GW – Wie haben Sie heute die Nachhaltigkeit strategisch im Unternehmen verankert als Ideal oder als wirtschaftliches Ziel?
Jens-Uwe Geschonke – Für uns ist Nachhaltigkeit kein Entweder-oder. Als Familienbetrieb denken wir generationsübergreifend und nicht in kurzfristigen Gewinnmaximierungszyklen. Meine Söhne Lukas und Max sind bereits im Unternehmen und werden schrittweise an die Geschäftsführung herangeführt. Allein das sorgt automatisch für einen langfristigen Blick. Nachhaltigkeit ist für uns sowohl ein inneres Ideal als auch ein klares wirtschaftliches Ziel: unabhängiger von schwankenden Energiepreisen zu werden, planbarer zu wirtschaften und unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Umweltschutz darf keine Floskel sein; er muss ganzheitlich gedacht und konsequent umgesetzt werden – mit vielen kleinen und einigen großen Maßnahmen. Rückblickend muss ich selbstkritisch sagen: Meine Generation hätte sich deutlich früher intensiver mit echter Nachhaltigkeit beschäftigen müssen.
GW – Welche Investitionen waren notwendig?
Geschonke – Wir haben in den vergangenen drei Jahren rund 20 Prozent unseres Jahresumsatzes gezielt in Nachhaltigkeitsmaßnahmen investiert. Das reichte von Energieeffizienzmaßnahmen über PV-Anlagen bis hin zu moderner Produktionstechnik. Wichtig ist mir dabei: Alle Maßnahmen sind aus eigener Überzeugung entstanden und nicht durch äußeren Druck. Seit diesem Jahr binden wir zusätzlich externe fachliche Beratung ein, um auf dieser Basis weitere Investitionsentscheidungen noch fundierter zu treffen.
GW – Gab es Mehrkosten und ab wann rechneten sich die Maßnahmen betriebswirtschaftlich?
Geschonke – Ja, es gab anfänglich Mehrkosten. Wir denken aber nicht wie ein Konzern. Unser Ansatz ist langfristig. Erste wirtschaftliche Effekte haben sich dennoch relativ schnell gezeigt – vor allem durch die massive Reduktion der Energiekosten. Gerade in den Sommermonaten profitieren wir heute stark von unserer eigenen Stromerzeugung. Das sorgt nicht nur für Kostenstabilität, sondern bringt auch Planungssicherheit.
GW – Wie wirkt sich heute bei Ihnen der Fokus auf Nachhaltigkeit auf Produktionskosten und Wettbewerbsfähigkeit aus?
Geschonke – Der Fokus auf Nachhaltigkeit hat uns eindeutig wettbewerbsfähiger gemacht. Während bei vielen Betrieben im Jahr 2022 die Energiepreise explodierten und ESG-Fertigungen zeitweise kaum noch profitabel waren, konnten wir die Kosten stabil halten. Unsere Investitionen haben uns unabhängiger gemacht und genau das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein entscheidender Vorteil. Nachhaltigkeit ist für uns kein Kostentreiber, sondern ein Stabilitätsfaktor.
GW – Wie konnten Sie die Mitarbeitenden davon überzeugen, dass Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist?
Geschonke – Natürlich gab es anfangs auch Zweifel im Betrieb. Das ist völlig normal. Entscheidend war, dass wir nicht nur darüber gesprochen, sondern Ergebnisse geliefert haben. Die Mitarbeitenden haben sehr schnell gesehen, dass wir wirtschaftlich richtig investiert haben und gleichzeitig moderner sowie zukunftsfähiger geworden sind. Heute wird Nachhaltigkeit im Betrieb nicht mehr hinterfragt, sondern aktiv mitgetragen.
GW – Welche Kennzahlen nutzen Sie, um den Erfolg Ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich zu bewerten?
Geschonke – Wir betrachten klassische Kennzahlen wie Energieverbrauch, Stromzukauf, Eigenstromerzeugung und Kostenentwicklung sehr genau. Gleichzeitig vergleichen wir konsequent mögliche CO₂-Einsparungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein persönlicher Ehrgeiz von uns ist es zudem, eine sehr gute EPD für unsere Produkte zu erreichen. Für uns gehört ökologische Wirkung immer gemeinsam mit wirtschaftlicher Vernunft bewertet – nur dann ist Nachhaltigkeit dauerhaft tragfähig.
GW – Welche weitere Maßnahmen planen Sie, wo sehen Sie hohe wirtschaftliche Chancen?
Geschonke – Wir planen u. a. den Einsatz von Batteriespeicherlösungen, alternativen Verpackungsmaterialien und eine KI-gestützte Tourenplanung mit Echtzeit-Optimierung. Zudem überprüfen wir konsequent Lieferketten, Transportentfernungen und die Nachhaltigkeit unserer zugekauften Produkte. Perspektivisch wollen wir den gesamten Fuhrpark auf E-Fahrzeuge umstellen und arbeiten bereits an elektrischen Logistiklösungen, auch gemeinsam mit Lieferanten. Es kommen ständig neue Technologien auf den Markt, aber irgendwann muss man den Schritt gehen, sonst läuft man der Entwicklung nur noch hinterher.
GW – Würden Sie rückblickend sagen, die Investitionen in Nachhaltigkeit haben sich gelohnt?
Geschonke – Auf alle Fälle. Wir sind heute unabhängiger, stabiler und besser für die Zukunft aufgestellt. Wir sind zudem bereit, Mehrkosten für klimafreundlicheres Gas zu bezahlen. Viele dieser Maßnahmen werden nicht groß kommuniziert, obwohl sie gesehen werden sollten. Wir haben den Anspruch, aus eigener Initiative etwas zu verändern, und nicht darauf zu warten, dass die Politik oder andere Lösungen liefern. Das war schon immer die Haltung unseres Familienbetriebs.
Das Interview führte Matthias Rehberger