Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

25 Jahre Fenster-Türen-Treff: Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Kommunikationsexpertin Elke Rock sorgte beim 25. Fenster-Türen-Treff mit der 7-38-55-Regel für Aufmerksamkeit: 55 % der Kommunikationswirkung entfallen auf die Körpersprache, 38 % auf die Stimme und nur 7 % auf den Inhalt. „Bevor ihr überhaupt ein Wort gesprochen habt, ist vollkommen klar, wie kompetent ihr seid, wie sicher ihr auftretet, wie vertrauensvoll ihr wirkt", erklärte die Expertin den Kongressteilnehmern.

Rock unterstrich ihre Botschaft mit einem Zitat von Arnold Schwarzenegger: „Man kann das beste Schiff der Welt haben, aber wenn der Kapitän nicht weiß, wohin er will, wird er nur herumtreiben und niemals ankommen." Praktische Tipps rundeten den Vortrag ab: bewusste Gestik, sichtbare Handflächen als Zeichen der Offenheit und die richtige Körperhaltung. „Der Abstand zwischen deinem Ohrläppchen und deinem Schulterblatt – je mehr Abstand da drin ist, desto mächtiger, dominanter wirkst du auf dein Gegenüber."

25 Jahre Erfolgsgeschichte: Was in Erinnerung bleibt

Daniel Mund / GW

Ein emotionaler Höhepunkt war die Würdigung von Peter Schober, dem Initiator des Fenster-Türen-Treffs. Über zwei Jahrzehnte hatte er die Veranstaltung geprägt und von anfangs 100 auf heute teilweise über 300 Teilnehmer ausgebaut. „Jeder Fest hat seine Highlights gehabt", erinnerte sich Schober an 25 Jahre Veranstaltungsgeschichte. Besonders in Erinnerung blieb ihm der Profiler Thomas Müller vom Bundeskriminalamt, der den Briefbombenattentäter Fuchs überführt hatte: „Der Bursche ist auf der Bühne gestanden und hat die Leute gefesselt von der ersten Sekunde weg."

Einbruchsforschung: Täter meiden Konfrontation

Patricia Rosenauer vom Kuratorium für Verkehrssicherheit präsentierte überraschende Erkenntnisse aus ihrer Studie mit 42 inhaftierten Einbrechern: „Die meisten Täter vermeiden bewusst die Konfrontation mit Bewohnern. Anwesenheit führt fast immer zum sofortigen Abbruch." Die Forscherin unterschied drei Tätertypen: Gelegenheitseinbrecher in sozialer Notlage, Beziehungstäter mit persönlichen Motiven und professionelle Täter, die systematisch vorgehen. „Kein Täter formuliert das, aber ich suche mir das einfachste Ziel", fasste Rosenauer zusammen.

Schadensfälle: Eisbildung durch mangelnden Anpressdruck

Am zweiten Kongresstag analysierten Karin Hauer und Martin Wieser von der Holzforschung Austria typische Schadensfälle.

Daniel Mund / GW

Am zweiten Kongresstag analysierten Karin Hauer und Martin Wieser von der Holzforschung Austria typische Schadensfälle.

Am zweiten Kongresstag analysierten Karin Hauer und Martin Wieser von der Holzforschung Austria typische Schadensfälle. Ein eindrucksvolles Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit neuen Holzfenstern nach thermischer Sanierung. Während im Erdgeschoss alles funktionierte, kam es im obersten Geschoss bei kalten Temperaturen zu massiver Eisbildung an der Regenschutzschiene.

Die Ursache lag nicht am Fenster selbst, sondern an mangelnder Dichtigkeit der Mitteldichtung bei den sichtbaren Beschlägen. „Mit einem Plättchenpapier lässt sich der Anpressdruck der Dichtungen gut prüfen", erklärte Wieser. „Während die Überschlagdichtung einwandfrei funktionierte, war der Anpressdruck der Mitteldichtung unten viel zu gering."

Ein weiterer Fall verdeutlichte Koordinationsprobleme zwischen Gewerken: Nach dem Betonieren eines Estrichs entstanden an beschichteten Holz-Aluminium-Fenstern massive Verfärbungen. Das Estrich-Gewerk empfahl vier Tage nicht zu lüften, während Beschichtungshersteller sofortiges Ablüften forderten. Die Lösung: „Man darf lüften, muss aber Zugluft vermeiden", betonte Wieser. Gekippte Fenster sind erlaubt, Durchzug jedoch unbedingt zu vermeiden.

Kastenfenster: 2,5 Millionen Einheiten allein in Österreich

Roman Meixner von der Holzforschung unterstrich die Relevanz der Kastenfenstersanierung mit beeindruckenden Zahlen: „Österreichweit finden wir schätzungsweise zweieinhalb Millionen Kastenfenster, europaweit dürften es bis zu 15 Millionen sein." Oft werden diese bewährten Systeme gegen moderne Isolierglasfenster ausgetauscht, obwohl eine fachgerechte Sanierung sowohl aus technischer als auch aus ressourcentechnischer Sicht oft die bessere Lösung wäre.

Die Forschungsergebnisse aus dem Projekt „ErKA - Ertüchtigung von Kastenfenstern" zeigen, welche Maßnahmen aus der Praxis welchen Einfluss auf Luftdichtheit, Kondensatbewertung und Schallschutz haben.

Weitere Fachvorträge: Von Normen bis EU-Gesetzgebung

Sachverständiger Herbert Tschirk warnte vor der zunehmenden Komplexität der Normenlandschaft: „Wir haben 1961 ungefähr 200 Normen gehabt. Heute haben wir 3.000 bis 5.000." Seine Botschaft: „Das Zeug muss einfach funktionieren. Und die Normen präzisieren das nur."

Bernd Elias von der Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme referierte über Stolpersteine bei der Kunststofffenster-Fertigung, insbesondere bei durchgängiger Gütesicherung mit CE-Kennzeichnung.

Frank Koos, Generalsekretär bei EuroWindoor, zeigte Herausforderungen für Fenster und Türen im Kontext der geplanten Europäischen Gesetzgebung auf. Die verpflichtende Anwendung neuer Regelungen ab etwa 2030 könnte bei entsprechender Adaptierung auch Chancen eröffnen.

Die Plattform Fenster Österreich rundete das Programm ab. Manfred Gaulhofer betonte die Besonderheit des Verbunds: „Obwohl die beteiligten Firmen einen permanenten, harten Wettbewerb haben, haben wir erkannt, dass es Dinge gibt, die man gemeinsam tun sollte."

Chefredakteur Daniel Mund
Eine tolle Veranstaltung zum runden Jubiläum: Der Fenster-Türen-Treff hat sich in 25 Jahren zu einem der wichtigsten Branchentreffs entwickelt. Bei schönstem Jubiläumswetter konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur über Fachthemen austauschen. Im traditionellen Zistelstadl widmeten sich die Gäste beim gemütlichen Abendessen ihren Netzwerken und weiteren interessanten Themen.Was mir am Fenster-Türen-Treff immer besonders gefallen hat, ist das besondere Vortragsprogramm: Ganz konkrete Praxisthemen treffen auf überraschende Impulse aus anderen Bereichen – von Kommunikationsexpertise über Einbruchsforschung bis hin zu Profiler-Geschichten. Diese Mischung macht die Veranstaltung einzigartig und sorgt dafür, dass man nicht nur fachlich, sondern auch persönlich bereichert nach Hause fährt. Auf die nächsten 25 Jahre!