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Softsolution

Präziseres Vorspannen

Wärmebehandeltes Verbundglas ist anfällig für Lufteinschlüsse, Brüche und Delaminierung, oft ausgelöst durch unzureichende Planität der Glasscheiben. Verfahren mit Presswalzen (Nipper Rollers) oder beheizten Walzen (Hot Rollers) zur mechanischen Entlüftung im Vorverbund sind fehleranfällig und weniger effizient. Immer wieder entstehen Defekte beim Vorspannen, z. B. als innere Spannungen im Glas, die erst später zum Tragen kommen.

Dazu Mika Eronen, Senior-Experte für Glasverarbeitung bei Global Glass Specialists: „Bei diesen Laminierungsproblemen habe ich weltweit Kunden immer wieder geholfen, solche Probleme vor Ort in ihrer Produktion zu beheben.“

Das menschliche Auge erkennt Verzerrungen anhand von Lichtreflexionen und Krümmung. Moderne Scanner messen deshalb zusätzlich in Millidioptrien (mD), einer Einheit, die direkt mit der visuellen Wahrnehmung korreliert.

Peter Pfannenstill, Vice President Sales & Marketing bei Softsolution: Die neueste Generation der Inspektionssysteme wie der Osprey25 misst Daten zur Glasverzerrung zusätzlich in Millidioptrien.

Dual-metrische Messsysteme kombinieren klassische Peak-to-Valley-Messungen (mm), die die reale Oberflächenform wie Rollwellen (Roller Waves), Durchbiegung oder Kantenanhebung (Edge Lift) erfassen und mit optischen Millidioptrie-Messungen die sichtbaren Verzerrungen beschreiben. Gemeinsam liefern sie ein vollständiges Bild darüber, wie das Glas hergestellt wurde und wie es später wahrgenommen wird.

Die Planität hat direkten Einfluss auf die Effizienz beim Laminieren. Übermäßige Durchbiegung oder Kantenhebung (Edge Lift) erschwert die Entlüftung, verursacht Lufteinschlüsse und schwächt die Randversiegelung. Häufige Folgen sind Blasenbildung, reduzierte Autoklaven-Ergebnisse und der Einsatz von Klemmen als Notlösung.

Das Klemmen ist jedoch teuer, selten standardisiert und kann zusätzliche Spannungen erzeugen, die langfristig zu optischen Problemen, Delamination oder sogar Rissen führen, was insbesondere bei Überkopfverglasungen sowie bei beheizten oder tragenden Einheiten riskant ist.

Scannerbasierte Daten zur Planität zeigen klar, dass viele Fehler beim Laminieren nicht im Autoklaven entstehen, sondern ihre Ursache im Vorspannprozess haben. Statt Symptome nachträglich zu bekämpfen, können Hersteller nun gezielt Ofenparameter optimieren, da Messdaten über Material- und Prozessvariablen faktenbasierte Entscheidungen ermöglichen.

Messbarer Nutzen

Der Nutzen von dualen Messdaten ist klar: bessere Passgenauigkeit der Laminierung, höhere Autoklaven-Ergebnisse, deutlich weniger Autoklaven-Nachläufe, geringerer Ausschuss und eine stabile, reproduzierbare Vorspannqualität. Durch automatisiertes Inline-Feedback lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen und korrigieren.

Der eigentliche Mehrwert dual-metrischer Systeme liegt darin, dass sie die Schnittstelle zwischen menschlicher Wahrnehmung und Prozesssteuerung darstellen. Bediener können Anpassungen sofort bewerten – sowohl mechanisch als auch optisch. So wird datengetriebene, ertragsstarke Produktion möglich, bei der „gut aussehend“ auch tatsächlich „gut gemacht“ bedeutet.

Automatisierung und Scannersysteme werden daher eine Schlüsselrolle in der nächsten Entwicklungsstufe der Flachglasverarbeitung spielen – zugunsten höherer Qualität, stabilerer Prozesse und nachhaltiger Wirtschaftlichkeit.

Das Klemmen der Laminate kann zusätzliche Spannungen erzeugen, die zu Delamination oder Rissen führen

Foto: Softsolution

Das Klemmen der Laminate kann zusätzliche Spannungen erzeugen, die zu Delamination oder Rissen führen

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