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Von Weltneuheit zum Markenname

Wie das System MF 167 die Sichtbarkeit von Soudal erhöht hat

GW – Herr Lüdtke, der Bau an sich befindet sich in keiner guten Verfassung. Wie ist 2025 für Soudal in Ihrem Verantwortungsbereich gelaufen?

Harald Lüdtke – Wir haben es nicht geschafft, zweistellig zu wachsen, aber wir sind immerhin gewachsen. In Deutschland sind wir bei 110 Millionen Euro, in Österreich bei 14 Mio. und in der Schweiz haben wir gerade erst die Soudal AG gegründet – da stehen wir bei drei Mio. Euro Umsatz. Insgesamt etwa fünf Prozent Wachstum über alle Kanäle hinweg: DIY, Industrie und ­Fachhandel.

GW – Das ist sehr eindrucksvoll! Wo kam das Wachstum her?

Lüdtke – Im letzten Jahr waren wir im Do-it-yourself-Bereich, also in den Baumärkten etwas verhaltener im Vergleich zu 2024. Unser Wachstum kam ganz klar aus dem Fachhandelsbereich und da muss man ehrlicherweise sagen, tatsächlich aus dem Fensterbereich – speziell der Sanierung. Das sehen wir bei unserem Portfolio deutlich: Klassische neubau-lastige Produkte wie Perimeterdämmkleber oder 2K-Schäume für Innentüren waren deutlich weniger gefragt.

GW – Was war dann der Hauptwachstumstreiber in Ihrem Portfolio?

Lüdtke – Das, was wir vor genau zwei Jahren als Weltneuheit vorgestellt hatten, hat uns mit Riesenschritten in den Sanierungs-Markt gebracht. Wir hatten den luftdichten Füll- und Dämmstoff MF 167 auf der Frontale 2024 vorgestellt. Die Verkaufszahlen danach haben uns mehr als überrascht: 2024 haben wir 4 Mio. Laufmeter MF 167 in den Markt gebracht. Und das war nur ein Dreivierteljahr, da wir erst ab April lieferfähig waren. 2025 waren die Zahlen mit 8 Mio. Laufmeter dann noch beeindruckender. Also wurden theoretisch über 2 Mio. Fensterelemente mit unserem System abgedichtet. Zum System gehören auch immer Produkte für die äußere Abdichtung, ohne diese geben wir den Aufbau nicht frei.

GW – Wie erklären Sie sich diese Zahlen?

Lüdtke – Natürlich liegt viel eingekauftes Material noch bei Händlern und Verarbeitern, das ist noch nicht auf den Baustellen gelandet, diese Menge müsste man noch abziehen. Auch gehört zur Wahrheit, dass dieses Produkt in anderen Gewerken wie im Dachdeckerbereich eingesetzt wird. Für luftdichte Situationen ist es dort viel komfortabler als klassische Kompribänder, weil man besser in die Ecken reinkommt. Aber dennoch: Das Produkt ist ein Game-Changer für die Fenstermonteure und damit auch für uns. Es hat unsere Sichtbarkeit auf den Baustellen ganz klar und massiv erhöht. Viele Verarbeiter reden nicht mehr über einen ‚Dämmschaum’, sondern über den 167er. Das ist auch für uns ein großer Schritt, wenn ein Markenname so wirkt.

Wir hatten den Füll- und Dämmstoff MF 167 auf der ­Frontale 2024 vor­gestellt und die Verkaufs­zahlen ­haben uns seitdem mehr als ­überrascht!

Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland, Österreich und Schweiz.

GW – Gab es Kritik oder Herausforderungen bei der Markteinführung des 167er?

Alexander Kirch – Kritik und Fragen gab es natürlich. Wir haben in den letzten zwei Jahren viele Prüfungen gemacht. Es gibt auch ein Forschungsvorhaben „1a Dicht“ in Österreich, bei dem auch das ift mitarbeitet. Dabei kam klar raus: Wenn man innen mit luftdichten Schäumen arbeitet, braucht man das Dogma „innen dichter als außen“ nicht mehr. Wenn ich innen luftdicht bin, habe ich keine Konvektion mehr. Ich trage nicht mit einem Luftstrom feuchte Luft in das System ein, sondern habe nur noch Diffusion. Und Diffusion ist immer ein Vielfaches weniger als Konvektion.

GW – Welche Rolle spielt der Brandschutz?

Kirch – Die klassischen Montage­schäume haben alle B2, unser 167 hat Baustoffklasse B1, schwer entflammbar. Das hat Vorteile bei Fugengeometrien, die wir aber gar nicht offensiv ausspielen. Aber: Wenn das Fenster in das WDVS integriert wird, ist es dem Fassadensystem zuzuordnen und muss daher in die Klasse B1 eingestuft werden – ein Aspekt, der in der Praxis jedoch häufig nicht ausreichend berücksichtigt wird.

GW – Warum setzen Sie auf Systemlösungen?

Lüdtke – Man müsste die Frage vielleicht eher umdrehen: Warum legen wir in der Fensterbranche so wenig Wert auf Systeme? Andere Handwerkssparten – Parkettleger, Bodenleger, Fliesenleger – sind alle mit bauchemischen Systemen unterwegs. Kein Fliesenleger käme auf die Idee, eine Grundierung von einem Hersteller, einen Kleber vom anderen und Fugenmörtel von einem dritten zu nehmen. Im Fensterbereich geschieht das aber immer noch auf der Baustelle: Folien, Schäume und Innenabdichtungen werden von völlig verschiedenen Anbietern bezogen und eingesetzt, obwohl die Lösungsanbieter – und im Besonderen auch Soudal – perfekt aufeinander abgestimmte und durch Gebrauchstauglichkeitsnachweise (MO-01/1) geprüfte Abdichtungssysteme bereitstellen.

GW – Woher kommt diese unterschiedliche Herangehensweise in den Gewerken?

Lüdtke – Zum einen haben wir von der Montage­seite eine nicht so stringente Ausbildung wie in anderen Gewerken. Zum anderen gibt es viele Hersteller, die nur einen bestimmten Teil produzieren. Außerdem war bislang die Haftungsfrage nicht eindeutig. Aber in der Bauchemie wird Kompatibilität immer wichtiger. Wer sagt mir denn, dass verschiedene Produkte zusammenpassen? Viele Schäden werden durch einen Systembruch hervorgerufen, chemische Inhaltsstoffe passen dann einfach nicht zusammen. Wenn es einen Schaden gibt, trifft es vorangig den Montagebetrieb, Komponentenlieferanten würden die Haftungsverantwortung zunächst abstreiten.

GW – Wird sich das ändern?

Lüdtke – Luftdichtes Bauen ist immer wichtiger geworden. Wenn man Fenster in einem 1970er-Bau abdichtet, ist die Luftdichtheit noch nicht so relevant – es pfeift sowieso irgendwo durch. Wenn aber in moderneren Gebäuden nicht sauber gearbeteitet wird und irgendwo eine Leckage entsteht, geht die feuchte Innenluft genau durch dieses Loch, kondensiert dort und es gibt auf jeden Fall einen Schaden. Dann kann es sein, dass bei einer Sanierung schon nach zwei, drei Jahren ein Bauschaden entsteht und dann geraten die Montagebetriebe in eine Haftungsfalle. Wenn man jedoch mit Systemanwendungen arbeitet, ist man vor solchen Fällen besser geschützt und hat zudem einen festen Ansprechpartner.

GW – Wie funktioniert das Soudal-SFS-System – welchen Beitrag hat der 167er dabei?

Alexander Kirch – Es sind mehrere Dinge, die man erreichen muss: Der Schaum muss luftdicht sein, die Haftung zu beiden Ebenen muss dauerhaft sichergestellt werden und eine hohe Flexibilität muss vorhanden sein, damit über Jahre die Bewegung aufgenommen wird. Das hat mit klassischen Bauschäumen nichts mehr zu tun – die sind spröde und reißen bei Bewegungen. Ein Geburtsfehler des Polyurethans in den Bauschäumen ist zudem die UV-Stabilität. Deshalb muss nach außen hin immer eine Abdichtung erfolgen. Da wir ausschließlich Systemaufbauten einsetzen, deren Kombinationen vollständig geprüft und freigegeben sind, empfehlen wir – abhängig von der jeweiligen Einbausituation – die Verwendung von SWS Outside Extra, Soudatight Hybrid oder Soudaband PRO BG1.

Mit unserem From-Glass-to-Wall-Konzept begleitet wir Fenster­projekte entlang der gesamten Prozesskette – von der Isolierglasherstellung über die Fensterproduktion bis zum Einbau und luftdichten Baukörperanschluss.

Alexander Kirch

GW – Systeme bei der Bauelemente-Abdichtung sind wahrscheinlich teurer als Einzellösungen…

Lüdtke – Pro Laufmeter sind wir gegenüber allen bekannten Technologien sehr wettbewerbsfähig. Mit MF 167 und Außenabdichtung sind wir schneller, sicherer und auch preislich konkurrenzfähig, weil wir keine zusätzliche Innenabdichtung brauchen. Das ist der ­Wiederkaufeffekt: Wenn jemand damit gearbeitet hat und der Chef oder Montageleiter selbst auf der Baustelle ist, sehen sie sofort, wie viel schneller sie mit dem System sind. Und die Qualität ist auch in der obersten Kategorie.

GW – Gibt es bereits Nachahmer?

Kirch – Noch nicht. Aber das wird kommen, ganz sicher. Wir haben allerdings einen klaren Vorsprung, wir haben immerhin schon zehn Jahre getestet – unsere ersten Prüfungen beim ift Rosenheim sind von 2016. Man könnte auch sagen: Das ist der meist geprüfte Schaum am Markt.

GW – Sie sprechen von einem kompletten System für die Fenstermontage – war es dazu auch notwendig, das Soudal-Portfolio mit Multifunktions- und Kompribänder zu komplettieren?

Lüdtke – Anfang 2023 hat Soudal den französischen Marktführer für Multifunktionsbänder und Kompribänder Tramico übernommen. Dadurch sind wir jetzt in der Lage, den Monteur produktneutral zu beraten. Ein Multifunktionsband ist perfekt im Neubau. Im Sanierungsbereich mit krummen Leibungen ist ein MF 167-System unschlagbar. Wenn die Fuge oben beispielsweise drei Zentimeter und unten neun Zentimeter misst, stößt ein Multifunktionsband aufgrund seines begrenzten Expansionsbereichs an seine Grenzen.

GW – Produkte von Tramico für den französischen Markt sind nicht unbedingt auch für Deutschland geeignet. Wie wurde das Unternehmen in die Soudal-Familie integriert?

Lüdtke – Soudal integriert Unternehmen, die Märkte bereits erfolgreich in einer Region bedienen. Unser erster Ansatz ist zunächst, die Produktanwendung für andere Länder zu adaptieren. Auch der Kapazitätsaufbau ist entscheidend. Insgesamt brauchen wir rund zwei Jahre, um ein akquiriertes Unternehmen technologisch bei uns einzubinden. Mit Tramico sind wir jetzt soweit und wir haben jetzt entsprechend auch in unseren Märkten unser Portfolio entsprechend ausgeweitet.

GW – Wie unterscheiden sich die Märkte in D und F bei den Multifunktions- und ­Kompribändern?

Kirch – Die Produktionstechnologie ist identisch, aber die Anforderungen unterschiedlich. In Deutschland brauchen wir überall B2-Baustoffklasse, das gibt es in Österreich, Schweiz oder Frankreich aber nicht. In Frankreich gelten im Rahmen des CSTB sehr strenge Zulassungs- und Prüfanforderungen, die ausländischen Herstellern den Marktzugang deutlich erschweren und faktisch einen hohen Schutz gegenüber Importprodukten bewirken. Soudal beherrscht die Technologie, wie Bänderschäume imprägniert werden, damit diese Anforderungen gerecht werden.

GW – Die Vielfalt bei den Produkten für die Abdichtung ist immens – wie unterstützen Sie Anwender bei der Produktauswahl?

Alexander von Vulté – Durch unser Soudal Windows System – kurz SWS –, mit dem wir die unterschiedlichen Bausituationen in die Kategorien Innen, Mitte, Außen deklarieren. Der Anwender erkennt auf einen Blick, welche Kombinationen möglich sind und hat den großen Vorteil, dass Wechselwirkungen ausgeschlossen und keine Adhäsions- oder Kohäsionsverluste zu erwarten sind. Wir können einen BG1-Band mit flüssiger Abdichtung im unteren Bereich kombinieren, um schwachstellensicher zu sein.

GW – Was kann der Anwender noch erwarten?

Lüdtke – Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv in Prüfkosten und Weiterentwicklungen investiert – und der Markt darf sich noch auf einiges freuen. Unsere Technologie beherrschen wir seit über zehn Jahren: elastische, flexible und luftdichte Schäume, die wir erfolgreich im Dach- und Fensterbereich einsetzen. Zunehmend werden wir auch zu weiteren Montagematerialien gefragt. Mit der Übernahme von Tramico haben wir unser Portfolio deutlich erweitert und treten heute ebenfalls als Produzent von Multifunktions- und Kompribändern auf. Auch diese Weiterentwicklungen werden wir selbstverständlich auf der Messe präsentieren. Darüber hinaus verfügen wir über ein äußerst kompetentes Anwendungsteam, das unsere Kunden direkt auf der Baustelle unterstützt und praxisnah berät – auch bei anspruchsvollen Projekten. Und eines ist klar: Wir werden auch in Zukunft konsequent weiter investieren – in Technologie, Qualität, Anwendungssupport und neue Lösungen, die unsere Partner in ihrer täglichen Arbeit spürbar voranbringen.

GW – Herr Lüdtke, Herr von Vulté, Herr Kirch: Herzlichen Dank für die Informationen und viel Erfolg auf der Frontale 2026

Das Gespräch führte in der Soudal-Zentrale in ­Leverkusen Chefredakteur Daniel Mund.

Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland, Österreich und Schweiz.

Foto: Soudal

Harald Lüdtke, Geschäftsführer Soudal Deutschland, Österreich und Schweiz.
Alexander Kirch (hier im Bild zu sehen mit  dem 2K--Silikon Kleber für Direkt-Glazing-Anwendungen)

Foto: Daniel Mund / GW

Alexander Kirch (hier im Bild zu sehen mit  dem 2K--Silikon Kleber für Direkt-Glazing-Anwendungen)
Nach umfangreicher Baumaßnahme konnte 2024 am Leverkusener Soudal-Standort ein modernes Hochregal­lager mit 14 m hohen Regaleinheiten sowie ein Logistikzentrum mit sechs Beladungstoren für Lkws ­bezogen werden.

Foto: Soudal

Nach umfangreicher Baumaßnahme konnte 2024 am Leverkusener Soudal-Standort ein modernes Hochregal­lager mit 14 m hohen Regaleinheiten sowie ein Logistikzentrum mit sechs Beladungstoren für Lkws ­bezogen werden.

Die Gesprächs­partner

Harald Lüdtke (58) ist seit 2012 Geschäftsführer der Soudal Deutschland N.V.. Der Diplom-Mineraloge begann seine Karriere im Bereich Produktentwicklung und Anwendungstechnik in der Baubranche, bevor er als Prokurist bei Saint-Gobain einen neuen Geschäftsbereich aufbaute. Dort leitete er später das bauchemische Geschäft mit Fokus auf Fliesenverlegung und Bautenschutz. Der Regional Director Central ­Europe engagiert sich als Mitglied im Vorstand der Deutschen Bauchemie und im Beirat des ift Rosenheim. Seine Erfahrung und strategische Kompetenz prägen die Ausrichtung von Soudal Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Alexander von Vulté, Marketingleiter bei Soudal, verantwortet die strategische Kommunikation und Markenführung des Unternehmens. Mit seiner Marktkenntnis und seinem Gespür für Kundenbedürfnisse gestaltet er die Markenpräsenz und entwickelt Kampagnen, um die Position des Anbieters von Kleb- und Dichtstoffen weiter auszubauen. Von Vulté ist maßgeblich daran beteiligt, die Marke Soudal in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt zu stärken.

Alexander Kirch, Teamleiter Technik und Entwicklung bei Soudal, ist ein ausgewiesener Experte für praxisorientierte Produktentwicklung. Seine Arbeit verbindet technisches Know-how mit den Anforderungen von Verarbeitern und Bauprojekten. Sein Ziel ist es, Produkte zu schaffen, die praktische Herausforderungen auf Baustellen meistern und dabei höchsten Qualitätsstandards entsprechen.