Rehberger: Der Verband Fenster + Fassade und der Bundesverband Flachglas haben vor Kurzem in Frankfurt die aktuellen Marktzahlen für Fenster, Türen und Glas vorgestellt. Der Fokus richtete sich vor allem auf die Prognosen für 2026. Hierbei wurden zwei Varianten präsentiert: eine vorsichtige Einschätzung für Fenster, die von einem Zuwachs von 1,9 Prozent ausgeht, das sind 13,13 Mio. Fenstereinheiten, und eine optimistische, die mit etwa 3,1 Prozent rechnet (13,28 Mio. FE). Wie bewertest Du die jeweiligen Prognoseaussagen?
Mund: Interessant, dass die Verbände jetzt zwei Prognose-Werte publizieren – könnte man dann nicht gleich von einem Korridor sprechen? Was steckt hinter diesen beiden fixen Szenarien?
Rehberger: Das vorsichtige Modell geht davon aus, dass sich der Markt nur langsam erholt und vorrangig vom Sanierungsbereich getragen wird. Das optimistischere Modell setzt dagegen auf eine deutlich stärkere Belebung im Neubau, was unter anderem durch die steigenden Baugenehmigungen getragen wird, die in den ersten Monaten des Jahres zu verzeichnen waren. Hierzu war ebenfalls zu hören, dass die Talsohle durchlaufen sei.
Mund: Der Optimismus für den Neubau ist nachvollziehbar – Destatis zeigt ja, dass die Talsohle bei den Baugenehmigungen durchschritten ist. Allerdings darf man nicht vergessen, dass zwischen Genehmigung und tatsächlichem Baustart viel Zeit vergeht. Die Fachverbände setzen bei ihrem optimistischen Prognose-Szenario wohl auch auf eine baldige Entspannung an der Straße von Hormus und damit bei den Energiepreisen. Trotzdem gehen viele für 2026 bestenfalls von einem sehr moderaten Wachstum aus. Vielleicht sollte die Branche parallel stärker auf nachhaltiges Bauen und innovative Materialien setzen – das könnte langfristig einen echten Schub auslösen.
Rehberger: Das sehe ich ähnlich. Es geht doch auch darum, was die Branche inhaltlich anbieten kann, um so Markt zu schaffen: Nachhaltige Bauprodukte und zirkuläre Konzepte müssen im Fokus stehen. Das zeigen aktuelle Glasthemen wie das innovative Dünnglas-ISO (siehe Seite 26) und auch die Entwicklungen beim Re-Use von alten Bestandsgläsern, um daraus neue Isoliergläser zu fertigen (Seite 28). Solche Ansätze helfen, Gebäude bzw. Fassaden nicht nur ressourcenschonender zu fertigen, sondern auch klimafreundlicher. Ihnen viel Spaß mit der neuen GW.