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Interview mit Lubomír Boháč und Fekke van Dijk

Exklusive Einblicke zur VBH-Insolvenz

Einblicke und zentrale Aussagen aus dem Interview:

GW: Herr Boháč, Sie sind seit April 2025 CEO der VBH-Gruppe. War Ihnen zu diesem Zeitpunkt bewusst, wie kritisch die Lage bei VBH Deutschland war?

Lubomír Boháč ist seit April 2025 Geschäftsführer der VBH Holding.

Daniel Mund / GW

Lubomír Boháč ist seit April 2025 Geschäftsführer der VBH Holding.

Lubomír Boháč: „Ehrlich gesagt, nein. Als ich das Angebot bekommen habe, die Aufgabe zu übernehmen, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Die Erkenntnis, wie schwierig die Lage wirklich ist, habe ich erst nach meinem Start erlangt.“

GW: Herr van Dijk, wie haben Sie die Krise wahrgenommen, als Sie zur VBH kamen?

Fekke van Dijk: „Die VBH Deutschland ist schon seit 20 Jahren in schwierigem Fahrwasser, das hat jeder Insider des Marktes gewusst. Aber weil die VBH-Gruppe immer hinter der VBH Deutschland stand und die Finanzierung sicherstellte, hat auch keiner damit gerechnet, dass das passiert, was jetzt passiert ist.“

Fekke van Dijk ist seit 2024 Geschäftsführer der VBH Deutschland gewesen.

Daniel Mund / GW

Fekke van Dijk ist seit 2024 Geschäftsführer der VBH Deutschland gewesen.

GW: Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptursachen für die Krise?

van Dijk: „Wir haben mehrere Kernthemen gefunden: Das Pricing war ein riesiges Problem. Es gab Vereinbarungen mit Kunden, die unverändert seit Jahren liefen. Das Thema Sortimentsbereinigung – unser Sortiment wurde selten bereinigt. Und die vertriebliche Ausrichtung war nicht einheitlich. Dies gepaart mit fehlender Stringenz in der Umsetzung der Maßnahmen, führte zu einer Kumulation der Probleme.“

GW: Fehlte es auch an Branchenkenntnissen in der Führung?

van Dijk: „Von meinen Vorgängern gab es viele, die nicht aus der Branche kamen. Die waren bestimmt sehr gute Manager, aber wenn Sie das Geschäft nicht verstehen und nicht wissen, wer Ihr Mitbewerber ist oder welche Kunden bei welchem Lieferanten kaufen – wenn Sie diese Verbindungen nicht kennen, macht das die Sache schon sehr schwierig.  Gleichzeitig gab es – wie in jedem Turnaround – immer Gründe, warum etwas nicht geht und man besser den ein oder anderen Euro einspart, statt ihn für die Entwicklung des Marktes auszugeben. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer – aber mehr Stringenz in der Umsetzung der Restrukturierung hätte dem Unternehmen gutgetan.“

GW: Wie haben Sie die Mitarbeitenden in dieser schwierigen Phase motiviert?

van Dijk: „Ich habe ihnen gesagt: ‚Wenn ihr in fünf Jahren zurückblickt auf euren Lebenslauf, dann werdet ihr es wahrscheinlich bereuen, wenn wir das nicht vernünftig über die Bühne bringen.‘ Und es funktioniert – wir sind jetzt sehr weit in der Abverkaufsphase der Vorräte, und es gibt fast keine Krankmeldungen.“

GW: Gab es Auswirkungen auf die internationalen Geschäftsbereiche der VBH-Gruppe?

Boháč : „Das war nach der Bekanntgabe unsere ganz wichtige Aufgabe. VBH Deutschland steht für rund ein Drittel des Umsatzes der VBH-Gruppe, zwei Drittel werden im Ausland generiert. Wir waren die ersten Wochen damit beschäftigt, die Lieferanten zu überzeugen, dass es keine Auswirkungen auf das Ausland hat.“

Leere Regale: Der Abverkauf der VBH-Restebestände hat dank des Einsatzes der Belegschaft sehr gut funktioniert.

Fekke van Dijk

Leere Regale: Der Abverkauf der VBH-Restebestände hat dank des Einsatzes der Belegschaft sehr gut funktioniert.

GW: Können Sie aus der Sicht der Holding mit Sitz hier in Korntal-Münchingen ausschließen, dass die VBH Deutschland je wieder aktiv wird?

Boháč: „Ausschließen kann ich das nicht. In einer Zukunft könnte ich mir das wieder vorstellen, aber in welcher Form und wie – das steht absolut in den Sternen. Wir haben jetzt alle kompetenten Mitarbeiter hier verloren. Das Deutschlandgeschäft organisch wieder aufzubauen, dazu braucht es fachlich gute, unternehmerische und vertrauensvolle Führungskräfte.  Oder eben die Chance, anorganisch zu wachsen, wenn es einmal etwas zu kaufen gäbe. Aber wir müssen zuerst unsere heutigen Aufgaben abschließen.“

GW: Herr van Dijk, was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

van Dijk: Es geht jetzt um die vielen fleißigen Mitarbeiter hier in der VBH. Jeder weiß, dass die Insolvenz nicht meine Schuld ist, aber es ist meine persönliche Ambition, das jetzt so gut und professionell wie möglich zu Ende zu bringen. Der Kapitän geht als Letzter vom Schiff. Und mit dieser zusätzlichen Erfahrung ausgestattet, freue ich mich auf neue Aufgaben und ggf. auch Beratungsmandate. Ich denke, dass davon Unternehmen profitieren können.

Boháč: Fekke fährt die ganze Zeit Vollgas. Es ist bemerkenswert, wie viel Energie er ausstrahlt. Man kann diese schwierige Aufgabe angehen oder sich heimlich verdrücken, Fekke hält sein Wort. Ich bin froh, dass wir ihn ­haben.

Chefredakteur Daniel Mund
Lesen Sie das vollständige Interview, einschließlich weiterer Einblicke – wie der Rolle der Akquisitionen bei der Entstehung von VBH und Perspektiven für die Zukunft – in der ersten GW-Jahresausgabe am 29. Januar 2026!