LichtBlick SE
Erneuerbare Energien sind die wichtigste Quelle für den wachsenden Strombedarf. Dazu trägt Photovoltaik auch wegen der vergleichsweise geringen Erzeugungskosten bei. Das weitaus größte Wachstumspotenzial bietet die Gebäudehülle mit ihren großen nutzbaren Flächen. Denn: Solare Gebäudehüllen senken die CO₂-Emissionen des Gebäudesektors, bieten Verschattung, vermeiden Netzausbaukosten und schaffen lokale Wertschöpfung.
Ein Grund, warum bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) vor allem in der Vertikalen noch immer selten eingeplant wird, kann die begrenzte Gestaltungsfreiheit bei der Ästhetik der Module sein. Architektonische Gläser mit integrierten Photovoltaikzellen erlauben zwar bereits seit einigen Jahren das Spiel mit Mustern. Farbige Gestaltungsmöglichkeiten von hocheffizienten BIPV-Modulen gab es bislang jedoch kaum.
Sunovation
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack, Fachgebietsleiter Fassadentechnik an der Technischen Universität Darmstadt und Leiter des Lehrstuhls „Design of Construction" an der TU Delft, erklärt: „Nach meinem Verständnis braucht es für einen stärkeren Ausbau der bauwerkintegrierten Photovoltaik, insbesondere in der Fassade, mehr Möglichkeiten, Farbe und Abmessungen der Module an die gewünschte Geometrie und Ästhetik des Gebäudes anzupassen".
Knaack ergänzt: „Die Ästhetik der Fassade bestimmt die Ästhetik der Module. Und andersherum: Durch farblich individualisierbare Module können Architekten die Ästhetik von Fassaden gestalten. Wir müssen BIPV-Fassadenteile wie Ziegel, Klinker oder Designpaneele verstehen: Hier können wir aus einer Vielzahl an Oberflächen, heute auch Größen, wählen und diese auch in individuellen Mustern einsetzen – mit dem Ziel einer gewünschten Individualität."
Marcel Bilow
Ceramic colors Wolbring zeigt ColorQuant-Technologie
Ceramic colors Wolbring aus Höhr-Grenzhausen entwickelte die patentierte ColorQuant-Technologie gemeinsam mit Merck electronics. Mit der Technologie lassen sich nahezu beliebige Farben für Solarmodule mit hoher Farbkonstanz bereitstellen, ohne signifikante Verluste an Solarleistung. Grundlage sind keramische Farbpasten, die auf dem physikalischen Prinzip der Interferenz basieren. Die Farbschicht lässt jenes Licht hindurch, das die Solarzelle zur Energieerzeugung benötigt, und reflektiert selektiv nur die Wellenlängen, die für die Farbgebung nötig sind.
Ceramic Colors Wolbring GmbH
Die ColorQuant-Farben reflektieren gezielt nur den gewünschten Farbton. Bis zu 95 Prozent des Sonnenlichts erreichen die Solarzelle und erzeugen Strom. Das Fraunhofer Center for Silicon Photovoltaics (CSP) testete 10 Basisfarben der ColorQuant-Serie. 8 Farben erreichten eine Color Performance Ratio von 90 bis 98 Prozent, die übrigen lagen über 82 Prozent.
In einem beschleunigten Alterungstest nach IEC-Standards wurden die Module 2300 Stunden starkem UV-Licht und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, mit nahezu keinem Effizienzverlust. Umsetzbar sind Formate bis zum Jumboformat von 3210 × 6000 mm nach RAL, NCS und Pantone. Auf der glasstec 2026 ist Ceramic colors Wolbring in Halle 12, Stand A71 zu finden.
Fraunhofer ISE entwickelt MorphoColor-Technologie
Ein Hindernis auf dem Weg zur farblichen Individualisierung war bislang vor allem der vergleichsweise geringe Wirkungsgrad von gestalteten Modulgläsern gegenüber herkömmlichen schwarzen Modulen. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) arbeitete bereits seit einigen Jahren an einer Lösung, die nun auch in großen Mengen und für beliebige Modulabmessungen marktreif ist. Dr. Thomas Kroyer entwickelte mit seinem Team die patentierte MorphoColor-Technologie. Das Institut erzeugt die gewünschte Farbe durch eine Interferenzschicht, die einzelne Wellenlängen des Sonnenlichts genau selektiert und optisch zurückwirft. Für das große restliche Spektrum des Sonnenlichts bleibt das Glas durchsichtig, die Energieverluste bleiben gering.
AGC Interpane Architectural Glass / hannokeppel.de
Kroyer erläutert: „Es gibt viele gut geeignete Flächen in Dach und Fassade, wo man Photovoltaik sinnvoll integrieren kann. Mit unserer Lösung geben wir den Architekten die Freiheit, PV-Module zur Gestaltung einzusetzen. Alternativ kann die PV-Funktionalität auch ganz versteckt werden. Meist kann man aus der Nähe noch dezent erkennen, dass es sich um PV-Module handelt, aber aus wenigen Meter Entfernung sieht man den Unterschied zu normalen Fassadenplatten nicht mehr".
Farbige PV-Module mit der MorphoColor-Beschichtung erbringen je nach Farbe 90 bis 96 Prozent der Leistung eines vergleichbaren schwarzen Moduls. Kroyer erklärt: „Bei herkömmlichen Solarmodulen wird der Großteil der Energie von auftreffenden Photonen des langwelligen roten Lichts in Strom verwandelt. Das kurzwellige blaue Licht wird hingegen nur zu einem kleineren Teil genutzt.
Daher ist der Stromverlust geringer, wenn man blaues Licht reflektiert als beispielsweise rotes Licht. Ein Modul mit einem blauen Abdeckglas hat also einen leicht besseren Wirkungsgrad (96 Prozent der Leistung eines schwarzen Moduls) als ein rotes (94 Prozent)".
Bernd Schumacher
Farbige PV eröffnet Optionen im Denkmalschutz
Farbige Photovoltaik bietet nicht nur in der Fassade, sondern auch im Denkmal- und Ensembleschutz neue Möglichkeiten. Kroyer sagt: „Auf den Dächern entsprechend geschützter Gebäude war die Installation von Photovoltaik bislang schwierig. Rote Module hingegen fügen sich bei typischen roten Dacheindeckungen sehr gut ins Stadtbild ein". Um auch großformatige Abdeckgläser und umfangreiche Projekte realisieren zu können, entwickelte das Fraunhofer ISE die Technologie in Zusammenarbeit mit dem Lizenznehmer AGC Plasma zur Marktreife.
Die Coatings werden in Lauenförde in Magnetronsputter-Technologie für Farb-Homogenität und hohe Winkelstabilität aufgebracht. Neben dem Institut und dem Photovoltaik-Modulhersteller Axsun bei Ulm war AGC Plasma Förderpartner im Projekt „PVHide", das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unterstützt wurde. Das aktuellste und bislang größte Projekt mit MorphoColor-Technologie ist die Regenbogen-PV-Anlage auf dem Dach der Nordtribüne des Millerntorstadions in Hamburg, die LichtBlick SE federführend plante.
AGC Interpane Architectural Glass / hannokeppel.de
Sunovation zeigt BIPV-Module auf der glasstec 2026
Auch Sunovation zeigt auf der Sonderschau glass technology live im Rahmen der glasstec 2026 BIPV-Lösungen. Zu sehen sind unter anderem ein großformatiges BIPV-Modul mit rund 6 m² aus der Fassade des Landratsamts Rems-Murr-Kreis in Waiblingen, Glas-Glas-Module Sunovation eform unichrome in unterschiedlichen Farbtönen und Oberflächenstrukturen, Detailmodelle eines rahmenlosen PV-Fassadenelements mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) sowie ein konvex gebogenes, voll funktionsfähiges, farbiges BIPV-Modul als Beispiel für dreidimensionale BIPV. Zu finden ist Sunovation in Halle 11, Stand 11G61.
Die glasstec 2026 findet vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Düsseldorf statt. Bauwerkintegrierte Photovoltaik gehört dort zu den Themen der Glasbranche. Weitere Informationen stehen unter www.glasstec.de.
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