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Im Porträt: Ventana Deutschland

„Komplexe Fenster? Genau unser Ding!“

GW– Herr Schwanekamp, was bedeutet der ­Sonderbau für Ventana?

Stefan Schwanekamp – Sonderbau bedeutet für uns: Alles, was für den Fensterbauer nicht Standard ist, ist unser Standard.

GW – Sie sprechen davon, dass 2025 ein Jahr des Wandels war. Was hat sich verändert?

Schwanekamp – Wir haben letztes Jahr eine umfangreiche Transformation durchlaufen. Wir sind in den letzten Jahren kräftig gewachsen, haben in Maschinen und Gebäude investiert.

Judith Pennekamp – Gleichzeitig haben wir unsere Organisation neu aufgestellt, um unsere Kunden auch künftig bei immer komplexer werdenden Anforderungen zuverlässige Unterstützung bieten zu können. Als Familienunternehmen haben wir 2022 ein großes Investitionsprogramm verabschiedet, das wir nun durchgeführt haben. Die Marktbedingungen sind jetzt anders, aber wir sehen das Investment langfristig.

Daniel Lechtenberg – Unsere Position im Markt hat sich deutlich weiterentwickelt. Wir haben uns auch als Entwicklungspartner für die großen Systemgeber etabliert. Ein Beispiel: In diesem Jahr waren bereits drei Systemgeber bei uns, um gemeinsam an der Entwicklung einer neuen Hebeschiebetür zu arbeiten.

Schwanekamp – Das unterstreicht unsere erweiterte Rolle: Wir sind starker Dienstleister für unsere Kunden, den Fensterhersteller und auch ein echter Kompetenzpartner der führenden Systemgeber. Diese wissen, dass wir nicht nur Produkte herstellen, sondern auch Lösungen für die Herausforderungen ihrer Verarbeiter bieten – insbesondere bei komplexen und großflächigen Elementen. Unser Know-how wird aktiv angefragt und geschätzt.

Lechtenberg – Und das nicht allein im Kunststoff-Bereich, aus dem wir ursprünglich kommen, sondern auch für unseren Aluminium-Bereich, den wir in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich ausgebaut haben. Mit insgesamt über 30 Jahren Erfahrung bieten wir heute nicht nur Produkte, sondern auch das komplette Know-how – von Beschlägen über Werkzeuge bis hin zur Lösung komplexer Anforderungen. Mit dieser Kombination und dem Zusammenspiel der verschiedenen Werkstoffe sind auch besondere Projekte aus einer Hand möglich. So haben wir für unseren Kunden für eine Kirche in den Niederlanden Sonderfenster in Aluminium und PVC gefertigt. Dabei konnte jeder Werkstoff so eingesetzt werden, dass er seine jeweilige Stärke am besten ausspielt. Unsere Kunden können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während sie bei komplexen Sonderbauanforderungen auf unser über Jahrzehnte aufgebautes Know-how zurückgreifen können.

GW – Mit dem Biegen hat es vor 30 Jahren angefangen. Ist das nach wie vor Ihr Kerngeschäft?

Schwanekamp – Das Biegen bleibt ein zentraler Bestandteil unseres Portfolios und ist fest in unserer DNA verankert. Nach wie vor bieten wir, wie in unseren Anfängen, unseren Kunden einen Bogen oder verschweißten Rohling an. Denn jeder Bogen und jeder Kunde zählt. Heute unterstützen wir Fensterhersteller im Sonderbau als verlängerte Werkbank, von der technischen Ausarbeitung bis zur fertigen Lösung. Dabei haben sich sowohl unser Hebeschiebetüren-Bereich, als auch unser Aluminium-Bereich stark entwickelt.

Unsere Spezialisierung zeigt sich auch in der Technik. Wir investieren gezielt in Maschinen, die sich für andere Hersteller vermutlich kaum wirtschaftlich rechnen würden. Für unsere Kunden bieten diese aber einen entscheidenden Vorteil. Zum Beispiel haben wir eine Pfostenfräse, die Schräg-, Spitzen- und Rundfräsen für Schrägfenster millimetergenau umsetzt. Der Pfosten kommt direkt passgenau aus der Maschine – etwas, das viele Fensterhersteller manuell erledigen müssen. Auch unsere ­Zweikopfschweißmaschine und der KMW-Verputzer für jeden Winkel sind Beispiele für unsere Spezialmaschinen-­Investitionen.

GW – Wie vermitteln Sie die Wertigkeit von Nicht-rechteckigen Fenstern auch mit Blick auf die Kunden Ihrer Kunden?

Lechtenberg – Für viele Fensterbauer gehören Sonderfenster nicht zum täglichen Geschäft. Entsprechend schwierig ist es manchmal, den tatsächlichen Aufwand richtig einzuschätzen. Wir kommen in diesen Fällen mit unseren Kunden ins Gespräch, erklären die Fertigungsschritte und Mehraufwände im Detail. Für viele ist schnell der Unterschied und damit auch die Preisdifferenz deutlich. Damit fällt ihnen auch die Kommunikation zu ihren Kunden einfacher. Mit unserem Know-how und unserer Erfahrung helfen wir unseren Kunden, Sonderbau wirtschaftlich und sicher in ihr Angebot zu integrieren.

GW – Kommen wir zum Aluminium-Segment. Wie entwickelt sich der Unternehmens-Bereich?

Schwanekamp – Sehr dynamisch. Aktuell machen wir einen Großteil unseres Aluminium-Umsatzes mit Schüco, aber auch mit anderen Systemen sind wir in der Startphase. Unser langfristiges Ziel ist es, dass wir uns in der Welt der Metallbauer eine ähnliche Position erarbeiten können, wie es uns im PVC-Bereich bereits gelungen ist.

Alles, was für den ­Fensterbauer nicht Standard ist, ist unser Standard.

Stefan Schwanekamp

GW – Wie unterscheiden sich die Systemgeber im Aluminium-Bereich?

Lechtenberg – Schüco nutzt hier gezielt unser Know-how. Viele Verarbeiter stehen vor Projekten, die technisch anspruchsvoll sind oder besondere Erfahrung erfordern. Genau dort werden wir eingebunden. Schüco nutzt unsere Philosophie und sieht uns als den Problemlöser für ihre Kunden.

Schwanekamp – Ein paar Anbieter bieten auch gebogene Aluminium-Elemente an. ­Jedoch haben wir feststellen dürfen, dass ­Metallbauer selbst nicht den reinen Bogen, sondern das komplette Sonderfenster zukaufen ­möchten. Hier kommen wir ins Spiel.

GW – Beim Rundgang durch die Alu-Produktion fallen die Unterschiede zur PVC-Fertigung auf.Was sind die besonderen Herausforderungen?

Lechtenberg – Oft sprechen wir in der Alu-Produktion von Projekten mit höherer Komplexität, größeren Flächen und motorisierten Anlagen. Das ist schon ein großer Unterschied zum PVC-Bereich: Die technischen Lösungen in Aluminium sind vielfältiger, im Kunststoff-Bereich sehen wir oft standardisierte Hebeschiebetür-Bestellungen.

GW – Wie unterscheidet sich der Produktionsprozess von dem in der Kunststoffbearbeitung?

Lechtenberg – Der Grundprozess ist vergleichbar: Zuschnitt, Bearbeitungszentrum und Flügelvorbereitung. Große Unterschiede gibt es natürlich in der Eckbearbeitung, wobei wir die Ecken bei Aluminiumsonderfenstern auch häufig schweißen. Zudem arbeiten wir mit speziellen Endmontage-Tischen, die sich bis auf zwölf Meter ausziehen lassen, um großformatige Elemente zu fertigen. Im Kunststoffbereich reichen uns Tische mit einer Länge von vier bis sechs Metern, da dort die Dimensionen in der Regel kleiner sind.

GW – Wie wichtig ist Erfahrung in der ­Aluminium-Bearbeitung?

Schwanekamp – Erfahrung ist immer ein wichtiges Kapital. Als wir im Bereich Aluminium gestartet sind, haben wir verschiedene erfahrene Metallbauer für uns gewinnen können. Unser Produktionsleiter in dem Segment verfügt über eine 35-jährige Berufserfahrung. Gemeinsam mit der jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich Sonderfenster und Hebeschiebetüren aus Kunststoff konnten wir so von Beginn an aufwendige Projekte realisieren. Aber auch auch Neugier und Ehrgeiz sind Treiber unserer Weiterentwicklung.

GW – Wie haben Sie Ihre Fertigung mit der ­neuen Halle reorganisiert?

Schwanekamp – Wir haben für alle drei Geschäftsbereiche – Hebeschiebetüren PVC, Fenster PVC und Aluminium – ein neues Produktionslayout geplant. Dies war auch zwingend erforderlich und erwünscht, da wir die Aluminiumfertigung in gemieteten Räumen aufgebaut hatten und diese integriert werden sollte. Durch die Vergrößerung der Produktionsfläche konnten wir sowohl den Bereich Lager und Vorkommis­sionierung neu organisieren als auch das Maschinenlayout optimieren. Ein einigen Stellen wird noch nachjustiert. Insgesamt haben wir Effizienz generiert und Raum für Wachstum geschaffen.

GW – Wie funktioniert Ihre automatische Produktionslinie im Bereich der PVC-Hebeschiebetüren?

Lechtenberg –Vollautomatisiert wird man unsere Fertigung nie nennen können. Im Bereich der Hebeschiebetüren aus PVC arbeiten wir mit allen führenden Maschinenherstellern zusammen. Wir verfügen über eine Rotox-Anlage für Zargen und Schwellen sowie einem Schirmer Bearbeitungszentrum und anschließender Urban Schweißmaschine. Die Schirmer-Anlage, unsere größte Einzelinvestition nutzen wir für die Flügelfertigung mit automatischer Abstapelung.

GW – Wie sind die Arbeitsplätze organisiert?

Lechtenberg – Unsere Produktion ist in hohem Maße digitalisiert. Arbeitsanweisungen sind direkt am Monitor verfügbar. Mit der Adulo-Software erfassen wir unsere Aufträge und versuchen diese gerade in einem gemeinsamen Projekt KI-unterstützt weiter zu vereinfachen. Zudem nutzen wir unser eigenes Know-how im Bereich KI, zum Beispiel in der Programmierung von Microsoft Power Apps.

GW – Warum ist Ihre Null-Nut-Kompetenz beim Kunststoff-Schweißen so wichtig?

Lechtenberg – Null-Nut-Kompetenz ist in dem Zusammenhang ein schönes Wort. Wir bei Ventana stellen uns im besonderen Maße auf die Anforderungen unsere Kunden ein. Selbstverständlich haben wir diesbezüglich auch frühzeitig in entsprechende Technologien und Maschinen investiert – mit dem Ziel, unsere Produkte bestmöglich an die Kunden-Anforderungen anzupassen und beispielsweise die Null-Nut zu ermöglichen.

GW – Wie wichtig ist der Service-Aspekt für IhrGeschäftsmodell?

Schwanekamp – Service ist ein zentraler Bestandteil unserer Philosophie. Wir gehen über die reine Produktlieferung hinaus. So bieten wir Schulungen an, die direkt auf die Bedürfnisse unserer Kunden, Systempartner und deren Monteure zugeschnitten sind. Ein Beispiel: In diesem Jahr haben wir in zwei Montageschulungen, gemeinsam mit Kömmerling und Schüco, sowie externen Experten und Sachverständigen, wie Claudius Freiberg und Marc Schütt rund 300 Teilnehmer zu aktuellen Themen rund um Montage, Abdichtung, Kunststoffoberflächen und mehr geschult. Solche Formate verstehen wir als Teil unserer Verantwortung: Wir möchten Kunden dabei unterstützen, auch ­komplexe Anforderungen sicher und erfolgreich umzusetzen.

Lechtenberg – Unser Anspruch ist klar: Wir wollen keine Frage offen lassen. Viele Kunden fertigen keine Hebeschiebetüren oder Sonderfenster, wir dagegen sind täglich damit beschäftigt und können daher unsere Kompetenz und jahrelang gebildetes Wissen an Kunden übertragen. Diesen Rundum-Service verstehen wir als echten Mehrwert. Und unsere neuen flexiblen Konferenzräume und modern ausgestattete Meeting-Bereiche schaffen ideale Bedingungen für Kundenmeetings und Schulungen.

GW – Refinanziert sich der Serviceaufwand?

Lechtenberg – Wir möchten unseren Kunden einen Mehrwert bieten und legen den Fokus auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Es geht nicht nur um das Produkt selbst, sondern um alles, was dahinter steckt – von der Schulung über die Montageunterstützung bis hin zur passgenauen Lieferung. Wenn der Fensterbauer versteht, welchen Vorteil er seinen eigenen Kunden dadurch bieten kann, wird klar, dass dieser Service einen echten Wert hat, der sich auszahlt.

GW – Wo sehen Sie weitere Hebel innerhalb derProduktion?

Schwanekamp – Wir haben unsere Prozesse für Spezialprodukte bereits auf ein hohes Maß an Automatisierung gebracht, doch wir betrachten das als Ausgangspunkt, nicht als Endpunkt. In den nächsten zehn Jahren werden Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Robotik eine noch größere Rolle bei uns spielen. Gleichzeitig wissen wir, dass die Nutzung der Spezialmaschinen durch unsere Fachkräfte den entscheidenden Unterschied machen. In diese Technologien investieren wir bewusst, denn sie sind täglich im Einsatz und ermöglichen die präzise, wirtschaftliche und sichere Umsetzung von anspruchsvollen Sonderlösungen und Projekten unserer Kunden.

Service ist ein zentraler ­Bestandteil unser
Unternehmensphilosophie.

Stefan Schwanekamp

GW – Welche Rolle spielt die KI bei Ihnen?

Pennekamp – Permanente Digitalisierung ist für uns ein zentraler Baustein. Wir haben dafür eine eigene Digital Unit gegründet, die sich gezielt mit der Optimierung unserer Prozesse und Systemlösungen beschäftigt.

Schwanekamp – Wir haben ein eigenes digitales System entwickelt, das Transparenz über den gesamten Produktionsprozess bietet: Wir sehen, wo sich ein Projekt in der Produktion befindet und welche Bearbeitungen noch ausstehen.

Lechtenberg – Auch steht für uns im Bereich der Digitalisierung unser Kunde im Mittelpunkt. So machen wir den Bestellprozess möglichst einfach – egal, welches System der Kunde nutzt. Beispiel: Wir nutzen intern Adulo, liefern aber für Klaes-Anwender spezielle Stammdatenpakete für Hebeschiebetüren. So ermöglichen wir, Bestellungen in eigenen Systemen vorzunehmen.

GW – Was steckt hinter dem Sixpack-Bausatz?

Lechtenberg – Der Sixpack Bausatz ist unsere Antwort auf logistische Herausforderungen bei der Montage von Hebeschiebetüren. Es gibt Situationen, in denen die fertige Tür aufgrund ihrer Größe oder des Zugangs schlichtweg nicht an die vorgesehene Gebäudeöffnung gebracht werden kann. Mit unserem Sixpack bieten wir eine Lösung, bei der das Element direkt vor Ort montiert wird. Dieses System spart Zeit, vereinfacht die Installation und ermöglicht den Einbau auch unter schwierigen Bedingungen. Es ist besonders bei schwer zugänglichen Baustellen eine gute ­Lösung.

GW – Mit einer Exportquote von fast 40 % sind internationale Märkte ein wichtiger Faktor. Welche Länder stehen für Ventana im Fokus?

Lechtenberg – Die Niederlande sind unser stärkster Exportmarkt. Wir führen das unter anderem auf den deutlich aufwendigeren Sonderbau mit den länderspezifischen bautieferen Zargenprofilen und dem prozessorientierten Denken der niederländischen Fensterhersteller zurück.

Schwanekamp – Unsere weiteren Zielmärkte sind Frankreich, Italien, Schweiz und Österreich. Hier sind wir schon über Jahrzehnte aktiv. Neu hinzugekommen ist Belgien, dort haben wir uns jetzt auch personell verstärkt. Mehr und mehr gewinnen wir auch im italienischen und französischen Markt industrielle Fensterhersteller, die die eigene Biegeabteilung schließen und auf den Zukauf umstellen. Die Herausforderungen für uns liegen natürlich in den länderspezifischen Systemen und in der Profil-Beschaffung. Gerade in Italien ist die Farbvielfalt noch größer als in Deutschland.

GW – Beim Sonderbau geht es auch um Lieferzeiten. Wie schnell können Sie liefern?

Lechtenberg – Für uns ist es essenziell, dass unsere Sonderfenster nicht zum Engpass im Prozess unserer Kunden werden. Unsere Lieferzeiten sind so abgestimmt, dass sie mit denen unserer Kunden harmonieren. Das bedeutet, dass wir genauso schnell und flexibel sein müssen wie unsere Kunden selbst.

Schwanekamp – Wir möchten hier aber noch einen Schritt weiter gehen. So prüfen wir gerade, ob der Markt eine weiße Hebeschiebetür mit einer Lieferzeit von fünf Tagen benötigt. Ob dies Vorteile für unsere Kunden bringt. Parallel dazu erarbeiten wir diesbezüglich einen Prozess, vom Material bis zur Auslieferung. Solche Initiativen helfen, besonders zeitkritische Anforderungen zu erfüllen und unseren Service weiter auszubauen.

Lechtenberg – Darüber hinaus setzen wir auf Auftragseingangs-Forecasts. Bei Stammkunden wissen wir beispielsweise, wieviel Hebeschiebetüren sie im Durchschnitt pro Woche bestellen. Diese Daten nutzen wir, um entsprechende Kapazitäten bereitzustellen und so auch langfristig die Planungssicherheit für unseren Kunden zu gewährleisten. Und „Schnellschüsse“ gehen natürlich auch immer mal wieder.

GW – Sie haben kürzlich einen Kooperationsvertrag mit Deceuninck geschlossen. Welche Bedeutung hat diese Partnerschaft für Ventana?

Lechtenberg – Diese Kooperation ist für uns ein strategisch wichtiger Schritt. Deceuninck sieht uns als Service-Partner für den Sonderbau in den westeuropäischen Märkten. In unser System integriert haben wir bereits die Deceuninck Hebeschiebetür und erweitern unser Angebot sukzessive um die Fenstersysteme.

GW – Wie reagieren andere Systempartner darauf, dass Sie jetzt enger mit Deceuninck arbeiten?

Schwanekamp – Transparenz und Fairness stehen bei uns an erster Stelle. Wir verfolgen eine klare Politik: Jeder Kunde erhält bei uns Produkte seines eigenen Profilsystems. Wenn wir z.B. Deceuninck in unser Portfolio aufnehmen, geht kein Geschäft für andere Systemhersteller verloren. Wichtig ist und bleibt, wir bedienen ausschließlich den Fensterhersteller. Und das individuell mit den jeweiligen ­Systemlösungen, wodurch wir praktisch wie zehn spezialisierte Unternehmen in einem agieren.

Lechtenberg – Diese Philosophie nehmen einzelne Systemhäuser gerne auf. Sie haben erkannt, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist Ventana als Lieferant für Hebeschiebetüren zu etablieren. Fensterhersteller, die eine geringere Anzahl an Hebeschiebetüren im Jahr benötigen und denen die personelle und maschinelle Ausstattung fehlt, erhalten so Unterstützung.

GW – Wie begegnen Sie dem Fachkräfte­mangel?

Pennekamp – Fachkräfte sind ein zentraler Faktor für unser Wachstum, und wir investieren gezielt, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Wir bieten elf verschiedene Ausbildungsberufe an und haben eine Übernahmequote von über  Prozent. Ein besonderes Highlight ist unsere eigene Ausbildungswerkstatt, die „Impulswerkstatt“, in der Nachwuchskräfte und Mitarbeitende praxisnah geschult werden. Gerade im Sonderbau spielt der Wissenstransfer eine entscheidende Rolle. Viele Tätigkeiten basieren auf Erfahrungen und Fähigkeiten, die nicht einfach erlernt, sondern über Jahre aufgebaut werden, wie beispielsweise das Biegen von Profilen. Dieses Fachwissen und handwerkliche Können gilt es, durch praktische Schulungen weiterzugeben. Für uns ist es wichtig, dass jeder entsprechend seiner Fähigkeiten eingesetzt wird. So bieten wir Entwicklungsperspektiven zu individuellen Fach- und Führungskarrieren. Das fördert Talente und sorgt für gezielte Weiterentwicklung auf allen Ebenen.

Mit Maßnahmen, wie unserem mobilen Social-Intranet stärken wir zudem den Austausch und die Transparenz innerhalb des Unternehmens. Darüber hinaus liegt uns die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, beispielsweise durch Ferienbetreuung für die Kinder unserer Mitarbeitenden oder unsere betriebliche Großtagespflege „die Glücksfabrik“ sehr am Herzen. Diese Maßnahmen machen uns nicht nur zu einem modernen Arbeitgeber, sondern helfen uns, die besten Talente zu gewinnen und zu halten.

GW – Wie sehen Ihre Wachstumspläne aus?

Schwanekamp – Unser Ziel ist es, unsere Rolle als Kompetenzpartner für komplexen Fenstersonderbau in Europa weiter auszubauen. Wachstum ist dabei die Folge einer klaren Positionierung und hoher Kundennähe.

Lechtenberg – Mit neuen Produkten und Services können wir auch zukünftig einen echten Mehrwert bieten. Mit Stefan Gerling als Leiter des Vertriebs in Deutschland und unserer Investition in internationale Märkte, können wir auch eine noch bessere Nähe zu unseren Kunden und damit auch nachhaltiges Wachstum schaffen.

GW – Sie als Unternehmerehepaar sind noch jung, aber wie ich Sie einschätze haben Sie bereits Ideen, wie Sie sich als Inhaber aus der operativen Verantwortung zurückziehen, wenn es einmal so weit ist?

Pennekamp – Für uns ist entscheidend, dass die Person, die am besten geeignet ist, die richtige Rolle im Unternehmen übernimmt – unabhängig davon, ob sie Teil der Familie ist oder nicht. Das Unternehmen bleibt ein Familienunternehmen, auch was die Gesellschafterstruktur betrifft. Wir setzen darauf, mit den kompetentesten Köpfen zu arbeiten. Außerdem ist uns wichtig, dass es Menschen sind, die unsere Werte teilen. Wir haben auch Beispiele gesehen, wo der Generationswechsel nicht gut vorbereitet wurde. Der Übergang wird oft zu spät angegangen. Der Schlüssel liegt darin, Verantwortung zu delegieren und Vertrauen zu schenken.

Lechtenberg – Aus der Perspektive eines Mitarbeiters kann ich sagen: Die Eigentümerfamilie sendet klare Signale in Richtung Zukunft. Sie hat gerade eine hohe Summe investiert, die in der Fensterbranche nicht alltäglich ist. Diese Investition zeigt, dass hier nicht kurzfristig gedacht wird. Es geht nicht um die nächsten fünf Jahre, sondern um eine langfristige Perspektive – über zehn, zwanzig oder mehr Jahre. Das ist sowohl für die Mitarbeitenden als auch für den Markt ein starkes Statement.

GW – Ventana hat eine beachtliche Größe erreicht. Wie stellen Sie sicher, dass die Organisation effizient und klar strukturiert bleibt?

Pennekamp – Zum Jahreswechsel haben wir die Bereichsleiter/innen etabliert und die Teamleiterstruktur und Abteilungsgrößen in der Produktion angepasst. Um bei dieser Unternehmensgröße jeden Mitarbeitenden abholen zu können, setzen wir auf klare Kommunikationswege und verständliche Zielvorgaben.

Schwanekamp – Die Umstellung war ein langfristiger Prozess, der drei Jahre in Anspruch genommen hat. Unsere Mitarbeiter durchlaufen gezielte Entwicklungsstufen, um schrittweise größere Verantwortung zu übernehmen. Dies sorgt für klare Strukturen und nachhaltiges Wachstum.

Für uns ist es essenziell, dass ­unsere Sonderfenster nicht zum Engpass im Prozess unserer ­Kunden werden.

Daniel Lechtenberg, Bereichsleiter Markt- & ­Geschäftsentwicklung

Pennekamp – Die Bereichsleiterstruktur schafft klare Verantwortlichkeiten und effizientere Abläufe. Die vier Bereichsleiter arbeiten eng mit der Geschäftsleitung zusammen. In der personalintensiven Sonderbaufertigung setzen wir im Bereich Produktion auf eine Doppelspitze: Martin Willing, mit dem Fokus auf Technik und Prozesse, mit enger Vernetzung zu Maik Hollweg. Er kümmert sich als Bereichsleiter Produktion und Organisation unter anderem um organisatorische Abläufe und die Personalführung. Manuela Pieniak wurde als Bereichsleiterin Finanzen und HR eingesetzt, während Daniel Lechtenberg den Bereich Markt- und Geschäftsentwicklung, mit den Abteilungen Vertrieb, Marketing, Einkauf und IT, leitet.

Bei der Besetzung unserer neuen Bereichsleitung war es uns wichtig, die Art der Zusammenarbeit weiterzuentwickeln. Mit der neuen Organisationsstruktur wollen wir die Verantwortung breiter aufstellen und Entscheidungswege verkürzen. Was die personelle Besetzung angeht, setzen wir dabei auf langjährige Ventana-Erfahrung und neue Perspektiven von außen.

GW – Sie sprechen von einer Transformation, nicht nur von Wachstum. Was meinen Sie damit?

Schwanekamp – Transformation bedeutet, das Unternehmen nicht einfach nur größer zu machen, sondern es grundlegend neu auszurichten. Wir haben eine neue „Überschrift“ und eine klare strategische Klammer geschaffen. Es ist ein Wandel, der weit über reines Wachstum hinausgeht.

Pennekamp – Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, Rollen zu beschreiben und Aufgaben gezielt zu verteilen. Wichtig war uns, diesen Wandel gemeinsam und im Dialog mit den Mitarbeitenden zu gestalten, um die Veränderungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Dabei haben wir uns gefragt, wie wir das Unternehmen Ventana zu dem leistungsstärksten Partner für Fensterhersteller in ganz Europa entwickeln können.

GW – Wie stellen Sie den Informationsfluss bei 280 Mitarbeitern sicher?

Schwanekamp – Jeder muss verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir etwa sagen, dass am Samstag gearbeitet werden muss, dann nur weil es notwendig ist, um Fristen oder Kundenerwartungen zu erfüllen. Kommunikation ist hier der Schlüssel. Dazu zählt das persönliche Gespräch zwischen Teamleiter und Kollegen, regelmäßige Updates des Teams durch die Bereichsleiter oder auch die zuvor schon genannte interne App.

GW – Zum Abschluss die Frage: Was macht Ventana Deutschland besonders oder anders?

Pennekamp – Ja, was macht uns besonders? Ich glaube viele erfolgreiche Unternehmen teilen ähnliche Werte wie Qualität, Verlässlichkeit, Partnerschaft. Wir sind auch stark geprägt durch die Werte unseres Vaters: Verantwortung übernehmen, Vertrauen schenken und Neues wagen. Diese Prinzipien prägen unser Handeln bis heute.

Schwanekamp – Was die Nische im Fenstersonderbau ausmacht ist ihre Vielfalt. Diese Vielfalt wirtschaftlich und qualitativ zu beherrschen erfordert besondere Eigenschaften: Flexibilität, Wendigkeit, Erfahrung und spezielles Know-how, die passenden Menschen und Maschinen – und manchmal auch die Bereitschaft unkonventionelle Wege zu gehen. Immer mit dem Ziel für unsere Kunden die beste Lösung zu finden.

GW – Herzlichen Dank für den tiefen Unternehmens-Einblick und viel Erfolg weiterhin!

Das Gespräch vor Ort in Vreden führte ­Chef­redakteur Daniel Mund.

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