Die Fenster- und Holzhandwerksbranche bereitet sich auf ein messestarkes Frühjahr vor. Bei einem Dialog gaben die Verantwortlichen der Fensterbau Frontale und Holzhandwerk Einblicke in ihre Planungen – und zeigten sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen zuversichtlich.
Neue Formate und bewährte Strukturen
Chiara Sträßner, die die Leitung der Fensterbau Frontale, der Weltleitmesse für Fenster, Türen und Fassaden, im letzten Jahr übernommen hat, stellte die Neuheiten der kommenden Messe vor: „Das wird die Fensterbaufrontale Stage sein. Eine internationale Multifunktionsfläche, auf der auch unser neuer Innovation Award stattfinden wird." Ergänzt wird das Angebot durch den gemeinsam mit der Holzhandwerk gestalteten Zukunftsraum sowie bewährte Formate wie das Fensterbaufrontale Forum, das Forum Architektur Fensterfassade und die Sonderschau Klimaschutz bauen.
Auch die Holzhandwerk kann positive Zahlen vermelden. Stefan Dittrich, Veranstaltungsleitung der Holz-Handwerk, berichtete von einem Wachstum um etwa zehn Prozent gegenüber 2024: „Zum einen durch die Aussteller, die uns wieder die Treue erweisen, aber auch durch einige Rückkehrer." Die bewährten Hallen 9 und 10 für den Maschinenbereich sowie die Hallen 11 und 12 für den Nicht-Maschinenbereich werden wieder „dicke Packe voll sein".
Als Highlight präsentierte Dittrich die neue Holzhandwerk-Arena: „Ein multifunktionales Areal, wo vom klassischen Vortragsprogramm bis zum Netzwerktreffen, bis zur Podiumsdiskussion verschiedenste Formate stattfinden werden." Die Arena in Halle 11 wird durch eine Materialshow ergänzt und bietet eine neue Guided Tour.
Herausforderungen erfordern intensivere Betreuung
Die Messeorganisatoren sehen sich mit veränderten Anforderungen konfrontiert. Dittrich beschrieb zwei zentrale Herausforderungen: „Wir müssen deutlich mehr im Dialog stehen, deutlich mehr im Austausch stehen, deutlich präsenter sein." Gleichzeitig würden Kunden verstärkt auf Kosten und Return on Investment schauen – nicht nur bei den Standkosten, sondern auch bei den Nebenkosten.
Sträßner ergänzte: „Bei unseren Ausstellern gab es auch viel Personalwechsel. Das heißt, das Fachwissen, die Fachexpertise, gerade was Messedurchführung betrifft, ist teilweise ein bisschen abgewandert." Dies erfordere eine intensivere persönliche Betreuung.
Maschinenbau: Zwischen globalen Unsicherheiten und Chancen
Dr. Bernhard Dirr vom VDMA, ebenfalls anwesend beim Dialog vor der Preview-Veranstaltung der Messen skizzierte vor Pressevertretern die Herausforderungen des Maschinenbaus mit deutlichen Worten: „Wir haben drei Herausforderungen, die sehr groß sind. Xi Jinping, Putin und Trump." Diese Akteure sorgten für eine Unsicherheit, die „das größte Gift für Investitionslaune und Investitionen insgesamt" sei.
Der Maschinenbau, der 80 Prozent seines Umsatzes international erwirtschafte, leide seit Jahren unter schwachen Auftragseingängen. Dennoch zeigte sich Dirr optimistisch: „Die gute Botschaft ist, ich glaube, wir lernen, mit uns umzugehen und uns dagegen aufzustellen. Challenge accepted."
Als zweite große Herausforderung nannte er den Fachkräftemangel, der sich durch die schwächere Auftragslage momentan etwas entspanne, aber langfristig bestehen bleibe.
Handwerk: Fachkräfte und Bürokratie als Hauptthemen
Waldemar Dörr vom handwerklichen Bereich (Dörr ist Hauptgeschäftsführer der GFF Karlsruhe, der Akademie für Glas-, Fenster- und Fassadenbau) bestätigte den Fachkräftemangel als „Fakt Nummer 1". Verschärft werde die Situation dadurch, dass andere Industriezweige mit höherem Stellenwert um dieselben Arbeitskräfte konkurrierten: „Die Claims, die wir bei Claims wären, wo die sagen, die nehmen wir jetzt nicht gerne auf, die wir vielleicht vor 5, 6 Jahren nicht genommen hätten, aber jetzt sind sie genau auch unsere Ansprechpersonen."
Als zweites großes Problem identifizierte er bürokratische Hürden, die besonders kleinere Betriebe belasten: „Gerade die kleineren Betriebe sagen, ich muss da viel Man- oder Frauenpower dorthin stecken, die ich eigentlich gar nicht habe."
Technologie als Hoffnungsträger
Trotz aller Herausforderungen sehen die Branchenvertreter auch positive Entwicklungen. Dörr berichtete, dass viele Handwerksbetriebe Robotik und KI als unterstützende Technologien wahrnehmen: „Da sagen die Leute, okay, das wird für uns eher ein unterstützendes Merkmal."
Dr. Dirr ging noch einen Schritt weiter und sprach von Automatisierung als „Pflicht und Kür des Handwerks": „Das Handwerk hat die Herausforderung, mit weniger Leuten, vielleicht auch mit weniger gut ausgebildeten Leuten umgehen zu müssen. Und sie hat gleichzeitig die Herausforderung, gegen eine Industrie als Wettbewerber bestehen zu müssen." Automatisierungslösungen böten hier eine „Riesenchance".
Netzwerke als Erfolgsfaktor
Alle Gesprächsteilnehmer betonten die Bedeutung von Netzwerken und Kooperationen wie die Messen. Dittrich unterstrich: „Gemeinsam geht man immer besser durch eine Krise oder durch schwere Zeiten." Die Messen böten eine Plattform für Austausch und neue Geschäftskontakte.
Besonders wertvoll seien dabei die ungeplanten Begegnungen, wie ein Teilnehmer anmerkte: „Es kommt immer anders und das ist das Schöne am Medium Messe. Man kann zwar planen, aber es gibt immer wertvolle Zufallsbegegnungen."
Dr. Dirr hob die besondere Bedeutung der deutschen Messelandschaft hervor: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Deutschland ohne unsere Messelandschaft nicht so erfolgreich werden im Maschinenbau und im Handwerk, wie wir es sind."
Innovation Award übertrifft Erwartungen
Laura-Alicia Garbarczyk
Am Tag des Dialoges fand auch die erste Jury-Sitzung des neuen Innovation Awards der Fensterbau Frontale statt. Waldemar Dörr als Jurymitglied zeigte sich überrascht: „Ich hätte vorher keine Wette drauf gegeben, dass so viele Einreichungen gekommen sind." Insgesamt 39 Einreichungen gingen ein, davon wurden 13 für die nächste Runde nominiert.
Sträßner ergänzte: „Alle Einreichungen werden auch nochmal bei uns auf der Fensterbaufrontale Stage ausgestellt, in Form von Coverboards." Die Verleihung findet am ersten Messeabend statt.
Ausblick: Robustes Handwerk mit Zukunftschancen
Trotz aller Herausforderungen zeigten sich die Branchenvertreter optimistisch. Dittrich fasste zusammen: „Das Handwerk generell ist einfach eine tolle Zielgruppe. Und ich bin immer wieder erstaunt, trotz Krise, wie robust das Handwerk ist."
Die verstärkte Kooperation zwischen verschiedenen Handwerkszweigen wurde als weitere positive Entwicklung hervorgehoben. Dörr berichtete von gemeinsamen Veranstaltungen mit benachbarten Gewerken wie Stuckateuren, die neue Synergien schaffen.
Mit ihren neuen Formaten, der starken Resonanz beim Innovation Award und dem klaren Fokus auf Networking und Technologietransfer positionieren sich beide Messen als wichtige Impulsgeber für eine Branche, die trotz schwieriger Zeiten ihren Innovationsgeist und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt.