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Vorarbeiten zur IFT Richtlinie Dynamische Windlasten

Ganz schön viel Wind

Wenn der Airboat-Propeller loslegt, geraten ZIP-Screen und Lamellen mehr als deutlich in Bewegung. Bei den Windversuchen am ift Rosenheim untersuchte die Arbeitsgruppe Sonnenschutz, wie ZIP-Screens und Raffstoren auf dynamische Belastungen reagieren. Die Erkenntnisse fließen in die Entwicklung der ift-Richtlinie AB-03/1 ein. Deren Entwurf vom Juni 2026 beschreibt die pulsierende Windlast- und Schlagregenprüfung an Bauteilen und anderen Einrichtungen.

Das gesamte System im Blick

Böen und Turbulenzen erzeugen zeitlich veränderliche Druck- und Sogwirkungen. Sie belasten dabei Behänge, Führungen und Befestigungen. Der Richtlinienentwurf sieht deshalb die Prüfung betriebsfertiger Bauteile im Maßstab 1:1 mit sämtlichen verbauten Komponenten vor. Montiert wird jeweils nach Herstellervorgaben. Unterschiedliche Windrichtungen und kritische Öffnungs- oder Bewegungszustände sollen dabei einzeln betrachtet und bewertet werden.

Im Versuch erzeugte ein V8-Airboat-Antrieb den Luftstrom, dessen Geschwindigkeit über die Drehzahl stufenweise erhöht wurde. Die Anströmung erfolgte frontal unter 90 Grad und schräg unter 45 Grad. Der Versuchsplan unterscheidet jeweils zwischen Prüf- und Sicherheitslast. Bei den Raffstore-Versuchen ging es zunächst bis 121 km/h. Das entspricht rund 33,6 m/s und Beaufort 11. Abstand und Winkel zum Prüfkörper legt ein vorher erstellter Prüfplan fest.

Unter Wind sicher einfahren

Besonders aufschlussreich war das Einfahren der Behänge. Bei den ZIP-Screens bewegte sich das vollständig abgefahrene Gewebe deutlich, und blähte sich wegen der Hinterströmung vor der simulierten Fassade stark auf. Das weitere Auffahren wurde bei den gezeigten Versuchen dadurch nicht behindert. Auch die Raffstoren reagierten sichtbar: Ihre Lamellen verdrehten sich beim Hochfahren zeitweise, das Paket fuhr dennoch vollständig ein, die Lamellen nahmen dabei wieder ihre Ursprungsposition ein. Damit zeigen die Versuche, weshalb die Beurteilung beweglicher Systeme auch den Einfahrvorgang erfassen muss, damit Gefahren vermeiden werden.

Außerhalb der regulären Testreihe wurde ein Raffstore mit 80 mm breiten Flachlamellen und Seilführung bis 154 km/h belastet. Der Behang wurde beschädigt, es flogen jedoch keine Teile unkontrolliert weg. Anschließend ließ er sich noch nahezu vollständig einfahren. Für die Risikobewertung ist diese Beobachtung wesentlich: Neben der Belastungsgrenze zählt, wie ein Produkt versagt und welche Gefahren daraus für Personen und Umgebung entstehen können.

Versuche zur Klassifizierung

Der Entwurf sieht dynamische Windlastklassen von dWl 0 bis dWl 14 vor. Sie reichen von unter 25 km/h bis mindestens 190 km/h; für die höchste Klasse soll der Hersteller die Geschwindigkeit vorgeben. Prüfzeiten und Sicherheitszuschläge sind entsprechend festgelegt. Aus einer im Versuch erreichten Geschwindigkeit lässt sich daher eine zertifizierte Klasse bzw. eine pauschale Freigabe für den Betrieb bei Sturm ableiten.

Der Ansatz reicht bei weiteren Versuchen zudem über trockene Windprüfungen hinaus. Für dynamischen Schlagregen ist eine Beregnung mit 2l/min pro m2 bei Windbeanspruchung vorgesehen. Das ist für textile Verschattungen relevant, weil sich nasse Behänge anders verhalten können als trockene. Künftig soll die Richtlinie eine Grundlage für Klassifizierung, Zertifizierung und Produktlistung schaffen.

Vorgesehen sind dafür zukünftig auch regelmäßige Herstelleraudits und wiederkehrende Prüfungen. Die Vorversuche helfen so, Funktion und Sicherheit unter praxisnahen Bedingungen optimal bewerten zu können.

Olaf Vögele

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