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Interview mit Dr. Matthias Seel

Raus aus der Nische – Neue Isoliergläser für Fenster- und Fassaden

GW – Herr Dr. Seel, seit kurzem gibt es nun zwei Anbieter von Vakuum-Isoliergläsern in Deutschland sowie einen weiteren in Frankreich, die über eine CE-Kennzeichnung verfügen. Verlassen Vakuumgläser jetzt ihr Nischendasein?

Dr. Matthias Seel – Ja, immer mehr Hersteller und Anbieter von Vakuum-Isolierglas drängen auf den Markt. Neben Standardfenstergrößen sind auch Formate bis zu 3 × 2 m möglich. Dadurch ist das Produkt sowohl für den privaten Bereich als auch für Fassadenanwendungen attraktiv. Und ich denke, dass der Sprung aus der Nische nicht mehr fern ist.

Bei dünnem 3-fach-ISO wirkt die mittlere dünne Glasschicht nicht tragend. Sie fungiert ­lediglich als Trennschicht für die Scheiben­zwischenräume, ­deshalb ­bedarf es keiner zusätzlichen ­Regelungen gegenüber üblichen Mehrscheiben-Isoliergläsern.

GW – Vakuumglas erreicht heute Ug -Werte die auf 3-fach-Niveau sind, bei deutlich geringerer Dicke. Wo sehen Sie die praktischen Vorteile?

Dr. Seel – Die geringere Gesamtglasdicke geht mit einem deutlich gesenkten Gesamtgewicht der Verglasung einher. Das bedeutet zudem geringere Profildicken von Fenster- und Fassadensystemen und die Beschläge können kleiner dimensioniert werden. Dank des hermetisch geschlossenen Randverbunds gehe ich zudem von einer erheblich längeren Lebensdauer bei gleichbleibend hoher thermischer Performance aus. Und bei schräg eingebauten Gläsern sowie bei Überkopfverglasungen bleibt die Performance die gleiche.

GW – Lassen Sie uns auch einen Blick auf dünnes 3 fach ISO mit ultradünner Mittelscheibe (0,5 mm) werfen. Wie ist hier die Entwicklung?

Dr. Seel – Die Herstellung dieser dünnen Gläser in großen Abmessungen von bis zu 3,2 m × 2,2 m eröffnet auch für das Bauwesen neue Möglichkeiten. Auf dieser Grundlage können innovative Verglasungskonstruktionen neben den bereits entwickelten 3-fach ISO mit der dünnen Mittelscheibe entwickelt werden, die im Vergleich zu herkömmlichen Konstruktionen ein geringeres Gewicht aufweisen.

GW – Und wie steht es hierzulande mit der Zulassung von dünnem 3-fach-ISO, das ja bereits sehr erfolgreich in der Schweiz sowie in Großbritannien eingesetzt wird?

Dr. Seel – Die mittlere dünne Glasschicht wirkt nicht tragend und fungiert lediglich als Trennschicht für die Scheibenzwischenräume, deshalb bedarf es keiner zusätzlichen Regelungen gegenüber üblichen Mehrscheiben-Isoliergläsern.

Bei Vakuum-Isolierglas gehe ich von einer erheblich ­längeren Lebens­dauer bei gleich­bleibend hoher thermischer ­Performance aus., dank des hermetisch ­geschlossenen Randverbunds.

GW – Sie sind mit dem Glass Competence Center der Technischen Universität Darmstadt an vielen neuen Entwicklungen beteiligt. Wo sehen Sie Potentiale für weitere neue Isolierglas-Produkte.

Dr. Seel – Zukünftige Isolierglasprodukte werden noch deutlich funktionaler werden. Dazu zählt aus meiner Sicht die Gewinnung thermischer und elektrischer Energie, etwa durch die Integration von Photovoltaik. Gerade bei der gebäudeintegrierten Photovoltaik sehen wir einen Zuwachs. Große Fassaden-Systemhäuser führen bereits entsprechende Systeme im Programm. Und das wird weiter an Fahrt aufnehmen. Ein weiterer Wunsch ist natürlich eine adaptive Anpassung der Fenster- und insbesondere der Fassadengläser an die Nutzerbedürfnisse sowie an veränderliche Umweltbedingungen. Auch hier sehen wir einen Zuwachs an Produkten bei den schaltbaren Gläsern sowie bei den Anbietern solcher Systeme. Ebenso besteht noch ein Verbesserungspotenzial bei der Entwicklung thermisch optimierter Randverbundsysteme.

GW – Ein wichtiges Thema ist das Recycling. Was erwarten Sie hier?

Dr. Seel – Wir werden hier Entwicklungen bei Isoliergläsern sehen, bei denen sich die bei der Herstellung eingesetzten Materialien am Ende der Nutzungsdauer leichter trennen lassen bzw. einfach wiederverwendet werden können. Insgesamt sehe ich sehr positiv in die Zukunft, denn die Möglichkeiten von Glas als Werkstoff für die Baubranche sind noch lange nicht ausgereizt.

Die Fragen stellte Matthias Rehberger

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