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Schüco-Systeme für Sanierung von Londoner Brutalismus-Ikone

Das neu gestaltete Erdgeschoss wertet die Umgebung des Gebäudes auf und sichert eine fußgängerfreundliche Erschließung.

Fotograf: Rob Parrish / Nutzungsrecht: Schüco International KG

Das neu gestaltete Erdgeschoss wertet die Umgebung des Gebäudes auf und sichert eine fußgängerfreundliche Erschließung.

Der ehemalige IBM-Hauptsitz an der Londoner Southbank gilt als Ikone brutalistischer Architektur im Vereinigten Königreich. In den vergangenen Jahren wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex sensibel erweitert, energetisch saniert und den Anforderungen an ein modernes Bürogebäude angepasst – nach nachhaltigen Gesichtspunkten und mit Respekt vor seiner architektonischen Bedeutung.

Ikonisches Ensemble auf dem Prüfstand

Das dynamische Viertel Southbank am Südufer der Themse ist ein Hotspot der Londoner Kulturszene. Zu den bedeutendsten Kunsteinrichtungen zählt das Royal National Theatre direkt am Ufer der Themse, das 1976 nach Entwürfen des englischen Architekten Denys Lasdun entstand. 1983 vollendete Lasdun seine architektonisch-städtebauliche Vision auf dem Nachbargrundstück mit dem Bau des IBM-Marketing-Centers. Die beiden Gebäude beeindrucken als spätbrutalistisches Ensemble mit strenger horizontaler Linienführung, rauen Sichtbetonoberflächen und imposanten Betonkörpern. Die von Lasdun fein austarierte Symmetrie der beiden Bauwerke lässt sich auch heute noch von der nahen Waterloo Bridge aus betrachten.

Um den nach dem Auszug von IBM drohenden Teilabriss zu verhindern, stellte die Stadt London das ehemalige IBM-Gebäude 2020 unter Denkmalschutz – wie zuvor bereits 1994 das National Theatre. Das Londoner Architekturbüro AHMM überarbeitete daraufhin sein Umbaukonzept und versprach eine respektvolle Sanierung sowie den Erhalt von 80 % der ursprünglichen Bausubstanz.

Weiterentwicklung als strategisches Ziel

Die asymmetrische Struktur des alten Gebäudekomplexes wies im Norden und Süden versetzte Geschossebenen auf, wodurch weite Terrassen entstanden. Zwei Innenhöfe sorgten für eine natürliche Belichtung der Büroetagen. Der Sockelbereich war mit braunen Ziegeln verkleidet. In den Obergeschossen korrespondierten die umlaufenden Fensterbänder und Waschbetonbrüstungen mit den horizontalen Linien des Theaters nebenan. Auf dem Dach erhoben sich plastisch gestaltete Technikaufbauten in reiner Betonoptik.

Für den Projektentwickler Stanhope PLC bot das nun „76 Southbank“ genannte Vorhaben alle Schlüsselaspekte einer nachhaltigen Umgestaltung des Standorts: Substanzerhalt und Wertsteigerung durch Sanierung, denkmalschutzkonforme Wiederbelebung eines geschichtsträchtigen Gebäudes mit hohem Nutzen für die Stadterneuerung.

Bestandsanalyse und neue Pläne

Das neue Konzept von AHMM sieht für den Bürokomplex „76 Southbank“ eine behutsame Modernisierung vor. Nach der CO2-armen Kernsanierung und energetischen Optimierung sollte die Nutzfläche durch ein aufgestocktes Staffelgeschoss sowie Erweiterungen im Süden und Osten um 11.000 m2 wachsen; die neuen Büroflächen sollten hocheffizient ausgestattet und flexibel gestaltet werden. Um die hohen Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen, mussten die in der Bausubstanz gebundenen CO2-Emissionen sowie das Abfallaufkommen bei der Entkernung so weit wie möglich reduziert werden. Dafür wurden alle Baumaterialien aus dem Bestand und für den Neubau hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks umfassend bewertet; wo keine EPDs vorlagen, kamen teils aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfungen hinzu.

CO2-Reduktion bei der Sanierung

Trotz Entkernung und Rückbau von Keller und Erdgeschoss konnten 80 % der Betonstruktur erhalten und damit CO2-Emissionen durch Abriss verhindert werden. Über 200 Fassadenteile aus Beton oder Granit mit einem Gewicht von bis zu 10 t wurden zurückgebaut und zum Teil im Projekt, zum Teil an anderer Stelle wiederverwendet – ebenso 27.360 Bodenfliesen, 95 t Pflastersteine und 71 t Ziegelsteine. Es wurden neue Fundamente eingebracht und neue Betonstützen gesetzt, bei denen Hüttensand 50 % des Zements ersetzte. Recycelte Stahlträger und -stützen mit einem Gesamtgewicht von 42 t wurden eingebaut; auch für den Hohlraumboden in den Büros kam recycelter Stahl zum Einsatz. Das Ultra-Low-Carbon-Aluminium von Schüco sparte im Vergleich zu Standardaluminium über 100 t CO2-Emissionen ein – was sich positiv auf die Ökobilanz für den Lebenszyklus (LCA) des Gebäudes auswirkt. Die CO2-Einsparungen entsprechen der jährlichen CO2-Bindung von 425.000 m² heimischen Waldes.

CO2-Reduktion der Fassade

Die Fassade bindet einen beträchtlichen Teil des im Projekt gespeicherten CO2. Für die Nachhaltigkeitsziele war ihre Neukonstruktion daher besonders wichtig. Beim Rückbau ließen sich zwar 62 denkmalgeschützte Paneele und 20 Kernpaneele erhalten und später wiederverwenden; alle weiteren Elemente aus Beton mussten jedoch neu gefertigt werden. Für die neuen Waschbetonplatten wurde Kies aus dem ursprünglichen Steinbruch verwendet und in Handarbeit aufgebracht.

Schon während der Bestandsanalyse unterstützte Schüco das Fassadenbauunternehmen Dane Architectural durch die Bereitstellung projektspezifischer EPDs über die Kalkulationssoftware SchüCal und ermöglichte so eine präzise Analyse und Bewertung der Umweltauswirkungen der Fensterprofile. Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit lag beim Recyclingmaterial im Projekt. „Wir haben die hohen Nachhaltigkeitsanforderungen durch die Bestellung unserer ULC-Aluminiumprofile mit extrem niedriger CO2-Bilanz umgesetzt“, erklärt Stephen Newell, National Specification Manager bei Schüco UK and Ireland. „Diese Profile weisen ein Treibhauspotenzial von weniger als 1,99 kg CO2 e/kg Aluminium auf und bestehen zu mindestens 75 % aus recyceltem Post-Consumer-Material.“ An der Fassade von „76 Southbank“ wurde das Pfosten-Riegel-Fassadensystem Schüco FWS 60.SI in der Variante mit aufgesetzter Abdeckleiste installiert. Das dafür bestellte Ultra-Low-Carbon-Aluminium (ULC) trug zu einer Einsparung von 100 t CO2 in der Ökobilanz bei.

Fit für die Zukunft – neues Leben für ein altes Gebäude

Die Transformation wurde bereits zweifach ausgezeichnet*. Mit ihrer Sanierungsstrategie und der respektvollen Umgestaltung haben die Projektbeteiligten der Betonikone eine tragfähige Zukunft gesichert. Das „76 Southbank" wirbt mit aufwendig begrünten Fassaden, Außenterrassen und einem einladenden Eingangsbereich und sorgt so für neue Akzeptanz der strengen Betonarchitektur im kreativen Stadtteil.

Bautafel

Objekt: 76 Southbank
Standort: 76 Southbank Upper Ground, London/GB
Bauherr/Entwickler: Wolfe Commercial Properties Southbank Ltd., London/GB
Lieferant UK: Stanhope PLC, London/GB
Architekten: AHMM Allford Hall Monaghan Morris, London/GB
Bauunternehmen: Multiplex, London/GB
Fassadenbau: Dane Architectural Systems Holdings Ltd., Newcastle upon Tyne/GB
Zertifizierungen: BREEAM „Outstanding“ for Office and „Excellent“ for Retail Space; NABERS Design for Performance Standard 5*-Rating; EPC A; WELL v2 Rating
*Auszeichnungen: 2024 WAFX Award – Reuse, 2022 New London Award for Conservation
Fertigstellung: 2025

Verbaute Schüco Systeme

Pfosten-Riegel-Fassade: Schüco FWS 50, FWS 50+ SG, FWS 50.SI, FWS 60.SI
Fenster: Schüco AWS 70.HI
Türen: Schüco ADS 90.SI/PL.SI, AD UP 75
Elementfassade: Schüco USC 65
Sonnenschutz: Schüco ALB Großlamelle
Brandschutz: Schüco ADS 80 FR30
Gebäudeautomation: Zutrittsmanagement, Öffnungs- und Verschlussüberwachung (Magnetschalter)