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TU Delft: Buckylab

So lässt sich sommerlicher Wärmeschutz mit Gestaltung verbinden?

Bei modularen Gebäuden sind vor allem Dachflächen und die oberen Geschosse im Sommer einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Genau hier setzt das Projekt „Sunlit Shade“ an, das im Bucky Lab der TU Delft gemeinsam mit dem niederländischen COA entwickelt wurde.

Das Projekt Team von „Sunlit Shade“ am Bucky Lab der TU Delft (NL)

facadeworld.con / marcel bilow

Das Projekt Team von „Sunlit Shade“ am Bucky Lab der TU Delft (NL)

Die Studierenden betrachten Dach und Fassade dabei nicht getrennt. Eine leichte Konstruktion wird auf dem Dach montiert und über die Gebäudekante hinausgeführt. So entsteht entlang der Fassaden ein weit auskragendes Vordach.

Leichte Aluminiumrahmen tragen gelbe, gespannte textile Verschattungselemente. Diese reduzieren die direkte Sonneneinstrahlung, bevor sie auf die Gebäudehülle trifft. Gleichzeitig bleibt das Material lichtdurchlässig. Die Räume sollen dadurch nicht vollständig abgedunkelt werden, sondern weiterhin von gefiltertem Tageslicht profitieren.

Die gelbe Bespannung verändert zugleich die Lichtwirkung im Innenraum. Statt einer rein technischen Verschattung entsteht eine bewusst gestaltete Lösung, die dem Licht einen wärmeren Charakter verleiht.

facadeworld.con / marcel bilow

Die Idee des Projekt-Teams 

Das Team: Rosa Demmers, Ilja Mulder, Jesse Sturrus, Mats van Veen und Esther Waegemaekers. Betreuung: Marcel Bilow, Nadia Remmerswaal, Ate Snijder und Govert Flint

Verschattung: Das textile Dach hält direkte Sonneneinstrahlung bereits vor der Gebäudehülle ab und soll damit insbesondere Dach und obere Geschosse entlasten.

Modularität: Aluminiumrahmen und textile Elemente bilden ein System, das sich an unterschiedliche Längen und Konfigurationen der Modulgebäude anpassen lässt.

Tageslicht: Die Bespannung verschattet, ohne die Räume vollständig abzudunkeln. Gefiltertes Tageslicht gelangt weiterhin ins Gebäude.

facadeworld.con / marcel bilow

Gestaltung: Die gelben Elemente machen aus dem technischen Sonnenschutz ein weithin sichtbares architektonisches Gestaltungselement.

Modulares System für modulare Gebäude

Ein wichtiger Aspekt des Entwurfs ist die Anpassungsfähigkeit. Die Konstruktion besteht aus einzelnen Modulen, die auf der vorhandenen Dachstruktur montiert und an unterschiedliche Gebäudelängen und Konfigurationen angepasst werden können.

Damit greift das Konzept die repetitive Bauweise der modularen Unterkünfte auf. Das Verschattungssystem kann entsprechend der jeweiligen Gebäudestruktur erweitert oder angepasst werden.

Die Konstruktion reicht teilweise über die Fassaden hinaus bis in die angrenzenden Hofbereiche. Dadurch übernimmt sie neben dem Sonnenschutz eine weitere Funktion: Es entstehen stärker geschützte Außenbereiche, die den Bewohnern zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten bieten können.

facadeworld.con / marcel bilow

Auch gestalterisch setzt das Projekt einen deutlichen Akzent. Die kräftige gelbe Farbe bildet einen bewussten Kontrast zu den ansonsten eher zurückhaltenden und gleichförmigen Modulgebäuden. Der Sonnenschutz wird damit nicht versteckt, sondern als architektonisches Element sichtbar gemacht.

„Sunlit Shade“ zeigt damit, wie sich Maßnahmen zur Anpassung an steigende sommerliche Temperaturen mit Fragen der Gestaltung und Aufenthaltsqualität verbinden lassen.

„Sunlit Shade“ ist Projekt 3 von insgesamt 16 Projekten der Reihe BuckyLab × COA.

Das Bucky Lab, wo Fassadenideen zu Prototypen werden

Das Bucky Lab ist an der Fakultät „Architecture and the Built Environment“ der TU Delft angesiedelt und wird von Dr.-Ing. Marcel Bilow geleitet. Bilow beschäftigt sich in Lehre und Forschung insbesondere mit Fassaden, experimentellem Prototyping, Produktionstechniken, Verbindungen und dem Einsatz von Materialien. Die TU Delft beschreibt das Bucky Lab als praxisorientierten Ansatz, bei dem Studierende ihre Entwürfe konstruktiv weiterentwickeln und tatsächlich bauen.

facadeworld.con / marcel bilow

Marcel Bilow arbeitet dabei eng mit Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack zusammen. Knaack ist Professor für „Design of Construction“ an der TU Delft und Professor für Fassadentechnologie an der TU Darmstadt. An der TU Delft entwickelte er die Façade Research Group. Gemeinsam beschäftigen sich Knaack und Bilow seit vielen Jahren mit Fassadenkonstruktion und Fassadenentwicklung und vermitteln dieses Wissen auch gemeinsam in der Lehre. 

Der Name Bucky Lab geht auf den amerikanischen Konstrukteur und Erfinder Richard Buckminster Fuller zurück. Sein experimenteller Umgang mit Konstruktion und Produktionstechniken diente als Inspiration für den Ansatz des Labors. Die Studierenden sollen dabei nicht nur Ideen entwickeln, sondern diese bis zum realen Prototyp weiterführen. 

TU Delft – Lehrstuhl Fassade / Façade Design and Engineering:
Façade Design and Engineering: Complexity Made Simple – mit Ulrich Knaack und Marcel Bilow
https://learningforlife.tudelft.nl/facade-design-and-engineering-complexity-made-simple/

TU Delft – Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack / Design of Construction:

facadeworld.con / marcel bilow