer
GW – Herr Scheer, Herr Ollesch, was macht den Flachglas MarkenKreis heute so stark?
Michael Scheer – Ursprünglich standen Isolierglas und Fassaden im Mittelpunkt. Daraus haben sich drei starke Aktivitätsfelder entwickelt: FassadenGlas, RaumGlas und GlasService. Besonders wichtig ist dabei unsere Unabhängigkeit. Wir haben uns von einer industriegeführten Partnerschaft zu einer inhabergeführten Kooperation entwickelt. Das schätzen viele Unternehmen, die sich nicht an einen einzelnen Glashersteller binden möchten. Gleichzeitig begegnen sich alle Mitglieder auf Augenhöhe. Es gibt keine interne Konkurrenz, sondern ein starkes Miteinander.
GW – Worauf sind Sie besonders stolz?
Scheer – Dass wir uns in 25 Jahren zur größten unabhängigen Kooperation der Glasbranche entwickelt haben. Mit nur zwölf Mitarbeitern in der Systemzentrale bieten wir umfangreiche Leistungen an – von Service und Anwendungstechnik über technische Objektberatung bis hin zur Fachplanung von Glaslösungen und Thermostress-Berechnungen.
GW – Welche Vorteile bietet die genossenschaftliche Struktur?
Karsten Ollesch – Die Mitglieder tragen Verantwortung für die Kooperation und gestalten deren Entwicklung aktiv mit. Das schafft Identifikation und ermöglicht schnelle Entscheidungen. Zudem bleiben viele Aufträge innerhalb des Verbundes. Unabhängig von der Unternehmensgröße hat jedes Mitglied die gleiche Stimme.
GW – Woran erkennen Sie, dass das genossenschaftliche Modell funktioniert?
Ollesch – Wir haben keine Austritte aufgrund von Unzufriedenheit. Gleichzeitig gewinnen wir selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Mitglieder. Kurze Wege, gegenseitige Unterstützung und die Möglichkeit, gemeinsam Projekte abzuwickeln, werden sehr geschätzt.
GW – Wie positioniert sich der MarkenKreis?
Scheer – Mit vier bundesweit tätigen Objektberatern verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal. Unsere Beratung ist herstellerunabhängig und unterstützt Architekten, Planer und Bauherren bei der Auswahl der optimalen Lösung. Gleichzeitig fungieren die Objektberater als verlängerter Arm unserer Mitglieder und generieren neue Aufträge.
GW – Warum rückt das Geschäftsfeld RaumGlas stärker in den Fokus?
Ollesch – Der Impuls kam direkt aus den Mitgliedsbetrieben. Mit RaumGlas erschließen wir neue Zielgruppen wie Innenarchitekten, Ladenbauer und Hotelentwickler. Ziel ist es, zusätzliche Marktchancen zu schaffen und unseren Mitgliedern neue Aufträge zuzuführen. Wir verstehen uns klar als vertriebsorientierte Kooperation.
GW – Mit nexmaster ai bieten Sie zudem eine eigene KI-Plattform an.
Ollesch – Wir wollen unseren Mitgliedern praxisnahe KI-Lösungen bereitstellen – vom Voice-Agenten bis zur Prozessoptimierung in der Produktion. Dahinter steht ein Netzwerk aus Spezialisten, das Unternehmen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen begleitet. Ziel ist eine spürbare Effizienzsteigerung in nahezu allen Betriebsbereichen.
GW – Was wünschen Sie sich für den Flachglas MarkenKreis für die kommenden 25 Jahre?
Scheer – Die Glasbranche hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Krisen erlebt. Wir haben sie gemeinsam gemeistert und sind gestärkt daraus hervorgegangen. Genau diese Innovationskraft und dieser Zusammenhalt sollen auch künftig unsere Grundlage bleiben.
Ollesch – Das richtige Händchen, ein Quäntchen Glück und vor allem die Fähigkeit, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Foto: Matthias Rehberger / GW
Foto: Matthias Rehberger / GW
Foto: Matthias Rehberger / GW
Stimmen aus dem Netzwerk
Martin Böger, Risse Glas GmbH, Rüthen: „Als ISO-Hersteller von Sondergläsern brauchten wir Prüfzeugnisse und Unterstützung. Die Systemzentrale übernimmt Aufgaben, die wir selbst nicht leisten könnten.“
Rainer Zillinger, Zillinger Glasbau GmbH: „Ich schätze den technischen Support und die Unterstützung bei Projekten. Wir haben ein Netzwerk, in dem wir uns gut austauschen können und zu allen Materialien rund ums Glas Zugriff haben.“
Til Schöninger, Schöninger GmbH, Weiden: „Wir haben im Netzwerk volle Freiheit bei der Produktauswahl und sind an keinen bestimmten Flachglas-Anbieter gebunden. Zudem haben wir ein starkes Netzwerk mit Kollegen und Lieferanten aufgebaut.“
Cornelius Trimborn, Glas König, Köln: „Ich profitiere vom Austausch mit Kollegen vom Handwerker bis zum Industriebetrieb. So entstehen neue Produkte und wir bauen unser Geschäft aus.“