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Im Interview mit mit Peter Ertelt vom Bundesverband Wintergarten e.V.

Qualität entscheidet – nicht der Preis

GW – Herr Ertelt, warum ist das Thema Terrassendach aktuell so stark in der Diskussion?

Peter Ertelt – Der Markt wächst sehr dynamisch, insbesondere durch Online-Angebote und standardisierte Systeme. Gleichzeitig sehen wir in der Praxis zunehmend Probleme bei Qualität, Planung und Ausführung. Der GLASWELT-Artikel zeigt das sehr klar: Viele Systeme werden ohne vollständige technische Unterlagen geliefert, und genau das ist der Kern des Problems.

GW – Wo liegt die größte Herausforderung bei der Einordnung von Terrassendächern?

Ertelt – Die Herausforderung liegt in der fehlenden klaren normativen Definition. Terrassendächer bewegen sich zwischen Bauteil und Bauwerk. Entscheidend ist deshalb die Systembetrachtung: Wenn ein industriell vorgefertigtes System vorliegt, kann die Montage zulässig sein. Sobald jedoch konstruktive Leistungen, statische Anpassungen oder Eigenlösungen hinzukommen, verlassen Betriebe schnell den Bereich.

GW – Der Artikel betont die Abgrenzung zwischen Montage und handwerklicher Leistung. Wie bewerten Sie das?

Ertelt – Diese Abgrenzung passt mit unserer Sichtweise zu 100 % zusammen. Montage bedeutet die Umsetzung eines vorgegebenen Systems, ohne eigene statische oder konstruktive Leistung. Das ist auch die Grundlage für die Einordnung nach Handwerksordnung. In der Praxis wird diese Grenze jedoch häufig überschritten, etwa wenn Systeme angepasst oder vor Ort „nachgebessert“ werden. Genau hier entstehen rechtliche und technische Risiken.

GW – Ein großes Thema sind günstige Systeme aus dem Internet. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Ertelt – Wir sprechen hier ganz klar über ein Qualitätsproblem. Viele dieser sogenannten „Billigdächer“ werden ohne vollständige statische Nachweise, ohne geprüfte Systemstatik oder ohne klare Vorgaben zur Gründung angeboten. Oft fehlen auch belastbare Montageanleitungen oder eine dokumentierte Werkseigene Produktionskontrolle. Das führt dazu, dass Betriebe auf der Baustelle improvisieren müssen, und das mit erheblichen Risiken für Sicherheit und Haftung. Der Preis darf hier nicht das entscheidende Kriterium sein.

GW – Welche Rolle spielt dabei der Hersteller?

Ertelt – Eine entscheidende. Der Hersteller ist systemverantwortlich. Er muss ein geprüftes System liefern, inklusive Statik nach Eurocodes, vollständiger technischer Dokumentation und klaren Montagevorgaben. Nur wenn diese Unterlagen vollständig vorliegen, kann ein Betrieb überhaupt rechtssicher montieren. Fehlt das, wird die Verantwortung de facto auf den Monteur verlagert, und das ist nicht zulässig.

GW – Wie können sich Fachbetriebe in diesem Umfeld richtig positionieren?

Ertelt – Durch klare Abgrenzung und Qualität. Betriebe müssen konsequent mit geprüften Systemen arbeiten und ihre Leistungen sauber definieren. Gleichzeitig wird die fachliche Qualifikation immer wichtiger. Genau hier setzen wir als Bundesverband Wintergarten an: Wir bieten Schulungen, Qualifizierungen und Prüfungen an, um Betriebe gezielt auf diese Anforderungen vorzubereiten. Das schafft Sicherheit für den Betrieb und für den Endkunden.

GW – Welche Rolle spielt der Bundesverband Wintergarten konkret beim Thema Terrassendach?

Ertelt – Wir verstehen das Terrassendach als Teil unseres Kompetenzfeldes, da es konstruktiv und technisch eng mit Wintergärten verbunden ist. Unser Anspruch ist es, Qualitätsstandards zu definieren und Betriebe zu qualifizieren. Mit unseren Qualifizierungssystem zertifizieren wir nach Prüfung die Dächer und Fertigung der Hersteller, schulen Planung und Montage der Betriebe. Ziel ist es, dem Markt geprüfte Systeme durch qualifizierte Fachbetriebe zur Verfügung zu stellen.

GW – Ihr Fazit zur aktuellen Marktentwicklung?

Ertelt – Der Markt wird transparenter – und das ist eine Chance. Qualität, Nachweisführung und klare Verantwortlichkeiten werden sich langfristig durchsetzen. Gleichzeitig sehen wir eine zunehmende Verbreitung günstiger Systeme über Social Media und Online-Plattformen, bei denen häufig entscheidende Nachweise wie Statik oder technische Dokumentation fehlen. Dadurch entstehen erhebliche Risiken für Betriebe und Endkunden. Wer hingegen konsequent auf geprüfte Systeme, klare Abgrenzung und Qualifikation setzt, wird sich im Markt nachhaltig differenzieren. Genau hier unterstützen wir als Verband mit Standards, Schulungen und ­Prüfungen.

Das Gespräch führte der Ressortleiter Sonnnenschutz Olaf Vögele auf der Fensterbau Frontale

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