Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Eckelt Glas | systron

Warum ist die Randentschichtung bei Isoliergläsern so wichtig?

Die Randentschichtung wird mit der zunehmenden Nachfrage auf magnetrongesputterten Beschichtungen auf Fassaden- und Isolierglas immer wichtiger. Die meist mehrlagig aufgebauten Funktionsschichten verbessern die energetischen Eigenschaften des Glases erheblich, stellen jedoch gleichzeitig erhöhte Anforderungen an die Weiterverarbeitung.

In vielen Anwendungen – insbesondere im Isolierglasbereich – ist es erforderlich, die Beschichtung im Randbereich gezielt zu entfernen. Dies dient der Sicherstellung einer dauerhaft geeigneten Haftfläche für Dichtstoffe, der Langzeitstabilität des Randverbunds sowie konstruktiven oder optischen Anforderungen bei sichtbaren Glaskanten.

Hintergrund: Magnetronbeschichtungen werden im PVD-Verfahren (Physical Vapor Deposition) mittels Magnetron-Sputtern auf das Floatglas aufgebracht und bestehen aus mehreren Funktionslagen, häufig mit einer oder mehreren Silberlagen als Kern.

Eckelt Glas Betriebsleiter Florian Temper

Systron

Eckelt Glas Betriebsleiter Florian Temper

Diese leistungsfähigen „Soft-Coat“-Schichten ermöglichen hohe energetische Kennwerte, sind jedoch empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung und Feuchtigkeitseinwirkung. Zudem sind sie im Randbereich grundsätzlich nicht als definierter Haftgrund für Primär- oder Sekundärdichtstoffe ausgelegt. Um bei der ISO-Fertigung den Randverbund solcher Gläser optimal vorzubereiten, werden die Beschichtungen am Rand des Glases entfernt.

Warum eigentlich Randentschichtung?

 „Ohne Entschichtung besteht grundsätzlich die Gefahr von Haftungsproblem zwischen der beschichteten Glasscheibe und Dichtstoffen wie Butyl, Silikon, Polysulfid oder Polyurethan.“ so Florian Temper, Betriebsleiter bei Eckelt Glas.

Ergänzend zur Dichtstoffhaftung spielt die Randentschichtung für die Dauerhaftigkeit des Randverbunds eine wesentliche Rolle. Florian Temper ergänzt: „Wird die Beschichtung im Randbereich nicht entfernt, ist in Abhängigkeit des verwendeten Beschichtungssystems eine Unterwanderung des Schichtaufbaus möglich. In weiterer Folge kann dies die Langzeitstabilität des Randverbunds beeinträchtigen, etwa durch Korrosion der Funktionsschichten oder einer reduzierten Haftfestigkeit.

Randentschichtung mit dem systron proMD Bearbeitungszentrum.

Systron

Randentschichtung mit dem systron proMD Bearbeitungszentrum.

Darüber hinaus kann die Randentschichtung auch ästhetische Gründe haben, etwa bei Stufen-Isolierglas an Gebäudeecken. Bei Eckelt Projekten werden Randbereiche bevorzugt eingefärbt oder mit farbigem Silikon versehen, um ein sauberes Erscheinungsbild zu erzielen.

Um die Randzone gegenüber Feuchteeintrag zu stabilisieren und eine dauerhafte Verbundqualität sicherzustellen, werden bei definierten Laminierkonfigurationen und Beschichtungssystemen bei Eckelt auch Verbundsicherheitsgläser randentschichtet.“

Wo liegen die Herausforderungen bei der Entschichtung?

Die erforderliche Entschichtungsbreite orientiert sich in der Regel an der Geometrie der Primärabdichtung des Isolierglases. In der Praxis liegt sie meist zwischen 10 und 12 mm, kann jedoch – insbesondere bei Structural-Sealing-Applikationen (SG) oder rahmenlosen Glasfassaden – kundenspezifisch vorgegeben werden.

Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich aus der großen Bandbreite an Beschichtungen am Markt. Unterschiedliche Schichtaufbauten sowie Schutzsysteme wie EasyPro- oder TPF-Folien erfordern eine präzise Anpassung der Bearbeitungsparameter.

Glasspezialist Florian Temper betont dabei einen oft unterschätzten Aspekt: „Wichtig ist, die Haftung zwischen entschichteter Zone und Dichtstoff systembezogen zu prüfen. Bestimmte gebundene Harze im Werkzeug können Rückstände hinterlassen – das kann kontraproduktiv sein und im ungünstigen Fall zu reduzierter Haftfestigkeit führen.“

Krzysztof Harasimowicz Geschäftsführer von Bojar Glass.

Systron

Krzysztof Harasimowicz Geschäftsführer von Bojar Glass.

So lassen sich Gläser effizient entschichten

Wie die Randentschichtung konkret auf einer systron Anlage umgesetzt wird, kann das Glasunternehmen Bojar Glass aus Polen berichten. Der Glasbetrieb arbeitet mit dem systron 3527proHD Bearbeitungszentrum und hat die Option Randentschichtung kürzlich an seiner bestehenden Anlage nachgerüstet. Die Integration der Randentschichtungs-Option erfolgte aus konkreten anwendungstechnischen Anforderungen, wie Geschäftsführer Krzysztof Harasimowicz erläutert: „Wir haben die Randentschichtung kürzlich an unserer systron 3527proHD implementiert. Die Funktion arbeitet sehr zuverlässig und erfüllt unsere Erwartungen im täglichen Produktionsbetrieb.“

Der Hauptgrund für die Investition lag in der Vorbereitung von Isolierglaseinheiten mit Ausschnitten für Türgriffkassetten und Rotulen in Aufzugsschächten: „In diesen Anwendungen ist es zwingend erforderlich, die Low-E-Beschichtung zu entfernen, um eine dauerhaft dichte Verbindung zwischen Butyl und Glas sicherzustellen.“

Tests und Materialfreigaben aus der Praxis

Ergänzend zu den Kundenerfahrungen wurden bei Bojar Glass erfolgreiche Tests mit unterschiedlichen Glastypen durchgeführt, unter anderem mit SGG Cool-Lite SKN 165 II und SGG CCool-Lite SKN 154 II EP (beide 6 mm Floatglas) sowie mit Pilkington XIV II (6 mm Float) und Guardian SunGuard eXtraSelective SNX 60 (6mm Float).

Die Ergebnisse zeigten, dass eine prozesssichere Randentschichtung bei korrekt abgestimmten Parametern auch bei anspruchsvollen Beschichtungen reproduzierbar möglich ist.