GW – Herr Bolch, wie sehen Sie die Entwicklung am Markt, insbesondere in Deutschland?
Bolch – Wir sehen aktuell weltweit eine positive Entwicklung, allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und erwarten 2026 auch in Deutschland einen spürbaren Aufwärtstrend. Der Wohnbau wird an Fahrt aufnehmen – nicht zuletzt aufgrund der steigenden energetischen Anforderungen, sowie Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen. Dazu kommt der zunehmende Automatisierungsdruck in den Betrieben.
GW – Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Flachglasbranche?
Bolch – Ich denke, die Talsohle ist durchlaufen und erwarte, dass die Branche langsam, aber stabil wächst. Gleichzeitig gehe ich davon aus, dass wir gerade mit Blick auf Nachhaltigkeit viele neue Produkte sehen werden, hier haben die Glasbetriebe gute Chancen, sich positiv aufzustellen. Strukturelle Weiterentwicklung in der Branche durch Energieeffizienz, Personalverfügbarkeit und Prozessstabilität rücken stärker in den Fokus.
GW – Was hat Bottero für Lösungen in Bezug auf KI und Smart Factories in der Pipeline?
Bolch – Wir befinden uns mitten in einem Technologiewandel. KI, datengetriebene Automatisierung und Systemintegration werden zur Norm. Mit GlassForm.AI verfügen wir über eine der fortschrittlichsten KI-Entwicklungen in der Glasindustrie. Diese Technologien machen Anlagen intelligenter, effizienter und nachhaltiger und sind ein wichtiger Schritt hin zur Smart Factory. Ich glaube, datenbasierte Prozessoptimierung und Systemintegration werden schrittweise zum Standard und man wird den messbaren Nutzen sehen wie weniger Ausschuss, geringeren Energieeinsatz, höhere Prozessstabilität und bessere Transparenz für den Betreiber.
GW – Bottero setzt auf Nachhaltigkeit und Automatisierung, was bedeutet das?
Bolch – Absolut. Wir (G www.bottero.com) investieren massiv in Forschung und Entwicklung, u. a. um Maschinen und Prozesse noch energieeffizienter zu machen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns Ressourcenschutz, den Verarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen und verantwortungsvoll gegenüber Umwelt zu handeln. Unsere aktuelle ISO-26000-Zertifizierung unterstreicht dieses Engagement. Projekte wie die 3-GW-Gigafactory in Catania, die Bottero ausgerüstet hat, zeigen, wohin die Reise geht: hin zu hochautomatisierten, skalierbaren Produktionsmodellen. Vom Einzelgerät bis zur integrierten Fabriksteuerung bieten wir Systeme, die Industrie-5.0-Standards erfüllen.
GW – Setzt Bottero auch auf Akquisitionen?
Bolch – Ja, durch die Eingliederung eines Geschäftsbereichs der EMS-Gruppe über unsere Tochter E2Pack erweiterten wir unser Angebot im Bereich End-of-Line- und Verpackungslösungen. Das öffnet neue Marktsegmente, ein logischer Schritt, um unseren Kunden ganzheitliche Lösungen anbieten zu können.
GW – Wie wichtig ist der deutsche Markt?
Bolch – Der deutsche Markt bietet enorme Potenziale, ist technologisch anspruchsvoll und sehr serviceorientiert. Wir sind hier in einer starken Position. Wir verfügen über hochwertige Anlagen zu wettbewerbsfähigen Preisen und ein hervorragend organisiertes Service-Team. Gerade den Service wollen wir deutlich weiter ausbauen.
GW – Sie planen ein hybrides Vertriebsmodell im deutschsprachigen Raum. Was steckt dahinter?
Bolch – Wir kombinieren eigene Marktpräsenz mit ausgewählten, leistungsstarken Agenten. Diese werden enger in unsere Prozesse eingebunden und perspektivisch auch mit regionalen Ersatzteillagern ausgestattet. Ziel ist es, Reaktionszeiten zu verkürzen, Nähe zum Kunden zu erhöhen und regionale Marktkenntnis optimal zu nutzen, dies im Vertrieb und Service. Ich habe ein klares Bild und den Anspruch näher am Kunden zu sein, schneller zu reagieren und langfristige Partnerschaften aufzubauen. Offen gesprochen sind wir hier gerade an den Hausaufgaben.
GW – An welchen Neuerungen im Ersatzteil- und Servicebereich arbeiten Sie?
Bolch – Der Service ist für uns ein zentraler Differenzierungsfaktor. Wir strukturieren unser Ersatzteillager in Deutschland neu, dabei wird es weiter aufgestockt und stärker automatisiert. Unser Ziel ist eine verbesserte Teileversorgung in den von uns zu verantwortenden Märkten. Denn die Kundenzufriedenheit hat für uns oberste Priorität, das entsteht durch Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Kompetenz, nicht durch Versprechen.
GW – Wann wird Ihr Onlineshop freigeschaltet?
Bolch – Ich erwarte, dass der Bottero Online-Shop im Laufe des Jahres 2026 freigeschaltet wird. Der neue Shop wird ein wichtiger Baustein für unseren schnellen, modernen und transparenten Service, insbesondere im Ersatzteilgeschäft.
GW – Worauf liegt jetzt Ihr Hauptaugenmerk?
Bolch – Unsere Kunden sollen ihre Margen steigern können, und unsere Maschinen sind das Werkzeug dafür. Unser Vorteil als Bottero liegt in Know-how, in unserer Technologie und jahrzehntelange Erfahrung. Meine Aufgabe ist es, diese Stärken konsequent in marktfähige Lösungen, funktionierende Strukturen und exzellenten Service zu übersetzen.
Das Interview führte Matthias Rehberger