GW – Wie beurteilt Kuraray aktuell die Entwicklung des weltweiten Marktes für VSG?
Christoph Troska – 2025 wurden erstmals fast 100 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. Und mittlerweile werden neben der Windschutzscheibe, die immer als VSG ausgeführt ist, auch die Seiten- und die Dachscheiben vermehrt als VSG angeboten. Der Architekturbereich ist regional stark unterschiedlich. In Amerika wächst der Hurricane Markt weiter, EMEA hat in den vergangenen Jahren von der Baukonjunktur in Middle East profitiert, die durch den Iran Krieg spürbar ins Stocken geraten ist und in Asia Pacific herrscht ein unglaublicher Wettbewerbsdruck.
GW – Welche Veränderungen beobachten Sie bei den Anforderungen an VSG?
Troska – Kuraray entwickelt Produkte, die an die Bedürfnisse unserer Kunden angepasst sind. Ein Jumbohersteller hat z. B. andere Anforderungen als ein Mittelstandskunde, der ESG oder TVG laminiert. Für den Jumbohersteller ist die hohe Taktzeit relevant. Der Mittelstandskunde legt Wert auf eine hohe Haftung zum Glas, um das Risiko der Delamination zu reduzieren, einen niedrigen Gelbwert, um den Wünschen seiner Kunden gerecht zu werden. Und beide Gruppen schätzen unseren guten technischen Service
GW – Sie werden auf der glasstec neue Zwischenlagen vorstellen, welche sind das?
Tobias Deckstein – Unser SentryGlas Portfolio wird um zwei Produkte ergänzt. SentryGlas Acoustic kombiniert die strukturellen Eigenschaften von SentryGlas mit den akustischen Eigenschaften, die unsere Kunden von Trosifol SoundControl kennen. SentryGlas Grey ist ein in der Masse attraktiv durchgefärbtes SentryGlas. Im PVB Bereich stellen wir unser Trosifol SkyViera vor, das laminierten Panorama und Sonnendächern eine völlig neue Design- und Lichtfunktionalität verleiht, sowie unsere nachhaltigen Produkte Trosifol R3 Klasse A und Klasse B.
GW – Wie verändert sich die Nachfrage nach funktionalen Zwischenschichten, z. B. für Schallschutz
Troska – Im Architekturbereich ist Europa die fortschrittlichste Region hinsichtlich Schallschutz. Hier werden bereits 10-12 % der VSG Scheiben mit einem akustischen PVB ausgestattet. In den anderen Regionen liegt hier noch ordentlich Potential. Im Automobilbereich ist die Akustik Windschutzscheibe fast ein Standardprodukt. Die Sonderprodukte sind hier Head Up Display Anwendungen, bei der keilförmige PVB Folien verwendet werden, damit man in der Projektion in der Windschutzscheibe kein Doppelbild betrachten muss.
GW – Wie wichtig für Sie die Nachhaltigkeit?
Deckstein – Nachhaltigkeit ist für uns ein Megatrend, den wir früh erkannt haben. Auch wenn andere Branchen weiter sind, bekommen wir vermehrt Fragen aus dem Markt nach den CO2 Werten für unsere Produkte. Um diesen gerecht zu werden, haben wir ein CO2 Klassifizierungsschema – ähnlich dem Nutriscore – für unsere Interlayer eingeführt, Auf unserer homepage und in unseren Broschüren, kann man sehr einfach den Wert für die verschiedenen Produkte ablesen. Ein Klasse A Produkt hat einen Wert von weniger als 2 kg CO2 eq, Klasse B weniger als 3 kg CO2 eq. Für die meisten unserer Produkte sind LCA-Werte verfügbar, für unsere Spitzenprodukte sind sogar EPDs vorhanden. Alle von uns veröffentlichten Daten werden extern und unabhängig zertifiziert. Wir wollen damit den Glasverarbeitern die Möglichkeit geben, den Nachhaltigkeitsgedanken in Ihrer Kaufentscheidung zu berücksichtigen.
GW – Welche weiteren Entwicklungen bei Glas und Zwischenlagen werden aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren besonders relevant?
Troska – Gewicht wird ein Thema sein. Hier helfen Strukturelle Interlayer wie SentryGlas oder Trosifol ES Pro durch den Kopplungseffekt. Und natürlich Nachhaltigkeit. Der Markt wird nach Produkten mit geringeren CO2 Werten verlangen.
GW – Wie unterstützen Sie ihre Verarbeiter?
Troska – Wir haben verschiedene Kalkulatoren wie WinSLT, StrengthLab AI und SoundLab AI. Neu ist unser Genius Mode – das läuft mit künstlicher Intelligenz. Ich kann dem System sagen: Optimiere mir eine VSG-Scheibe für beste Schallschutz-Performance, zweitwichtig ist mir Nachhaltigkeit. Dann erhalte ich die passende Lösung. Das macht die Planung viel einfacher. Sowohl Verarbeiter als auch Planer arbeiten damit.
GW – Wo sehen Sie bei diesen digitalen Tools den größten praktischen Nutzen für Verarbeiter?
Deckstein – Der Genius Mode ist seit Kurzem verfügbar und wird gut angenommen, da er nach Vorgaben, wie z. B. Schallschutz, die Eigenschaften einer VSG-Scheibe nach Schallschutz-Performance und gleichzeitig auch nach Nachhaltigkeit optimieren kann. Oder umgekehrt: beste Nachhaltigkeit, mittelmäßige Akustik. Das macht das Leben leichter für Verarbeiter und Planer.
Die Fragen stellte Matthias Rehberger
Foto: Kuraray