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Interview mit Lucia Masutti, GIMAV + Vitrum

Was macht die Casa GIMAV auf der glasstec?

GW: Wie sehen Sie den internationalen Markt für die italienische Glasmaschinenindustrie?

Masutti: Der internationale Markt befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Neben geopolitischen Unsicherheiten und steigendem Wettbewerbsdruck beobachten wir eine wachsende Nachfrage nach Innovation, Energieeffizienz und der Digitalisierung von Produktionsprozessen. Der Übergang hin zu nachhaltigeren und stärker automatisierten Industriemodellen ist inzwischen strukturell verankert. In diesem Kontext können sich italienische Hersteller auf ihre gewachsene technologische Kompetenz und ihre hohe Anpassungsfähigkeit stützen. Gleichzeitig halten wir es für wichtig, einen realistischen und aufmerksamen Ansatz zu verfolgen. Wir stehen in engem Austausch mit unseren Mitgliedsunternehmen, um deren Bedürfnisse und strategische Prioritäten auf den internationalen Märkten besser zu verstehen. Zukünftige Entscheidungen müssen auf einem strukturierten Dialog und einer klaren Abstimmung mit der Branche basieren.

GW: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Stärken der GIMAV-Mitglieder?

Masutti: Die von GIMAV vertretenen Unternehmen vereinen technologische Exzellenz, Innovationskraft und eine ausgeprägte Kundenorientierung. Besonders wettbewerbsfähig sind sie in den Bereichen Automatisierungsprozesse, Integration von Robotik sowie bei hochwertigen Lösungen für die Qualität des Endprodukts. Neben der Technologie bleibt Flexibilität ein entscheidender Differenzierungsfaktor: Die Fähigkeit, maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, unterscheidet italienische Hersteller von vielen internationalen Wettbewerbern. Als Verband sehen wir unsere Aufgabe darin, diese Stärken sichtbar zu machen und unsere Unternehmen konkret und mit Augenmaß auf ihrem internationalen Wachstumskurs zu unterstützen.

Vitrum 2025: Lucia Masutti im Gespräch mit GW Redakteur Matthias Rehberger

Matthias Rehberger / GW

Vitrum 2025: Lucia Masutti im Gespräch mit GW Redakteur Matthias Rehberger

GW: Welche Bedeutung hat die intensivierte Zusammenarbeit zwischen GIMAV und glasstec/Messe Düsseldorf für die Glasbranche?

Masutti: Der erneuerte Dialog zwischen GIMAV und der Messe Düsseldorf im Hinblick auf die glasstec stellt eine Chance dar, eine strukturierte Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse wieder aufzubauen. Die glasstec ist die weltweit führende Fachmesse unserer Branche und für italienische Unternehmen ein unverzichtbarer internationaler Termin. Daher ist es nur folgerichtig, auf eine starke und qualifizierte institutionelle Präsenz der italienischen Industrie in Düsseldorf hinzuarbeiten. Gleichzeitig verfolgen wir einen vorsichtigen und konstruktiven Ansatz. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen prüfen wir sorgfältig, wie diese Präsenz gestärkt und ob gemeinsame Projekte entwickelt werden können. In einem globalen Umfeld, das nach stärkerer europäischer Wettbewerbsfähigkeit verlangt, ist es wichtig, Kooperationsräume zu schaffen, die die gesamte Glasindustrie stärken – Überschneidungen vermeiden und Komplementarität fördern.

Der erneuerte Dialog zwischen GIMAV und der Messe Düsseldorf im Hinblick auf die glasstec stellt eine Chance dar, eine strukturierte Zusammenarbeit im gegenseitigen Interesse wieder aufzubauen.

Lucia Masutti

GIMAV

GW: Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit dieser gemeinsamen Initiative für die glasstec 2026?

Masutti: Für die glasstec 2026 ist es unser Ziel, eine institutionelle Präsentationsplattform des Verbandes zu schaffen, die Zugehörigkeit, strategische Positionierung und Sichtbarkeit der von uns vertretenen Unternehmen stärkt. Es handelt sich dabei nicht um eine symbolische Maßnahme, sondern um ein konkretes Instrument zur Unterstützung unserer Mitglieder. Auch hier arbeiten wir eng mit ihnen zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Präsenz ihren Erwartungen entspricht und mit den internationalen Marktdynamiken im Einklang steht.

GW: Die „Casa GIMAV“ wird der zentrale Treffpunkt auf der Messe sein. Welche Funktionen und Vorteile wird sie bieten?

Masutti:  „Casa GIMAV“ wird der institutionelle Stand von GIMAV sein und den Mehrwert einer koordinierten Präsenz der italienischen Industrie auf der Weltleitmesse verdeutlichen. Er dient als Networking-Plattform für Mitgliedsunternehmen und internationale Einkäufer, als Ort für institutionelle Treffen sowie als Raum zur Präsentation der GIMAV-Dienstleistungen und zur Vorschau auf das Verbandsprogramm 2027. Ziel ist es, unseren Unternehmen ein praktisches Unterstützungsinstrument an die Hand zu geben, hochwertige Kontakte zu fördern und eine klare Positionierung im internationalen Messeumfeld zu gewährleisten.

Gemeinsam mit unseren Unternehmen prüfen wir, wie wir die Positionierung der Vitrum sowohl hinsichtlich der Zielmärkte als auch der geografischen Schwerpunkte stärken können.

Lucia Masutti

GIMAV

GW: Sind weitere Kooperationsfelder mit der glasstec geplant?

Masutti: Unser Ansatz ist pragmatisch und schrittweise angelegt. Wir möchten einen stabilen Dialograhmen etablieren und gemeinsam mit unseren Unternehmen mögliche Initiativen prüfen, bei denen Synergien echten Mehrwert schaffen können. Wir sind überzeugt, dass große europäische Industrieplattformen in ausgewogener Weise zusammenarbeiten sollten, um die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Sektors zu stärken – unter Wahrung der jeweiligen Rolle und Identität.

Impression von der Vitrum 2025

Vitrum

Impression von der Vitrum 2025

GW: Sie stehen seit Sommer 2025 an der Spitze von GIMAV und Vitrum. Was hat sich verändert und welche strategischen Prioritäten setzen Sie?

Masutti: Seit der Übernahme der Leitung von GIMAV und Vitrum haben wir den Fokus darauf gelegt, die Rolle des Verbandes als strategischer Partner der Unternehmen zu stärken. Wir haben den Dialog mit den Mitgliedern intensiviert, die Unterstützung bei der Internationalisierung ausgebaut und die institutionellen Beziehungen gefestigt. Die vier Säulen unserer Strategie sind: globale Wettbewerbsfähigkeit, technologische Führungsrolle, Nachhaltigkeit sowie eine stärkere Integration zwischen Verband und Messeplattform. Jede strategische Entscheidung wird jedoch in enger Abstimmung mit unseren Unternehmen entwickelt. Der Verband muss sich im Einklang mit den realen Bedürfnissen der Branche weiterentwickeln.

GW: Welche Veränderungen planen Sie zur Stärkung der Organisation und der Messe Vitrum?

Masutti: Für die Vitrum arbeiten wir an einem Repositionierungsprozess, der sorgfältige Analyse und Abstimmung erfordert. Gemeinsam mit unseren Unternehmen prüfen wir, wie wir die Positionierung sowohl hinsichtlich der Zielmärkte als auch der geografischen Schwerpunkte stärken können. Ziel ist es, die strategisch wichtigsten internationalen Regionen zu identifizieren und Wege zu finden, diese wirksam anzusprechen. Gleichzeitig setzen wir auf ein harmonisches und komplementäres Verhältnis zu anderen Branchenmessen. Das internationale Messeökosystem sollte sich koordiniert weiterentwickeln – nicht in interner Konkurrenz. Vitrum muss ihre Rolle als wertorientierte Plattform für Unternehmen festigen, getragen von einer klaren und gemeinsamen Vision.

GW: Welche Regionen weltweit bieten derzeit das größte Wachstumspotenzial?

Masutti: Nordamerika bleibt ein dynamischer Markt, insbesondere im Bereich Architektur- und Hochleistungsglas. Der Nahe Osten verfügt weiterhin über erhebliche Investitionskapazitäten in Infrastruktur und Bauwesen, gestützt durch langfristige Industrie- und Entwicklungsprogramme. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass die aktuelle geopolitische Instabilität in der Region eine sorgfältige Beobachtung erfordert. In Phasen erhöhter Spannungen ist es unsere Aufgabe als Verband, Unternehmen bei der Risikobewertung, der Marktdifferenzierung und der strategischen Planung zu unterstützen, damit internationales Wachstum ausgewogen, resilient und nachhaltig bleibt. Südostasien und Indien zeigen deutliche Zeichen industrieller Expansion, getrieben durch Urbanisierung und Wachstum im verarbeitenden Gewerbe. Auch Afrika beobachten wir aufmerksam, da sich dort mittel- bis langfristig neue Chancen eröffnen könnten.

GW: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Italian Trade Agency für die internationale Expansion?

xxx: Die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Italian Trade Agency ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Internationalisierung erfordert koordinierte Maßnahmen – von Promotion über Marktanalysen und institutionelle Unterstützung bis hin zu strukturierten Einkäuferprogrammen.
Ein Verband allein kann die Wirkung nicht maximieren. Die Synergie zwischen Industriesystem und Institutionen ist ein strategischer Hebel, um die Präsenz Italiens auf den internationalen Märkten nachhaltig zu stärken.

Die Fragen stellte Matthias Rehberger