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Zu Besuch im VILLUM Window Collection Centre

Lichtblicke aus der Vergangenheit

Durch die Ausstellung geführt haben mich gleich zwei Experten: Mads Kann-Rasmussen, Chair of the Board der VKR Holding und Enkel des Velux-Gründers Villum Kann-Rasmussen, sowie Troels Rasmussen, Head of Company History der VKR-Gruppe. Was dabei herauskam, ist nicht nur eine Museumsbesichtigung, sondern eben auch ein langes Fachgespräch zwischen Menschen, die beim Stadtbummel automatisch nach oben an die Fassaden schauen.

Vorweg: Diese Collection ist in ihrer Art absolut einmalig und sehenswert!

Der Mythos vom fließenden Glas

Gleich zu Beginn steht ein echtes römisches Trinkglas in der Vitrine. Und es ist grünlich. „Die Römer hatten keinen Zugang zu Mangan, sie konnten das Glas also nicht entfärben“, erklärt Troels Rasmussen. Eisenoxid im Rohstoff sorgt dann für den Grünstich. Das daneben gezeigte römische Fensterglas ist eine Kopie, aber die Farbe passt zum Original: durchscheinend, nicht durchsichtig. Licht kam rein, Aussicht gab es keine – man begreift sofort, was frühes Glas leisten sollte und was nicht.

Gezeigt wird auch die verkleinerte Kopie eines realen sehr alten Kirchenfensters. Interessant ist die Ökonomie dahinter: Beim sogenannten „Kronglas“ bzw. dem Zylinderblasverfahren wurden die Scheiben aus einer geblasenen Glasscheibe herausgeschnitten. Die Stücke waren nicht gleich viel wert – das hier gezeigte gehörte zu den günstigeren Zuschnitten, die teuersten stammten aus einem anderen Bereich der Scheibe. Und weil dieses Glas ungleichmäßig dick war, an einem Ende stärker als am anderen, hält sich bis heute hartnäckig die Erzählung, Glas sei eine Flüssigkeit und fließe über die Jahrhunderte nach unten. Ist es nicht. War es nie.

Licht als Gottesbeweis

Wir sind schließlich im schönsten Raum der Ausstellung angekommen. Hier hängt eine originalgetreue Kopie eines Panels aus der Pariser Sainte-Chapelle. Die Velux-Stiftungen hatten die Restaurierung der dortigen Verglasung unterstützt; anschließend fragte man bei den französischen Glasmachern nach einer Kopie und bekam sie. Gezeigt wird das Fenster mit seiner Wirkung: Sonnenlicht, gefiltert durch farbiges Glas, im Kirchenraum. „So kam man mit Gott in Verbindung.“

Das älteste Originalfenster des Hauses stammt von 1638 und kommt aus dem dänisch-deutschen Grenzraum. Dazu eine Beobachtung, die ich so noch nicht kannte: Es ist belegt, dass Fensterrahmen und Glas zu jener Zeit derart teuer waren, dass sie nicht selbstverständlich zum Haus gehörten. „Wollte der neue Eigentümer nicht genug zahlen, hat man die Rahmen ausgebaut und ins nächste Haus mitgenommen“, so Rasmussen. Ähnliches soll es in Deutschland und der Schweiz gegeben haben.

Verschiedene Fensterpositionen

Dann ein klassizistisches Fenster, Baujahr 1850er-Jahre – für die Stilepoche eigentlich schon spät dran. Es ist ein bemerkenswert gut gestaltetes Fenster: reichlich Licht, gleichmäßig verteilt, und trotzdem mit intimer Lichtstimmung. Das liegt an den Sprossen, die so profiliert sind, dass sie das Licht streuen. Ein Fenstertyp, der vom 18. bis ins 19. Jahrhundert prägend blieb.

Nebenbei ein Unterschied, über den man in Deutschland zu wenig nachdenkt: In Dänemark sitzt das Fenster außen bündig in der Fassade. In Deutschland liegt es in der Leibungsmitte, mit äußerer Fensterbank davor. Skandinavien und die Britischen Inseln machen es auf die eine Art, der Kontinent auf die andere.

Jacques Gruber und der Anruf von Le Figaro

Ein paar Schritte weiter steht eines der Stücke des Hauses, in die ich mich schockverliebt habe: Ein Jugendstilfenster aus Frankreich, wahrscheinlich aus Paris. Über die Herkunft weiß man wenig – über den Gestalter alles: Jacques Gruber, einer der berühmtesten Glaskünstler Frankreichs. „Zu unserem 75-jährigen Jubiläum war Le Figaro für ein Interview hier“, erzählt er. „Als die Journalisten das Fenster sahen, waren sie so beeindruckt, dass sie nur noch eines wissen wollten: Was habt ihr dafür bezahlt?“ Er nannte daraufhin eine Größenordnung – und die stand dann eben auch in der Zeitung. Die Folge kam prompt. Auf einmal meldeten sich reihenweise Personen, die dem Haus selbst ein Fenster andienen wollten. „Ich hatte die Summe wohl etwas zu deutlich erwähnt“, sagt Rasmussen und grinst.

Für die Fensterbranche relevant: In dieser Jugendstil-Epoche entstanden unzählige Oberlichter und Dachverglasungen. Handwerk, Einzelstücke. Die Industrialisierung des Dachfensters kam erst danach.

1942: Das Dachfenster wird demokratisiert

Der Übergang ins nächste Kapitel ist wörtlich zu nehmen – man hört ihn. Im Hintergrund läuft ein früher Velux-Radiospot von 1962, den Velux in Hamburg einsetzte. Und hier ist dann auch das erste Velux-Dachfenster von 1942 zu besichtigen. Troels Rasmussen ordnet ein: Es war nicht das erste Dachflächenfenster überhaupt. Aber das erste standardisierte, mit Blechverkleidung außen und Holz innen. „Das erste moderne Fenster für Wohnräume unter dem Dach.“ In Deutschland traf das nach dem Krieg auf einen Bedarf, den man kaum überschätzen kann. Ausbauen ist die günstigste Art zu bauen. Das richtige Produkt im richtigen Moment. Manche Architekten scheuten sich zwar noch unter dem Dach Wohnraum zu schaffen, die Erinnerung an die Bombennächte saß tief. Doch der Wohnungsbedarf war größer als die Bedenken, und binnen weniger Jahre verbreitete sich das Produkt rasend schnell. Der eigentliche Umbruch war aber ein sozialer. Kann-Rasmussen: „Vorher wohnten unter dem Dach die Armen und die Dienstboten. Es war vor allem dunkel unter dem Dach.“ Mit dem Velux-Fenster kam das Licht und so wurde aus dem Dachboden das elegante Penthouse, der Ort, an dem man wohnen will. „Das verändert die Struktur des ganzen Gebäudes.“

Vakuumglas für denkmalgeschützte Häuser

Und dann steht da ein Exponat, das gar nicht zur Dauerausstellung gehört und ganz neu ist. „Das Produkt haben wir erst diese Woche in Großbritannien eingeführt“, sagt Kann-Rasmussen. Speziell für listed buildings – denkmalgeschützte Gebäude. Mit Vakuumglas, „damit kommt man näher an das originale gusseiserne Fenster heran.“ Auf die Frage, ob das VIG auch für den „normalen Markt“ bei Senkrecht-Fenstern relevant werden könnte, bleibt Kann-Rasmussen skeptisch: Das größte Hindernis sei die Tatsache, dass VIG sich konstruktionsbedingt nur in begrenzten Abmessungen herstellen lässt. Der Markt will aber genau das Gegenteil – große Elemente.

Beim Dachfenster sei die Sache beherrschbarer – die Formate sind kleiner und standardisierter.

Allen, die geschäftlich oder privat in der Nähe von Kopenhagen sind, hier mein Tipp: Die Villum Window Collection ist ein „Must See“ auf jeder Bucket-List eines Fenster-Begeisterten.

Ein Museums-Rundgang von Daniel Mund

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