GW – Herr Holtgreife, wie beurteilen Sie aktuell den Markt für Terrassendächer?
Stefan Holtgreife – Der Markt ist seit einigen Jahren von einem starken Preiskampf und hohen Rabatten im Niedrigpreissegment geprägt. Gleichzeitig ist die Nachfrage insgesamt rückläufig, weil momentan viele Bauherren an ihre Ausgaben zurückhalten. Vergleichsweise stabil zeigt sich das Premiumsegment. Dort besteht weiterhin die Nachfrage nach Terrassendächern, die individuell geplant und hochwertig verarbeitet und technisch durchdacht sind.
GW – Standardisierung oder individuelle Planung, wohin entwickelt sich der Markt?
Holtgreife – Im Niedrigpreissegment spielt die Standardisierung eine große Rolle. Viele Anbieter arbeiten mit begrenzter Farbauswahl und wenigen Bauformen, um Kosten und Abläufe zu kontrollieren. Wer in ein hochwertiges Terrassendach investiert, möchte in der Regel keine Kompromisse eingehen. Gefragt sind Lösungen für anspruchsvolle Bausituationen, passende Ausstattungsoptionen und eine Planung, die Schnee- und Windlasten berücksichtigt. Gerade bei günstigen Angeboten werden diese Aspekte häufig nicht ausreichend thematisiert.
GW – Welche Rolle spielt der Fachhandel künftig beim Terrassendach?
Holtgreife – Der Fachbetrieb ist und bleibt aus meiner Sicht unverzichtbar, weil ein Terrassendach fachgerecht geplant und montiert werden muss. Beispiel: Die Glaseindeckung eines Terrassendachs kann mehrere Tonnen wiegen. Eine Fachkraft kann beurteilen, welche Befestigungstechnik zum Untergrund und zum Mauerwerk passt, um die auftretenden Lasten sicher abzutragen. Das erfordert Erfahrung. Bei Online- und DIY-Anbietern wird der Kunde damit allein gelassen. Und das ist schlussendlich ein Sicherheitsrisiko.
GW – Wie wichtig ist ein hoher Vorfertigungsgrad für eine sichere und schnelle Montage?
Holtgreife – Ein hoher Vorfertigungsgrad ist aus mehreren Gründen wichtig. Sind die Bauteile passend vorbereitet, kann die Arbeit vor Ort sauberer und schneller ausgeführt werden. Kein Kunde möchte wochenlang eine mobile Werkstatt auf seiner Terrasse haben, während Profile zugeschnitten werden. Das heißt, die Montagezeit verkürzt sich deutlich, Fehler minimiert und eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert.
GW – Wird bei Statik, Schnee- und Windlasten im Markt teilweise zu leichtfertig argumentiert?
Holtgreife – Viele Anbieter klammern diese Themen schlicht aus. Endkunden wissen häufig nicht, dass Schnee- und Windlasten für die Statik und damit letztlich für die Sicherheit der Konstruktion extrem wichtig sind. Natürlich wirkt sich das auch auf den Preis aus. Terrassendächer sind jedoch zunehmend stärkeren Wetterextremen ausgesetzt, weshalb die Sicherheit an erster Stelle stehen muss. Dieser Aspekt gehört deshalb in jedes Beratungsgespräch und darf nicht leichtfertig ausgeblendet werden.
GW – Wird aus dem klassischen Terrassendach zunehmend eine Outdoor-Living-Lösung?
Holtgreife – Ja, eindeutig. Ein Terrassendach lässt sich schrittweise zu einem Glashaus erweitern, z. B. durch seitliche Verglasungen, die sich flexibel öffnen lassen, Sicht- und Sonnenschutz und weitere Komfortelemente. So entsteht ein vielseitig nutzbarer Lebensraum, der die Terrasse stärker mit dem Wohnbereich verbindet.
GW – Welche Bedeutung wird integrierte Photovoltaik beim Terrassendach bekommen?
Holtgreife – Photovoltaik wird bei Terrassendächern vor allem dort sinnvoll, wo sie zur Nutzung passt. Eine vollständig transparente Überdachung sollte ihren offenen Charakter behalten, eine Photovoltaikfläche schränkt diese Transparenz teilweise ein. Anders verhält es sich bei einem Bereich, der ohnehin dauerhaft verschattet werden soll, beispielsweise bei einem Carport. Deshalb wird Photovoltaik vor allem bei individuell geplanten Projekten interessant, aber nicht als Standard für jedes Terrassendach infrage kommen.
GW – Wie kann sich der Fachbetrieb gegen Online- und Direktangeboten behaupten?
Holtgreife – Er muss sein komplettes Leistungsportfolio sichtbar machen: individuell anpassbare Produkte, die Variantenvielfalt bei Dachformen und Farben sowie eine verlässliche Planung von Wind- und Schneelasten, die je nach Region ermittelt werden. Ein weiteres Argument: Eigene qualifizierte und geschulte Monteure mit einem großen Erfahrungsschatz wissen, worauf es ankommt, und schaffen dadurch einen konkreten Mehrwert gegenüber Direktanbietern.
Das Gespräch führte Olaf Vögele.