GW – Herr Dixen, Sie kennen die Glasbranche seit vielen Jahren. Was hat Sie bewogen, Teilhaber von Synerglass-Soft zu werden?
Dixen – Für mich ist wichtig, dass ich unser Unternehmen und seine Strategie mitgestalten kann. Synerglass-Soft ist ein Softwarespezialist, der auf die Glasbranche ausgerichtet ist. Die Glasverarbeitung und das Wissen um die Branche gehören damit sozusagen zu unserer DNA.
Matthias Rehberger / GW
GW – Welche Chancen sehen Sie für Synerglass-Soft, die Entwicklung der Branche künftig noch stärker mitzugestalten
Dixen – Wir haben viel Potenzial. Dieses können wir nutzen, um unsere Produkte auch weiter in die Nachbarländer zu tragen. Synerglass-Soft gibt es seit 30 Jahren, und damit verfügen wir über sehr viel Wissen über Glas und die Branche. Gleichzeitig können wir mit der neuen Struktur wie ein Start-up agieren, das über sehr viel Branchenerfahrung verfügt. Das ist aus meiner Sicht einmalig.
GW – Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Sie?
Dixen – Eine sehr wichtige Rolle, denn Deutschland ist der größte Markt in Europa. Das ist ein Markt, in dem alle großen Player aktiv sein müssen. Aus Deutschland kommen viele Impulse und Innovationen. Ich kenne den Markt sehr gut und bin der Meinung, dass er mit Software noch nicht optimal bedient wird – gerade mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Gleichzeitig gibt es hier viele weltweit führende Unternehmen, die innovativ sind und die Branche voranbringen.
GW – Synerglass-Soft ist nun ein eigenständig. Welche Möglichkeiten eröffnet das für die strategische Ausrichtung und die Weiterentwicklung der Produkte?
Dixen – Wir können frei agieren und dort investieren, wo wir es für richtig halten. Wir sind nicht mehr in der Weise eingeschränkt, wie es unter der Leitung von Primo Holding der Fall war. Meine Kollegen und ich kennen uns sehr gut in der Glasbranche aus. Und wir sind finanziell gut aufgestellt. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Entwicklung selbst zu gestalten.
GW – Wie strukturieren Sie den Markt?
Dixen – Wir teilen den Markt in zwei Segmente: zum einen die industrielle Glasverarbeitung und zum anderen den tendenziell handwerklichen Bereich.
Synerglass-Soft
GW – Sie kennen alle Bereiche. Ihre Software begleitet den gesamten Prozess. Wo liegen aktuell die größten Potenziale zur Effizienzsteigerung?
Dixen – Gerade in der Auftragsbearbeitung sehe ich großes Potenzial. Dort geht heute viel Zeit verloren, und hier lässt sich einiges einsparen, auch mithilfe von KI. Ein weiterer Bereich ist die Produktionsplanung. Die ist aus meiner Sicht heute noch zu stationär. Das muss und wird deutlich dynamischer werden. Auch hier wird KI die Branche dabei unterstützen, schneller und flexibler zu werden. Wir werden eine Produktionssteigerung in der Breite sehen und gleichzeitig einen schnelleren Durchsatz erreichen. Die Digitalisierung hat ihre eigene Logik, und das muss bei der Gestaltung und Umsetzung der Abläufe berücksichtigt werden. Der Abgleich mit den Glasverarbeitungsprozessen ist dabei eine normale und positive Entwicklung, die allen Beteiligten zugutekommt. Fehler werden weiter minimiert und die Abläufe schneller und genauer.
GW – Bei Isolierglas und komplexen Produktionsprozessen gewinnen Transparenz und Rückverfolgbarkeit an Bedeutung. Gilt das künftig für jedes Glas?
Dixen – Das Traking jedes einzelnen Glases in der Produktion wird durchgängig kommen. Das wird mit zunehmender Vernetzung und Digitalisierung zu einem Muss. Aus meiner Sicht ist das auch heute schon umsetzbar. Die Einzelproduktnachverfolgung wird ebenfalls kommen.
GW – KI ist eines der großen Themen in der Softwarebranche. Welche konkreten Einsatzmöglichkeiten sehen in der Glasverarbeitung?
Dixen – Das beginnt bei der Angebots- und Auftragserfassung und zieht sich dann durch die komplette Prozesskette – bis hin zu Logistik und Montage und weiter bis zur Maschinenwartung. KI wird also nicht nur an einer einzelnen Stelle eingesetzt werden, sondern kann viele Bereiche entlang des gesamten Prozesses unterstützen.
GW – Viele Betriebe stehen vor der Herausforderung, mit weniger Personal mehr leisten zu müssen. Wie kann hier Software unterstützen?
Dixen – Automatisierung und KI werden viele Nebentätigkeiten übernehmen und damit die Produktion noch kosteneffizienter machen. Die Software ist hier das Steuerungselement. Das gibt wiederum den vorhandenen Mitarbeiter die Möglichkeit an anderer Stelle eingesetzt zu werden.
GW – Mit Blick auf die Zukunft: Welche Entwicklungen werden die Glasverarbeitung und ihre Digitalisierung am stärksten prägen?
Dixen – Der Trend geht ganz sicher hin zur umfassenden Automatisierung. Das betrifft dann auch alle Betriebsgrößen und bietet gerade vor dem Hintergrund fehlender Arbeitskräfte den Glasbetrieben jeder Größenordnung auch in Zukunft gute Möglichkeiten und Chancen. Dabei werden die heute noch vielfach recht statischen Prozesse deutlich flexibler und dynamischer werden.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Synerglass-Soft
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