GLASWELT Ausgabe: 07-2019

Es kommt immer auf den Einsatzfall an

Prüfung, Wartung oder Instandhaltung?


Um Klarheit beim Thema Instandhaltung zu schaffen gibt der IVRSA in Kürze eine Richtlinie heraus.

Um Klarheit beim Thema Instandhaltung zu schaffen gibt der IVRSA in Kürze eine Richtlinie heraus.

Die Begriffe, die im Umfeld von „Prüfung und Wartung“ fallen sind vielfältig. Versuchen Sie mal den Unterschied zwischen Wartung, Instandsetzung, Instandhaltung, Inspektion und Prüfung zu erklären. Und da wären in diesem Zusammenhang noch Verbesserung, Funktionsfähigkeit, Ausfall und Schwachstellenanalyse zu nennen. Wer blickt da noch durch und was ist wann anzuwenden? Der IVRSA (Industrievereinigung Rollladen – Sonnenschutz – Antriebe) entwickelt deshalb eine Richtlinie dazu.

_ Wen soll es eigentlich wundern, denn auch zur Instandhaltung gibt es mit der DIN 31051:2019-06 – Grundlagen der Instandhaltung eine deutsche Norm, die mit dem Ausgabedatum sozusagen ganz frisch auf dem Markt ist. In der Norm wird die Instandhaltung wie folgt definiert: „Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen sowie Maßnahmen des Managements während des Lebenszyklus einer Betrachtungseinheit zur Erhaltung des funktionsfähigen Zustandes oder der Rückführung in diesen, sodass sie die geforderte Funktion erfüllen kann“.

Sozusagen die eierlegende Wollmilchsau, denn wenn der Kunde dem Fachbetrieb den Auftrag zu einer Wartung erteilt, wird in der Regel nur ein Teilaspekt der Instandhaltung ausgeführt, also nichts anderes wie zuvor in der Definition der Norm beschrieben steht. Im Einzelnen kann man diese Begriffe noch einmal spezifizieren.

Klare Strukturen

Die Instandhaltung gliedert sich in Grundmaßnahmen wie Wartung, Inspektion und Instandsetzung, die auch mit der Reparatur gleichgesetzt werden können. Zusätzlich nennt die DIN 31051 die Begriffe Verbesserung, Funktionsfähigkeit, Ausfall und Schwachstellenanalyse.

Wie in vielen anderen Bereichen auch, finden sich in der Praxis vielerlei interessante Wortschöpfungen, die diese Arbeiten für eigene Geschäftsmodelle umschreiben wollen. So ist da von Instandhaltung, von Inspektion, von Wartung, teilweise auch von Pflege oder Prüfung die Rede. Nach DIN 31051 lassen sich die Begriffe „Inspektion“, „Wartung“ und „Instandsetzung“ als Maßnahmen der Instandhaltung differenzieren. Eine Inspektion ist nach dieser Definition eine Maßnahme zur Feststellung und Beurteilung des Sollzustandes, also die im Bereich der Torbranche und der Arbeitsstättenrichtlinie ASR A1.7 bekannte Tor-Prüfung, die mindestens einmal jährlich stattfinden muss. Im weitesten Sinne kann man hier also von einer Funktionskontrolle sprechen, bei der auch Sollwerteinstellungen überprüft und wie laut ASR A 1.7 erforderlich, Messwerte an der Hauptschließkante gemessen und entsprechend im Bericht protokolliert werden müssen. Von einer Wartung hingegen spricht man, wenn Maßnahmen zur Erhaltung eines vorher zu definierenden Sollzustandes (z. B. gesetzliche oder Herstellervorgaben) durchzuführen sind. Das können Reinigungsarbeiten aber auch das gängig machen von Bauteilen sowie die Überprüfung von Einstellungen und die Aufnahme von Messwerten an der Anlage sein.

Achtung beim Auftragswechsel

Wird bei einer beauftragten Wartung erkannt, dass ein Bauteil defekt ist und erneuert werden muss, dann gehört der Austausch von Bauteilen schon in den Bereich der Instandsetzung, die damit nicht mehr Gegenstand der beauftragten Wartung ist. Beim Austausch von Teilen ist unbedingt zu beachten, was damit passiert, denn in der Regel gehören sie dem Kunden und müssen von diesem gesondert zur Entsorgung beauftragt werden. Dies ist insoweit zur evtl. notwendigen Beweisführung bei Nachfragen wichtig, da ein verschleißbedingter Austausch von Bauteilen weder einen Mangel an einer sonst vertragsgemäßen Leistung darstellt noch ein Hinweis für eine nicht ordnungsgemäß ausgeführte Wartung sein kann. Erscheinungen wie Verschleiß und Abnutzung sind vielmehr die zu erwartende Folge eines bestimmungsgemäßen Betriebes einer technischen Einrichtung.

Auftrag vor Arbeitsbeginn klären

Inspektionen (Prüfungen) und Wartungen dienen nur dazu, zu erwartende Abnutzungserscheinungen zu beobachten, um vor Eintreten eines verschleißbedingten Funktionsausfalls oder einer Gefährdung eine Instandsetzung auszulösen. Die ineinandergreifende Abfolge von Inspektion, Wartung und Instandsetzung wird deshalb auch allgemein als Maßnahme zur Instandhaltung bezeichnet.

Für den Fachbetrieb ein schönes Arbeitsumfeld, um zusätzliche Umsätze zu generieren, für den Kunden die Sicherheit, die Lebens- und damit auch Nutzungsdauer seiner Markise oder seines Garagentores deutlich zu verlängern.—

Olaf Vögele

  • Entsprechende Checklisten des IVRSA sollen die ausführenden Unternehmen bei ihren Instandhaltungsarbeiten unterstützen.

  • Auch das Thema Arbeitssicherheit ist bei Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sehr wichtig, um die Sicherheit der Menschen vor Ort nicht zu gefährden.

  • Im Torbereich sprechen wir im Rahmen der ASR A1.7 von den Themen Prüfung und Wartung.

Foto: IVRSA

Foto: Warema

Foto: Olaf Vögele

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