Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Terrassendächer: Vormontage und Schulung sichern die Qualität

Die Nachfrage nach hochwertigen Außenräumen wächst. Terrassendächer sollen heute nicht mehr nur vor Regen schützen, sondern Beschattung, Beleuchtung, Heizung, Steuerung und Seitenelemente zu einem flexibel nutzbaren Gesamtsystem verbinden. Damit steigen auch die Anforderungen an Planung, Statik und Montage.

Wie Hersteller und Fachbetriebe darauf reagieren, beleuchtet Olaf Vögele in fünf Fachgesprächen. Der Ressortleiter Sonnenschutz kennt die Herausforderungen nicht nur aus journalistischer Perspektive: Als Metallbaumeister und Sachverständiger kann er die Aussagen der Interviewpartner vor dem Hintergrund der täglichen Baustellenpraxis einordnen. Im Mittelpunkt stehen deshalb auch Fragen, die für ausführende Betriebe entscheidend sind: Wo endet die reine Montage? Welche Verantwortung trägt der Systemgeber? Und welche Rolle spielen Vorfertigung, technische Unterlagen und Schulung?

Mehr Vorfertigung, weniger Improvisation

Die befragten Hersteller setzen zunehmend auf modulare und industriell vorbereitete Systemlösungen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, möglichst viele Arbeitsschritte von der Baustelle ins Werk zu verlagern. Passgenaue Bauteile, vorbereitete Elektrokomponenten, verständliche Anleitungen und definierte Montageschritte sollen Zeit sparen und Fehler vermeiden.

TS Aluminium verbindet Individualität mit dem Baukastenprinzip. Geschäftsführer Rainer Trauernicht beschreibt die Systeme im Gespräch mit Vögele als „schnell, flexibel, systemoffen“. Fachbetriebe können Profile selbst verarbeiten oder einen vorkonfektionierten Bausatz als Bauelement bestellen. Letzterer reduziert den Bedarf an Personal, Arbeitszeit und Lagerfläche und erhöht zugleich die Planbarkeit.

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts sind Schulungen für die Montageteams. Darüber hinaus begleitet TS Aluminium seine Partner bei Bedarf bei der ersten Montage auf der Baustelle. Das Zusammenspiel aus durchdachtem System, theoretischer Qualifizierung und praktischer Unterstützung soll Sicherheit schaffen und den Einstieg in neue Dachsysteme erleichtern.

Lewens verfolgt eine ähnliche Richtung. Das Unternehmen möchte seine Systeme nach Aussage von Vertriebsleiter Fabian Cichon möglichst montagefertig und „mundgerecht“ liefern. Bei der Murano-Glasdachserie stehen wenige Werkzeuge und klar vorgegebene Abläufe im Mittelpunkt. Auf der Baustelle soll möglichst weder gesägt noch gebohrt werden. Neben vollständigen Montageanleitungen und Systemstatiken zählt Cichon ausdrücklich verpflichtende Schulungen, Zertifizierungen und verlässliche Ansprechpartner zu den Leistungen eines Systemgebers.

Vertriebsleiter und Prokurist Fabian Cichon ist seit ­August 2024 bei Lewens Sonnenschutzsysteme tätig.

Lewens

Vertriebsleiter und Prokurist Fabian Cichon ist seit ­August 2024 bei Lewens Sonnenschutzsysteme tätig.
Zur Philosophie von Rainer Trauernicht gehört die ­enge Partnerschaft mit dem Handwerk.

TS Aluminium

Zur Philosophie von Rainer Trauernicht gehört die ­enge Partnerschaft mit dem Handwerk.

Schulung wird zum Bestandteil des Systems

Auch beim Thema Schulung setzt Vögele in den Interviews an. Seine Fragen richten den Blick nicht allein auf das Produkt, sondern auf die gesamte Prozesskette. Ein montagefreundliches System kann seine Vorteile nur ausspielen, wenn die ausführenden Teams wissen, wie es geplant, geprüft und innerhalb der Herstellervorgaben montiert wird.

Schulungen vermitteln deshalb mehr als einzelne Handgriffe. Sie schaffen ein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen eines Systems: Welche Anpassungen sind vorgesehen? Wann wird ein zusätzlicher statischer Nachweis benötigt? Und ab welchem Punkt handelt es sich nicht mehr um die Montage eines Bausatzes, sondern um eine eigenständige konstruktive Leistung?

Auch weinor sieht sich nicht nur als Lieferant, sondern als Systemgeber. CEO Tim Füldner betont im Gespräch die Bedeutung eindeutig definierter Produkte, technischer Vorgaben und spezialisierter Ansprechpartner. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben sowohl in die Weiterentwicklung seiner Lösungen als auch in die Qualifizierung und Spezialisierung seiner Mitarbeiter. Dieses Wissen soll den Fachpartnern gerade bei anspruchsvollen Einbausituationen zugutekommen.

Tim Füldner ist seit 2023 Geschäftsführer von weinor.

weinor

Tim Füldner ist seit 2023 Geschäftsführer von weinor.

Fachkräftemangel erhöht den Qualifizierungsbedarf

Für Warema ist die steigende Nachfrage nach montagefreundlichen Lösungen eng mit dem Fachkräftemangel verbunden. Laut Manuel Peter, Leiter der Business Unit Outdoor Living, müssen moderne Systeme Planung und Montage vereinfachen, ohne die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten einzuschränken.

Digitale Werkzeuge sowie Schulungs- und Serviceangebote unterstützen die Fachpartner entlang der gesamten Prozesskette, von Kundengewinnung, Beratung und Planung über Bestellung und Lieferung bis zum After-Sales-Service. Qualifizierung betrifft damit nicht nur die Arbeit auf der Baustelle, sondern auch die wirtschaftliche und sichere Abwicklung des Gesamtprojekts.

Gut geschulte Teams können vorkonfektionierte Systeme effizienter einsetzen, Fehler schneller erkennen und Projekte verlässlicher kalkulieren. Das ist besonders wichtig, wenn Montagekapazitäten knapp sind und neue Mitarbeiter oder Quereinsteiger in die Abläufe eingebunden werden müssen.

Seit dem 1. September 2025 verantwortet Manuel Peter die Business Unit Outdoor Living als Mitglied der Geschäftsleitung der Warema Renkhoff SE.

Warema

Seit dem 1. September 2025 verantwortet Manuel Peter die Business Unit Outdoor Living als Mitglied der Geschäftsleitung der Warema Renkhoff SE.

Klare Grenze zwischen Montage und Konstruktion

Als Sachverständiger richtet Vögele den Blick auch auf Statik, Nachweisführung und Verantwortlichkeiten. Ein Terrassendach ist schließlich kein beliebiges Stecksystem, sondern eine Konstruktion, die unter anderem Wind- und Schneelasten sicher aufnehmen muss. Montagefreundlichkeit darf deshalb nicht mit technischer Beliebigkeit verwechselt werden.

Peter Ertelt, Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten, macht im Interview deutlich, dass geprüfte Systeme mit belastbarer Statik, vollständiger technischer Dokumentation und eindeutigen Vorgaben für Montage und Gründung erforderlich sind. Fehlen diese Unterlagen, werde die Verantwortung faktisch auf den Monteur verlagert und auf der Baustelle müsse improvisiert werden.

Der Verband setzt deshalb auf eine geschlossene Qualitätskette aus Systemprüfung, Planung, Fertigung und Montage. Schulungen, Qualifizierungen und Prüfungen sollen Betriebe gezielt auf die technischen und rechtlichen Anforderungen vorbereiten. Damit wird Weiterbildung zu einem zentralen Instrument, um geprüfte Systeme als Bauelemente tatsächlich fachgerecht umzusetzen.

Für die handwerksrechtliche Einordnung ist zudem die Grenze zwischen Systemmontage und konstruktiver Eigenleistung wichtig. Die Montage eines industriell vorgefertigten Systems kann so als Einbau von Baufertigteilen eingeordnet werden. Werden dagegen tragende Teile selbst hergestellt, statische Veränderungen vorgenommen oder individuelle Konstruktionen entwickelt, verlässt der Betrieb den Bereich der reinen Montage und fällt in den Bereich eines zulassungspflichtigen Handwerks.

Dipl. Ing. (FH) Peter Ertelt ist seit 2020 der 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten e.V.

Bundesverband Wintergarten

Dipl. Ing. (FH) Peter Ertelt ist seit 2020 der 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten e.V.

Wissen, System und Ausführung müssen zusammenpassen

Die von Vögele geführten Gespräche zeigen den Terrassendachmarkt aus unterschiedlichen Perspektiven, vom Hersteller über den Fachpartner bis zum Verband. Seine Erfahrung als Metallbaumeister und Sachverständiger verbindet dabei die strategischen Aussagen der Unternehmen mit den konkreten Anforderungen an Planung und Baustelle.

Das gemeinsame Fazit: Der Markt für Terrassendächer wächst und professionalisiert sich. Durchdachte Vorfertigung, geprüfte Statik, vollständige Unterlagen, klar geregelte Verantwortlichkeiten und kontinuierliche Schulung gehören untrennbar zusammen. Erst wenn System, Wissen und handwerkliche Ausführung ineinandergreifen, lassen sich Terrassendächer als industriell vorgefertigte beziehungsweise genormte Baufertigteile, die im Rahmen eines handwerksähnlichen Gewerbes eingebaut werden dürfen, sicher, effizient und dauerhaft mängelfrei montieren.

Die GLASWELT setzt die Interviewserie fort und wird in den kommenden Ausgaben weitere Ansprechpartner aus dem Herstellerkreis zu Wort kommen lassen.

Olaf Vögele ist seit 34 Jahren Sachverständiger für die Bereiche Metallbau und R+S Handwerk. Mit seiner Ausbildung als Metallbaumeister und Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Meister sowie einem abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaft gilt er als kompetenter Gesprächspartner. 

Olaf Vögele

Olaf Vögele ist seit 34 Jahren Sachverständiger für die Bereiche Metallbau und R+S Handwerk. Mit seiner Ausbildung als Metallbaumeister und Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Meister sowie einem abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaft gilt er als kompetenter Gesprächspartner. 

Die GLASWELT-Interviews:

Ausgabe 08/26: TS Aluminium: Terrassendächer als individuelles System
Ausgabe 07/26: Warema: Outdoor Living konsequent weitergedacht
Ausgabe 06/26: Lewens: Wir liefern alles mundgerecht
Ausgabe 05/26: weinor: Wir sind richtig und gut aufgestellt
Ausgabe 04/26: Bundesverband Wintergarten: Qualität entscheidet – nicht der Preis