Die neue, halbmondförmige Glasfassade im Innenhof des Hôtel du Châtelet erstreckt sich vom Erdgeschoss bis zum 6. Stockwerk und führt Tageslicht tief in das Gebäude. Der Metallbauer Eiffage Métal realisierte die Fassadenkonstruktion, Doering Berlin fertigte die gebogenen Gläser. Insgesamt 77 gebogene Isoliergläser bilden die rund 305 m² große Vorhangfassade. Die Elemente sind selbsttragend und ermöglichen eine Konstruktion ohne vertikale Pfosten.
Die gebogenen Fassadengläser werden auf jeder Etage von Querstreben aus lackiertem, geschweißtem Stahl mit T Profil gehalten. Deren Biegeradius entspricht exakt dem der Verglasung. Darauf ist ein Vorhangfassadensystem auf Basis von Raico Therm+56 montiert.
Die Verglasung liegt auf einem EPDM Profil auf (das zudem Kondensat ableitet) und über ein Pressprofil mit äußerer Abdeckschale fixiert wird. Punktuelle Silikon Distanzstücke gleichen Toleranzen aus, und eine abschließende Silikonfuge übernimmt die Abdichtung. Die Stoßfugen werden mit einem Dichtprofil Typ B ausgeführt.
Integrierte Schraubkanäle in der Tragkonstruktion ermöglichen das direkte Verschrauben der Aluminium Deckschalen ohne Schweißarbeiten.
Der Aufbau der Glaselemente: Die 77 Isoliergläser sind jeweils 35,52 mm stark und als zylindrisch gebogene, konkave Scheiben ausgeführt - außen als VSG (6 mm Floatglas/1,52 mm PVB Folie/6 mm beschichtetes Glas, dann ein 16 mm breiter Abstandhalter und 6 mm Floatglas. Die Bogenlänge beträgt 1305 mm, der Innenradius 1000 mm, die Elementhöhe rund 1287 mm. Umlaufend ist eine 12,5 mm hohe Stufe ausgebildet.
Die Gläser übernehmen eine absturzsichernde Funktion und sind nur an Kopf und Fuß gelagert. Die Lastabtragung übernehmen je drei Klötze. Die Fassade wurde aufgrund ihrer absturzsichernden Funktion wie ein Geländer bemessen.
Das leisten die Abstandhalter
Der flexible Abstandhalter Super Spacer TriSeal Premium Plus ermöglicht es, geometrische und klimatische Einflüsse auszugleichen. „Ein flexibler Abstandhalter wie Super Spacer trägt dazu bei, die zulässigen Radien und Höhentoleranzen sicher aufzunehmen.
Durch seine Anpassungsfähigkeit an die individuelle Glasgeometrie werden lokale Abweichungen im Randbereich ausgeglichen und zusätzliche Spannungsüberhöhungen vermieden. Dies sichert die Funktionsfähigkeit des Randverbunds über die gesamte Fassadenhöhe“, erläutert Carsten Kunert, Standortleitung der Doering Berlin GmbH.
Die Montage der gebogenen Gläser in radialer Geometrie erforderte eine präzise abgestimmte Abfolge über alle Geschosse hinweg. Jedes Element musste in einer exakt definierten Reihenfolge und Position eingebaut werden, da bereits geringste Abweichungen unmittelbare Auswirkungen auf die nachfolgenden Elemente hätten.
Energieeffizienz der Spacer
Die Fassadengläser haben einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,0 W/m²K. Die Sonnenschutzbeschichtung begrenzt den solaren Energiedurchlassgrad auf 38 Prozent, die Lichttransmission beträgt mindestens 45 Prozent. Die Spacer aus metallfreiem Strukturschaum reduzieren Wärmebrücken am Glasrand und tragen so zur energetischen Performance bei.
Gebogene Isoliergläser reagieren sensibel auf klimatische Druckschwankungen und temperaturbedingte Längenänderungen. Die daraus resultierenden Bewegungen wirken direkt auf den Randverbund. Dazu Carsten Kunert: „Wir setzen für die Fertigung unserer gebogenen Gläser ausschließlich Super Spacer Abstandhalter ein, u. a. weil sich die schaumbasierten, metallfreien Spacer auch an gebogene Formen anpassen.“
Die eingesetzten Abstandhalter zeichnen sich durch hohe Elastizität und Formgedächtnis aus. Sie gleichen Schubspannungen aus, entlasten die Primärdichtung und verteilen die Kräfte über die Haftflächen und seitliche Klebeschichten.
Der im Projekt verwendete Super Spacer TriSeal Premium ist für die manuelle Verarbeitung, wie sie bei gebogenen Isolierglas-Elementen üblich ist, ausgelegt, da die Polyisobutylen Primärdichtung bereits werkseitig appliziert wird.