Beim internationalen Medienevent am 22. September im Stuttgarter ZERO. wurde deutlich, wohin sich die Branche bewegt, denn Sonnenschutz wird zum aktiven Bestandteil klimaangepasster Gebäude. Die R+T 2027 vom 15. bis 19. Februar bietet dafür die Bühne, die rund 1.000 Aussteller aus 46 Ländern auf 120.000 m² in zehn Hallen erwartet.
Sebastian Esswein, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Stuttgart, wertet dies als Signal für die Stabilität der Branche und das Vertrauen der Aussteller in die Marke R+T.
Outdoor Living gewinnt Fläche
Der ITRS zeichnet für 2026 ein differenziertes Bild: In Deutschland entwickelt sich der Markt verhaltener als im europäischen Vergleich. Offene Markisen und einfache seilgeführte Anlagen verlieren, während Rollläden, Raffstoren und Kassettenmarkisen stabil bleiben. Zu den Gewinnern zählen Insektenschutz, Lamellendächer und ZIP-Systeme. Pergolamarkisen, Lamellendächer und seitliche Screens machen Terrassen flexibler nutzbar. Neben Halle 6 wird Halle 4 zum zusätzlichen Anlaufpunkt für Markisen und Terrassenüberdachungen.
Erholung mit Fragezeichen
Auch der BVRS meldet Lichtblicke, aber keine gesicherte Trendwende. Im R+S-Handwerk schwächte sich der nominale Umsatzrückgang 2025 auf 0,8 % ab, nach 6,4 % im Vorjahr. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Geschäftsklimaindex mit 108 Punkten den höchsten Stand seit 2021. Das Auftragspolster blieb indessen unter Vorjahresniveau. Der BVT verweist auf steigende Kosten und die schwache Bautätigkeit, positive Impulse kommen aus der Sanierung.
Solar erleichtert die Nachrüstung
Laut ITRS-Präsentation überschritt ihr Anteil bei in Deutschland produzierten Vorbaurollläden 2025 erstmals 20 %. Bei Sanierungen entfällt damit die aufwendige Verkabelung zum Netzanschluss. Zugleich wächst die Bedeutung automatisierter Systeme. Matter, KNX und herstellerübergreifende Smart-Home-Lösungen verbinden einzelne Produkte mit der Gebäudetechnik. Sonnenstand, Innen- und Außentemperaturen sowie Wetterprognosen werden zu Steuergrößen einer adaptiven Gebäudehülle.
Vom Sonnenschutz zum Klimamanagement
Was das praktisch bedeutet, zeigten die Aussteller-Pitches. Somfy kündigte eine neue Generation smarter Sensorik an, die Wetterentwicklung und Produkteigenschaften berücksichtigt. Warema stellt automatisierten Sonnenschutz als Teil eines übergreifenden Gebäudekonzepts in den Mittelpunkt. Nice und elero präsentieren ihr Ökosystem gemeinsam, Sattler setzt unter anderem auf PVC-freie Screen-Gewebe. Auch bei Toren schreitet die Vernetzung voran, GfA verbindet internetfähige Steuerungen mit digitalen Werkzeugen für Diagnose und Updates. Für das Handwerk erweitert sich damit die Aufgabe von Montage und Inbetriebnahme um Beratung, Systemintegration und Service.
Erst die Wärme draußen halten
Mit der ES-SO wird 2027 erstmals der europäische Sonnenschutzverband offizieller fachlicher Träger der R+T. Seine „Ladder of Cooling“ beschreibt eine klare Reihenfolge: zunächst die Umgebung kühlen, dann Wärme durch Sonnenschutz und Dämmung draußen halten, anschließend passive Kühlung wie Nachtlüftung nutzen und erst zuletzt aktiv kühlen. Das rückt den außenliegenden Sonnenschutz früh in die Planung.
Die im Vortrag vom ES-SO Präsidenten vorgestellten Guidehouse-Ergebnisse beziffern das Potenzial dynamischen Sonnenschutzes bis 2050 auf mehr als 60 % weniger Endenergie für die Gebäudekühlung. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Fassade, Nutzung und Technik.
Zero. macht den Wandel greifbar
Der Veranstaltungsort passte dazu. Das Bürogebäude Zero. ist ein Projekt der IBA’27 und verbindet kreislauffähigen Holzmodulbau mit einem auf geringen Energiebedarf ausgelegten Konzept des Gebäudes.
Natürliche Lüftung, Tageslichtnutzung und regenerative Versorgung greifen ineinander. In seiner Keynote erläuterte Felix Thumm von Transsolar, weshalb Verschattung, Lüftung und thermische Masse gemeinsam geplant werden müssen. Sonnenschutz wird damit zu einem Baustein der gesamten Gebäudequalität.
Innovation trifft Nachwuchs
Für den R+T Innovationspreis liegen 129 Einreichungen vor. Der neue Future Skins Award richtet sich an Studierende aus Architektur, Bauingenieurwesen und Fassadentechnik. Am 17. Februar stehen die Preisverleihung und der Azubitag mit Handwerkerbattle an, am 18. Februar folgt ARCHIKON mit dem Fokus auf Umdenken, Umnutzen und Umbauen. Die R+T verbindet damit Produktneuheiten, Planungswissen und Nachwuchsarbeit sinnvoll miteinander.
Die Botschaft des Medienevents: Sonnenschutz entwickelt sich vom Komfortprodukt zu einem aktiven Bestandteil energieeffizienter, intelligenter Gebäude mit mehr Lebenskomfort.