Bottero baut seine Rolle in der Glasindustrie weiter aus und geht den nächsten Schritt: vom klassischen Maschinenlieferanten zum Prozess- und Profitabilitätspartner für Glasverarbeiter. In unserer Titelstory beleuchten wir, wie das italienische Traditionsunternehmen aus Cuneo seine Strukturen und sein Serviceverständnis neu definiert und erweitert und dabei seine Marktpräsenz in Deutschland gezielt weiterentwickelt, um Kunden entlang der gesamten Glaswertschöpfungskette noch besser zu unterstützen.
Bottero gehört zu den traditionsreichsten Unternehmen im internationalen Glasmaschinenbau und ist dabei auch einer der Technologieführer. Das 1957 im italienischen Cuneo gegründete Familienunternehmen hat sich in fast sieben Jahrzehnten von einem regionalen Maschinenbauer zu einem global agierenden Technologiekonzern entwickelt.
Heute entwickelt, produziert und installiert Bottero Maschinen, Anlagen und komplette Produktionslinien für nahezu alle Bereiche der Glasindustrie – von Flachglas über Hohlglas bis hin zu hochautomatisierten Speziallösungen.
Eine Besonderheit des Unternehmens ist seine außergewöhnlich breite Aufstellung. Bottero bezeichnet sich als den weltweit einzigen Hersteller, der sowohl die gesamte Prozesskette für Flachglas als auch für Hohlglas aus einer Hand abdeckt.
Das Portfolio reicht von einzelnen Standardmaschinen für kleine und mittelständische Glasverarbeiter bis hin zu schlüsselfertigen Großprojekten für internationale Industriekonzerne. Dazu gehören Schneid-, Schleif-, Bohr- und Bearbeitungsmaschinen ebenso wie Floatglas-, Laminier-, Isolierglas-, Verpackungs- und komplette Produktionslinien für Glasbehälter.
Hohe Investitionen in die Forschung
Aktuell befindet sich Bottero in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der dazu führt, dass der Anbieter investiert, um die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Ziel sei es, das Unternehmen strukturell und von der Prozess-Seite her auf ein neues Niveau zu heben und es fit für die Zukunft zu machen.
Andrea Amandola, Director R&D and Engineering im Bereich Flat Glass, beschreibt diesen Prozess so: „Wir müssen unser Unternehmen auf eine neue Ebene bringen“, betont Amandola. „Denn die gesamte Flachglasbranche steht vor neuen Herausforderungen, die eine Neuaufstellung auf allen Ebenen erforderlich machen. Und genau diese Transformation findet aktuell nicht nur an unserem Hauptsitz in Cuneo statt, sondern auch weltweit in allen internationalen Niederlassungen.“
Gleichzeitig betont Entwicklungsleiter Amandola die Kundennähe und die enge Zusammenarbeit mit Glasverarbeitern von Bottero.
Flexibilität und Reaktionsfähigkeit auf Kundenwünsche seien zentrale Erfolgsfaktoren, die auch die kontinuierliche Weiterentwicklung neuer Funktionen und Lösungen vorantreiben. Bottero sieht sich dabei besonders stark im Bereich Automatisierung und Service.
Starker Fokus auf Automation und Flexibilität
Eine, wenn nicht die, Kernkompetenz von Bottero ist R&D, also Forschung und Entwicklung. In diesem Segment ist ein großer Teil der Mitarbeiter aktiv, dem auch die technischen Dienstleistungen zugeordnet sind.
Kontinuierliche Investitionen in neue Technologien sind Teil der DNA von Bottero und sind damit auch für die zahlreichen Patente verantwortlich. Auf dieser Basis können auch individuelle Kundenanforderungen flexibel umgesetzt werden, während gleichzeitig ein hoher Standardisierungsgrad erhalten bleibt.
Seit Jahren steht die weitere Automation der Bottero-Anlagen ganz oben auf der Agenda der Verantwortlichen. So erreichen bereits heute integrierte Glaslinien einen Automatisierungsgrad von 60 bis 70 Prozent und mehr. In der Konsequenz verkürzen sich auch die Installation und die Inbetriebnahme und der Maschinen und Anlagen.
Dennoch verfolgt Bottero bewusst keinen Einheitsansatz und richtet sich gleichermaßen an Großkunden mit vollautomatisierten Linien und parallel dazu auch an kleinere und mittelständische Verarbeiter. Diese können mit entsprechenden Einstiegslösungen schrittweise in die Automatisierung einsteigen.
Auch Luigi Durand de la Penne, Director Sales, Aftersales & Marketing, unterstreicht diesen Ansatz: „Unser Vorteil liegt darin, dass wir vom Einzelgerät bis zu integrierten Fabriksteuerungen Systeme anbieten, die Industrie-5.0-Standards erfüllen. So können wir sowohl kleine Betriebe als auch Großkunden mit maßgeschneiderten Lösungen bedienen.“
Ein weiteres Ziel sei es, den digitalen Austausch mit dem Verarbeiter weiter auszubauen und Produktionsprozesse stärker miteinander zu vernetzen. Maschinen sollen künftig nicht nur arbeiten, sondern miteinander kommunizieren und eigenständig Vorschläge zur Optimierung von Produktionsabläufen machen.
Daten und künstliche Intelligenz als Rückgrat
Im Mittelpunkt der strategischen Weiterentwicklung von Bottero steht zunehmend das Thema Datenmanagement. „Die Daten sind die Zukunft“, erklärt Entwicklungsleiter Amandola. „Daten sind das Rückgrat der Produktion. Wir wollen den digitalen Dialog mit unseren Verarbeitern konsequent weiterentwickeln und die einzelnen Produktionsschritte noch enger miteinander verzahnen.“
Maschinen sollen dabei nicht mehr isoliert arbeiten, sondern untereinander Informationen austauschen, aus Betriebsdaten lernen und dem Bediener aktiv Optimierungsvorschläge liefern, so unterstützt die Anlage den Menschen im laufenden Betrieb.“
Auch die Projektumsetzung profitiert davon: Neue Anlagen lassen sich dank digitaler Werkzeuge deutlich schneller in Betrieb nehmen. Damit vollzieht Bottero konsequent den Schritt vom Maschinenlieferanten zum Prozess- und Profitabilitätspartner, bei dem nicht das einzelne Gerät, sondern die gemeinsam mit dem Kunden erzielte Wertschöpfung im Vordergrund steht.
Mit der Plattform GlassForm.AI entwickelt sich das Datenmanagement zum zentralen Nervensystem der Produktion. Künstliche Intelligenz entscheidet künftig gemeinsam mit der Software etwa darüber, wann und wo eine Scheibe zugeschnitten wird, abhängig von Auftrag, Glasart und Produktionszielen.
Auch der Digitale Zwilling gewinnt zunehmend an Bedeutung: Bereits in der Angebotsphase unterstützt er die Auslegung von Anlagen, später begleitet er den gesamten Produktionsprozess.
Luigi Durand de la Penne ergänzt dazu aus Vertriebssicht: „Mit GlassForm.AI verfügen wir über eine der fortschrittlichsten KI-Entwicklungen in der Glasindustrie. Der messbare Nutzen für unsere Glasverarbeiter ist eindeutig: weniger Ausschuss, geringerer Energieeinsatz, höhere Prozessstabilität und bessere Transparenz für den Betreiber.“
Während Service und Ersatzteile früher häufig als zusätzliche Kosten gesehen wurden, stehen sie heute im Zentrum der Kundenanforderungen. Und dem tragen wir Rechnung.
Matthias Rehberger / GW
Im Zentrum steht immer der Mensch
Trotz aller Automatisierung und des zunehmenden Einsatzes von KI in der Fertigung bleibt der Mensch ein zentraler Bestandteil der Produktion, davon sind die Verantwortlichen von Bottero überzeugt.
„In der Glasverarbeitung bleiben die Erfahrung und das Gespür von Werksleitern, Produktionsleitern und Bedienern unverzichtbar“, so Entwicklungsleiter Andrea Amandola. „KI verstehen wir nicht als Ersatz für Fachkräfte, sondern als praktische Unterstützung im Arbeitsalltag. Und dabei ist eines essenziell: Die Verantwortung bleibt beim Menschen.“
Service neu gedacht – vom Kostenfaktor zur Investition
Für Bottero bedeutet Service heute weit mehr als Wartung oder Ersatzteile. Erst das Zusammenspiel aus Maschinen, intelligenter Software, künstlicher Intelligenz und digitalem Zwilling hebt die Produktion für Verarbeiter auf ein neues Niveau, so das Unternehmen.
Flexibilität und ein verlässlicher Service werden deshalb zu zentralen Leitprinzipien des Unternehmens. Ziel ist es, dem Kunden jederzeit aktiv zu unterstützen.
Bottero versteht sich damit zunehmend als Berater, der gemeinsam mit seinen Kunden optimale technische und wirtschaftliche Lösungen entwickelt.
Service als Bestandteil der Produktion
„Während der Service und Ersatzteile früher häufig von Unternehmen als zusätzliche Kosten betrachtet wurden, stehen der Service heute im Zentrum der Kundenanforderungen“, erläutert Cristian Dutto, Technical Support & Spare Parts Manager im Bereich Flachglas. „Für unsere Kunden ist entscheidend, dass Maschinen langfristig zuverlässig laufen und ihre Investition abgesichert ist.“ Er sieht den Wandel im Servicebereich als grundlegende Veränderung der Marktlogik.
Cristian Dutto ist seit 25 Jahren im Unternehmen tätig, seit vielen Jahren im Service.
Dutto kennt die Anforderungen der Kunden wie kein anderer im Unternehmen und weiß, wie er Glasverarbeitern schnell und direkt helfen kann. Mit diesem neuen Ansatz von Service als aktivem Part der Produktion reagiert Bottero mit einer deutlichen Optimierung der Ersatzteilversorgung.
Das Unternehmen analysiert die Rotation von Ersatzteilen systematisch, um Verfügbarkeit und Lagerhaltung entsprechend anzupassen und zu verbessern, um dadurch wiederum noch schneller auf Kundenbedarfe reagieren zu können.
Vorausschauende Wartung und Remote-Service
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der engen Betreuung der Kunden nach der Inbetriebnahme der Bottero-Anlagen. Das Service-Team bietet dafür Wartungspakete an, bei denen Techniker regelmäßig vor Ort sind, um Inspektionen und Teileaustausch durchzuführen. Ziel ist es dabei, Stillstände weitgehend zu vermeiden und Wartungsmaßnahmen gezielt planbar zu machen, und zwar auch langfristig.
„Ein großer Teil der Servicefälle lässt sich heute bereits remote lösen, wodurch wir Reisezeiten reduzieren und Reaktionszeiten deutlich verkürzen können“, so Cristian Dutto. „Ergänzend setzen wir vorausschauende Wartungsstrategien ein, die auf der Analyse der Kundendaten basieren.“
Vor diesem Hintergrund sehen wir Wartung dabei nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition in die Zukunft. „Durch planbare Eingriffe und präventive Maßnahmen lassen sich Produktionsausfälle vermeiden und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen deutlich steigern“, betont Dutto.
Damit verändert sich auch das Selbstverständnis des Servicebereichs bei Bottero: vom reaktiven Ersatzteillieferanten hin zum aktiven Partner, der gemeinsam mit dem Verarbeiter die Produktionsstabilität sicherstellt.
Der deutsche Standort in Grevenbroich spielt in dieser Strategie eine zentrale Rolle. Durch die Lage mitten in Europa fungiert Bottero Deutschland als wichtiger Hub, insbesondere für die Märkte in Benelux, Österreich und Polen sowie Dänemark, Tschechien, Slovakei und Rumänien.
Auch die enge Verzahnung zwischen dem deutschen Standort und dem Stammsitz in Cuneo trägt dazu bei, technisches Know-how schnell und zuverlässig an den Kunden zu bringen. Entsprechend wird das technische Netzwerk dort kontinuierlich ausgebaut, um Kunden schneller und direkter bedienen zu können.
„Unser Anspruch ist klar“, so Cristian Dutto. „Wir wollen Glasverarbeiter jederzeit schnell und verlässlich unterstützen. Kundenzufriedenheit entsteht durch Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Kompetenz, nicht durch Versprechungen.“
Retrofit statt Neuanschaffung
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit den Kunden. Bottero versteht sich nicht ausschließlich als Maschinenlieferant, sondern als langfristiger Technologiepartner.
Das Unternehmen begleitet dabei die Projekte von der Planung über die Konstruktion und Installation bis hin zu Schulungen, Wartung, Modernisierung und Ersatzteilversorgung und auch mit späteren Retrofits von Maschinen, falls gewünscht. Und das weltweite Vertriebs- und Servicenetz sorgt dafür, dass Kunden auch nach der Inbetriebnahme weiter kontinuierlich unterstützt werden können.
Um die Lebensdauer seiner Maschinen weiter zu erhöhen, entwickelt Bottero gezielt Retrofit-Lösungen. Diese ermöglichen es, bestehende Maschinen technologisch aufzurüsten, anstatt sie vollständig zu ersetzen.
„In vielen Fällen können wir die Leistungsfähigkeit einer bestehenden Anlage so deutlich steiFgern, dass sie nahezu den Zustand einer neuen Maschine erreicht“, erläutert Cristian Dutto. „Die Maschinen werden dabei zunehmend als langfristige Investition betrachtet, die durch Updates, Ersatzteile und digitale Anbindung kontinuierlich modernisiert wird.“
Ziel ist es, den Output und die Qualität dauerhaft zu verbessern und gleichzeitig die Lebensdauer der Anlagen zu verlängern. Für den Verarbeiter bedeutet dies eine deutlich höhere Investitionssicherheit, da sich Maschinen über viele Jahre wirtschaftlich betreiben lassen, ohne dass komplette Neuanschaffungen erforderlich werden.
Gleichzeitig lassen sich so auch ältere Anlagen an moderne digitale Prozessumgebungen anbinden – ein wichtiger Schritt in Richtung Automation und zunehmend vernetzter Produktion.
Weiterentwicklung und Upgrade
Zufriedene Kunden von Bottero heben immer wieder die Ingenieurskompetenz des Herstellers hervor. Jede Maschine und jede Produktionslinie wird mit dem Ziel entwickelt, höchste Präzision, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Das zeigt sich auch bei der Weiterentwicklung bestehender Maschinen bzw. Maschinenteile. Ein Beispiel ist das neue Double-Heating-System für den VSG-Zuschnitt. Damit kann das Schnittvolumen innerhalb weniger Monate nahezu verdoppelt werden. Die Technologie lässt sich zudem bei jüngeren Bestandsmaschinen wie der LAM 548 nachrüsten.
Deshalb richten die Bottero-Ingenieure ihre Anstrengungen auch darauf, Nachrüstungen mit den weiterentwickelten Maschinenelementen zu ermöglichen, etwa bei bestehenden Anlagen wie der LAM 548, die dadurch technologisch auf den neuesten Stand gebracht werden können.
„Während Service und Ersatzteile früher häufig als zusätzliche Kosten gesehen wurden, stehen sie heute im Zentrum der Kundenanforderungen. Und dem tragen wir Rechnung.“
So baut Bottero die Zusammenarbeit mit Kunden aus
Seine enge Zusammenarbeit mit den Kunden will Bottero noch weiter ausbauen und sieht sich dabei als langfristiger Technologiepartner, der die Projekte der Glasverarbeiter begleitet – von der Planung bis zur Montage und Inbetriebnahme sowie über eine lange Produktionsdauer. Und das schließt Wartung, Modernisierung und Ersatzteilversorgung mit ein.
Vor diesem Hintergrund wird Deutschland in Bezug auf das Servicenetz kontinuierlich ausgebaut. Ziel ist es, noch schneller und effizienter auf Kundenanfragen zu reagieren.
Der Niederlassung in Grevenbroich kommt in dieser Strategie eine Schlüsselrolle zu. Sie fungiert als bedeutender europäischer Knotenpunkt, der Österreich, die Benelux-Ländern, Dänemark, Polen, Rumänien, Slovakei, und Tschechien bedient. In den kommenden Monaten wird das Team dort personell und strukturell weiter verstärkt, um Anfragen noch kurzfristiger bearbeiten zu können. „Wir wollen unsere Kunden jederzeit schnell, zuverlässig und lösungsorientiert unterstützen,“ das unterstreicht Armin Bolch, General Manager von Bottero Deutschland.
Foto: Matthias Rehberger / GW
Andrea Amandola, Director R&D and Engineering for Flat Glass
Foto: Matthias Rehberger / GW
Luigi Durand de la Penne, Sales und Aftersales Director
Foto: Bottero
Die Bottero Konzernzentrale in Cuneo am Fuße der Alpen
Foto: Bottero
Einen wichtigen Stellenwert nehmen die Lager- und Speichersysteme im Angebot des italienischen Anbieters ein, hier das 695 HPS Kranladesystem mit 636 Sortieranlage für Gläser bis 7000 × 3300 mm
Foto: Matthias Rehberger / GW
Eine große Stärke von Bottero ist das enge Zusammenspiel zwischen den Facharbeiter und den Ingenieuren des Unternehmens
Foto: Matthias Rehberger / GW
Zufriedene Kunden heben immer wieder die Ingenieurskompetenz von Bottero hervor.
Foto: Bottero
Der 353 BCS Float Schneidetisch lässt sich mit Randentschichtung, Formschnitt und Labeldrucker ausstatten
Foto: Chen GuangChun
Die TitanEVO 4.0 Doppelseitige Schleifmaschine für die Flachkantenbearbeitung und für Säumen bis 6000 mm ist erhältlich ab 14 Spindeln (7+7 pro Seite) bis hin zu 28 Spindeln (14+14)
Foto: unichrome
Der VSG-Zuschnitt ist eine zentrale Kernkompetenz von Bottero. Hier der Blick in eine Schneidanlage.
Foto: Bottero
Die Baureihe der Victralux-Kantenschleifmaschinen umfasst fünf Modelle, mit denen verschiedene Bearbeitungen möglich sind
Interview mit Armin Bolch, General Manager Bottero Deutschland
GW – Wie wichtig ist der deutsche Markt?
Armin Bolch – Der deutsche Markt bietet für Bottero enorme Potenziale, ist technologisch anspruchsvoll und sehr serviceorientiert. Wir sind hier in einer starken Position. Wir verfügen über hochwertige Anlagen zu wettbewerbsfähigen Preisen und ein hervorragend organisiertes Service-Team. Gerade den Service wollen wir deutlich weiter ausbauen.
GW – Sie planen ein hybrides Vertriebsmodell im deutschsprachigen Raum. Was steckt dahinter?
Bolch – Wir kombinieren eigene Marktpräsenz mit ausgewählten, leistungsstarken Agenten. Diese werden enger in unsere Prozesse eingebunden und perspektivisch auch mit regionalen Ersatzteillagern ausgestattet. Ziel ist es, Reaktionszeiten zu verkürzen, die Nähe zum Kunden zu erhöhen und regionale Marktkenntnis optimal zu nutzen, dies im Vertrieb und Service. Ich habe ein klares Bild und den Anspruch näher am Kunden zu sein, schneller zu reagieren und langfristige Partnerschaften aufzubauen.
GW – An welchen Neuerungen im Ersatzteil- und Servicebereich arbeiten Sie aktuell, auch hier in Deutschland?
Bolch – Der Service ist für uns ein zentraler Differenzierungsfaktor. Wir strukturieren unser Ersatzteillager in Deutschland neu, dabei wird es weiter aufgestockt und stärker automatisiert. Unser Ziel ist eine verbesserte Teileversorgung in den von uns zu verantwortenden Märkten. Denn die Kundenzufriedenheit hat für uns oberste Priorität, das entsteht durch Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Kompetenz, nicht durch Versprechen.
GW – Wie zentral ist ein Online Shop für Ihren Kunden-Service?
Bolch – Ein Online Shop ist sehr wichtig, daran arbeiten wir aktuell. Er wird ein zentraler Baustein für unseren schnellen, modernen und transparenten Kunden-Service, insbesondere auch mit Blick auf das Ersatzteilgeschäft.
GW – Worauf liegt jetzt Ihr Hauptaugenmerk?
Bolch – Unsere Kunden sollen ihre Margen steigern können, und unsere Maschinen sind das Werkzeug dafür. Unser Vorteil liegt in unserem Know-how, in unserer Technologie und unserer jahrzehntelangen Erfahrung. Meine Aufgabe ist es, diese Stärken konsequent in marktfähige Lösungen, funktionierende Strukturen und exzellenten Service zu übersetzen.
GW – Was hat Bottero für Lösungen in Bezug auf KI und Smart Factories in der Pipeline?
Bolch – Wir befinden uns mitten in einem Technologiewandel. KI, datengetriebene Automatisierung und Systemintegration werden zur Norm. Mit GlassForm.AI verfügen wir über eine der fortschrittlichsten KI-Entwicklungen in der Glasindustrie. Diese Technologien machen Anlagen intelligenter, effizienter und nachhaltiger und sind ein wichtiger Schritt hin zur Smart Factory. Ich glaube, datenbasierte Prozessoptimierung und Systemintegration werden schrittweise zum Standard und man wird den messbaren Nutzen sehen wie weniger Ausschuss, geringeren Energieeinsatz, höhere Prozessstabilität und bessere Transparenz für den Betreiber.
GW – Sie sagen, Bottero setzt auf Nachhaltigkeit und Automatisierung, was bedeutet das?
Bolch – Wir investieren massiv in Forschung und Entwicklung, u. a. um Maschinen und Prozesse noch energieeffizienter zu machen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns Ressourcenschutz, den Verarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen und verantwortungsvoll gegenüber der Umwelt zu handeln. Wie ernst wir dieses Thema nehmen, zeigt sich auch daran, dass wir uns konsequent an den Leitlinien der ISO 26000 für gesellschaftliche Verantwortung orientieren. Projekte wie die 3-GW-Gigafactory in Catania, die Bottero ausgerüstet hat, zeigen, wohin die Reise geht: hin zu hochautomatisierten, skalierbaren Produktionsmodellen. Für Verarbeiter bieten wir vom Einzelgerät bis zur integrierten Fabriksteuerung eine Vielzahl an Lösungen an, die Industrie-5.0-Standards erfüllen.
GW – Was sehen Sie die besondere Stärke von Bottero?
Bolch – Wir von Bottero verstehen Glas als einen der vielseitigsten und nachhaltigsten Werkstoffe überhaupt, und damit ist es für uns der Werkstoff der Zukunft. Mit technologischer Innovation, hoher Fertigungstiefe und jahrzehntelanger Erfahrung möchten wir dazu beitragen, die Einsatzmöglichkeiten von Glas kontinuierlich zu erweitern und die Glasbearbeitung nachhaltiger zu gestalten. Über 60 000 installierte Maschinen und über 200 verschiedene Anlagentypen weltweit unterstreichen unsere Position als einer der bedeutendsten Technologieanbieter für die internationale Glasbranche. Und hier in Deutschland haben wir unser Team neu strukturiert und verstärken den Service und den Vertrieb nochmals, um näher und schneller am Glasverarbeiter zu sein. Wie angesprochen, arbeiten wir dabei zusätzlich mit einer Reihe von Agenten zusammen, die uns regional unterstützen.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Foto: Matthias Rehberger
Armin Bolch, General Manager von Bottero Deutschland
Mitarbeiter: rund 700 Beschäftigte weltweit und 550 in Cuneo,
Exportanteil: etwa 90 % der Produktion gehen ins Ausland.
Geschäftsfelder: Maschinen für Flachglasbearbeitung, Laminier-Anlagen – Weltweit der einzige Anbieter, der Maschinen und komplette Produktionslinien für die gesamte Wertschöpfungskette von Flach- sowie von Hohlglas aus einer Hand liefert.
Installierte Maschinen: über 60.000 weltweit.
Portfolio: über 200 Maschinen und Anlagen für die Glasindustrie. Produktionen in Italien und China; Vertriebs- und Serviceteams u. a. in Deutschland, Frankreich, UK, China, USA, Brasilien und ein weltweites Netzwerk an Partnern/Servicestützpunkten.
Während der glasstec 2026 bietet Bottero einen speziellen VIP-Shuttle-Service für Messebesucher an. Dieser bringt Besucher mehrmals täglich nach Grevenbroich zum Bottero-Showroom, wo die neuesten Glasbearbeitungsmaschinen getestet werden können. Das schließt Schneidanlagen für VSG und Floatglas eine eine Anlage zur Kantenbearbeitung und ein Bearbeitungszentrum.
Um am VIP-Service teilzunehmen, können sich glasstec-Besucher direkt am Messestand von Bottero (Halle14, Stand G23 – G24) anmelden oder vorab bei Bottero Deutschland unter
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