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Branche fordert klarere Hinweise zu Glasbruch durch Folien

Bundesverband Flachglas

Nachträglich aufgebrachte Sonnenschutz-, Sicherheits- oder Werbefolien verändern die Eigenschaften einer Verglasung. Der Bundesverband Flachglas (BF) hat erstmals systematisch erhoben, welche Erfahrungen die Branche damit macht. 57 Prozent der Befragten kennen aus eigener Praxis thermisch bedingte Glasbrüche im Zusammenhang mit nachträglich angebrachten Sonnenschutzfolien.

Wiederkehrende Anfragen lösen Umfrage aus

Die BF-Geschäftsstelle und die Mitgliedsunternehmen erhalten regelmäßig Fragen zu nachträglich aufgebrachten Folien, häufig erst im Schadenfall. Der Bundesverband wollte deshalb klären, wie verbreitet das Thema in der Praxis ist. Zudem wollte er herausfinden, ob die seit 2016 verfügbare BF-Information die Betriebe erreicht.

Von April bis Juli 2026 beteiligten sich 124 Fachleute an der Umfrage. Sie kamen aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette: Isolierglashersteller, Flachglasverarbeiter, Fensterhersteller und Montagebetriebe ebenso wie Glasereien, Sachverständige, Planer und Folienhersteller. 68 Prozent der Befragten verfügen über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung.

Betriebe begegnen Folien im Berufsalltag

Rund 80 Prozent der Befragten haben in ihrem Berufsalltag mit nachträglich angebrachten Folien zu tun. 43 Prozent der Betriebe bringen solche Folien selbst auf oder veranlassen dies. Einzelne Teilnehmer berichten, dass Betriebe häufig erst im Schadenfall um eine Einschätzung gebeten werden.

17 Prozent der Befragten berichten von häufiger auftretenden thermischen Glasbrüchen im Zusammenhang mit Sonnenschutzfolien. Weitere 40 Prozent kennen Einzelfälle. In den Freitextantworten nennen die Teilnehmenden insbesondere dunkle Folierungen, innen aufgebrachte Folien sowie die Kombination aus Folienfarbe und Glasart. Die Rückmeldungen beschreiben Erfahrungen und Einschätzungen. Eine allgemeine Schadenquote lässt sich daraus nicht ableiten. Welche Faktoren einen Bruch verursacht haben, ist im Einzelfall zu prüfen.

Bundesverband Flachglas

Folien können die Absorption von Sonnenstrahlung durch die beklebte Scheibe erhöhen. Die Verglasung heizt sich dadurch stärker auf, und die thermische Belastung von Glas und Randverbund steigt. Erwärmt sich die Scheibe ungleichmäßig, können Spannungen entstehen, die einen Glasbruch auslösen. Auf diese Zusammenhänge weist bereits die BF-Information 006-2016 zu nachträglich angebrachten Folien hin.

Das Risikobewusstsein ist in der Branche grundsätzlich vorhanden. 42 Prozent der Befragten bewerten das Risiko thermischer Glasbrüche durch nachträglich aufgebrachte Sonnenschutzfolien als hoch oder sehr hoch, weitere 29 Prozent als mittel. Nur 4 Prozent sehen kein erhöhtes Risiko, 14 Prozent trauen sich keine Einschätzung zu. Die vorhandene BF-Information kennen 44 Prozent nicht. Weitere 20 Prozent haben davon gehört, kennen ihren Inhalt aber nicht näher. Nur 14 Prozent nutzen sie regelmäßig.

BF prüft zusätzliche Praxishilfen

96 von 114 Antwortenden, also 84 Prozent, sprechen sich für deutlichere Risikohinweise aus. Das wird zum Anlass genommen, die Ergebnisse einschließlich der Freitextkommentare vertieft auszuwerten.

„Die Rückmeldungen zeigen, dass nachträglich aufgebrachte Folien in vielen Betrieben ein Thema sind. Umso wichtiger ist es, mögliche Auswirkungen auf die Verglasung vor dem Aufbringen zu prüfen und Kunden frühzeitig darüber zu informieren. Dafür wollen wir der Branche verständliche und praxisnahe Hilfestellungen bieten“, erklärt Steffen Schäfer, zuständig für Normung und Technik.

Der Bundesverband prüft eine Aktualisierung der BF-Information sowie ergänzende Hilfen für den Betriebsalltag. Zudem plant er einen fachlichen Austausch mit Folienherstellern und Sachverständigen. Offene Fragen, insbesondere zu Dreifachverglasungen und teilflächig aufgebrachten Folien, könnten Gegenstand eines Forschungsvorhabens werden.

Die Information 006-2016 „Nachträglich angebrachte Folien“ steht kostenfrei auf der Website zum Download bereit. Dort finden Sie auch das gemeinsam mit dem Fachverband Konstruktiver Glasbau veröffentlichte Merkblatt „Thermisch induzierte Spannungen bei Vertikalverglasungen“: www.bundesverband-flachglas.de/downloads/

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