Die Zahlen sprechen für sich: Mit 200 Teilnehmenden sind noch nie zuvor so viele bei den Fenstertagen dabeigewesen. Geschäftsführer Konrad Fritz führte durch einen fulminanten Kongresstag in den Veranstaltungsräumen der Ostbayernhalle in Rieden. Die Mehrzweckhalle ist dem Gut Matheshof angegliedert, Europas größtem Pferdesport- und Turnierzentrum. Und Fritz konnte gleich gute Bilanzen verkünden: Schließlich beschäftigt die Ammon Gruppe heute 700 Mitarbeiter und erwirtschaftet ein Gesamtvolumen von 230 Mio. Euro.
Doch hinter diesen nüchternen Zahlen steht auch eine Geschichte: Als am 2. April 2025 die Nachricht von der VBH-Insolvenz das Unternehmen erreichte, begann ein „wilder Ritt durch das Jahr“, wie es Dieter Ammon rückblickend beschrieb: Binnen weniger Monate wuchs die Ammon Gruppe um 30 Prozent – eine Herausforderung, die nicht nur logistisch, sondern vor allem menschlich gemeistert werden musste. „50 Familien konnten wir auffangen, die jetzt eine neue Heimat haben. Darauf bin ich stolz“, betonte Dieter Ammon sichtlich bewegt.
Klaus Ammon, ebenfalls Geschäftsführer und verantwortlich für die Logistik schilderte die dramatischen Wochen mit einem Augenzwinkern: „Lastwagen bringen uns Ware, Ware, Ware. Wir wussten nicht, wo wir das alles hinräumen sollten.“ Die Unternehmenszahlen verdeutlichen die Dimension: Es gibt 8 Partnerfirmen und 13 Lagerstandorte. Jährlich gehen 1,5 Mio. Anrufe ein, 5000 Pakete werden täglich verschickt, 55 LKW sind unterwegs. Ammon bevorratet 600 000 bestellbare Artikel und bewirtschaftet 34 000 m².
VFF-Präsident Helmut Meeth: Schonungslose Branchenanalyse
Als Ehrengast sprach VFF-Präsident Helmut Meeth deutliche Worte zur aktuellen Branchenlage. Seine Analyse: „Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran beeinträchtigen und verteuern unsere Energieversorgung erheblich.“ Besonders bei den Materialpreisen zeichnete Meeth ein düsteres Bild. Außerdem: Die Hoffnungen auf eine Ankurbelung durch Infrastrukturprogramme hätten sich „nach den Entwicklungen der letzten Zeit deutlich eingetrübt“, jetzt komme es darauf an, das Pflänzchen neuer Zuversicht nicht wieder durch politische Unsicherheiten zu beschädigen.“ Mit seinem kämpferischen Appell „Lassen Sie uns gemeinsam die Herausforderungen angehen“ und seinem Motto „ohne uns geht nichts, wo wir sind ist vorne“ schloss er seine Keynote.
3E Datentechnik: So klappt es mit der Digitalisierung
Einen bemerkenswerten Vortrag hielt Moritz Ebert von 3E Datentechnik, der mit schonungsloser Ehrlichkeit über das Scheitern von IT-Projekten aufklärte. Seine Statistik war ernüchternd: Nur 0,5 Prozent aller großen IT-rojekte laufen pünktlich ab, bleiben im Budget und erfüllen die inhaltlichen Erwartungen. Mit einer provokanten These brachte er die Realität vieler Unternehmen auf den Punkt: „Die meisten Unternehmen sind nicht gut organisiert, sie sind gut gerettet.“ Diese Abhängigkeit vom „Gerettet-werden“ sei normal, verhindere aber, dass Unternehmen ihr volles Potenzial ausschöpfen könnten. Seine zentrale Botschaft: „Digitalisierung ist kein IT-Thema“, sondern ein Menschen-Thema. Erfolgreiche IT-Projekte bräuchten drei Elemente: eine gute Arbeitsumgebung mit schneller Entscheidungsfindung, ein kompetentes Team mit den nötigen Befugnissen und einen „Sponsor“ – eine Führungskraft, die dem Projektteam den Rücken freihält.
Niehues: LinkedIn als Gamechanger
Personalberaterin Fabiénne Niehues zeigte in ihrem Beitrag auf, wie sich die digitale Transformation auch in der Fensterbranche niederschlägt. Ihre Analyse überraschte: Allein mit den Keywords „Geschäftsführer Fensterbau“ finden sich bei LinkedIn über 12 400 potenzielle Kontakte in der DACH-Region. „Montageleiter und Meister“ bringen fast 6000 Profile hervor – Tendenz steigend. „Wir werden in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr Google fragen, wenn ich einen Fensterbauer suche“, prognostizierte sie. 72 Prozent der Mitarbeiter im Bereich Monteur und Meister seien „passiv offen für Jobangebote“. Statt Stellenanzeigen zu schalten und zu warten, empfahl sie „Active Sourcing“: Erst für Sichtbarkeit sorgen, dann gezielt die gewünschten Kandidaten ansprechen. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern lieferte Sie praktische Tipps für den Aufbau eines eigenen LinkedIn-Profils (siehe Kastentext).
KI verändert alles
Den Abschluss bildete Florian Arndt, der als „KI-Papst“ und Infotainment-Speaker die Teilnehmer mit seinem Vortrag „20 KIs, die deinen Beruf revolutionieren“ begeisterte.
Arndt zeigte konkret auf, wie Künstliche Intelligenz bereits heute Arbeitsprozesse in der Fensterbranche verändern kann.
Von der automatisierten Aufmaßerstellung über intelligente Kalkulationssysteme bis hin zur vorausschauenden Wartung – die Möglichkeiten seien unfassbar vielfältig. Wichtig sei aber, die Technologie als Werkzeug zu verstehen, das Menschen unterstützt, nicht ersetzt.
Partnerschaft als Zukunftsmodell
„Die Zukunft heißt Ökosysteme“, fasste Konrad Fritz die Ammon-Strategie zusammen. „Gerade wenn Fachkräfte weniger werden, kommt es auf verlässliche Partnerschaften an. Die Preisdiskussion um den letzten Cent war gestern. In der Zukunft werden gute, verlässliche Partnerschaften entscheidend sein – mit Kunden und Industrie.“
Diese Philosophie spiegelte sich auch in der Ausstellung wider: 3E als Hauptsponsor, Gutmann, Winkhaus, Hoppe, Tremco-Illbruck, SFS und die Aufmaß-App der Brüder Weber präsentierten ihre Neuheiten. Die Gespräche zwischen den Vorträgen und beim abschließenden Abendessen zeigten: Hier entstehen die Partnerschaften von morgen.
Die Botschaft der 27. Fenstertage war klar: Durch Zusammenarbeit, Innovation und menschliche Wertschätzung lassen sich auch schwierige Marktphasen meistern und in Wachstumschancen verwandeln. Die nächsten Fenstertage sind bereits für den 24. und 25. April 2027 fixiert.
Foto: Daniel Mund / GW
Foto: Daniel Mund / GW
Foto: Daniel Mund / GW
Foto: Daniel Mund / GW
Foto: Daniel Mund / GW
LinkedIn-Praxistipps
Personalberaterin Fabiénne Niehues hat auf den Ammon Fenstertagen viele wichtige Tipps zur LinkedIn-Nutzung gegeben. Hier zehn konkrete Tipps von ihr, die sofort umsetzbar sind:
- Headline in der persönlichen Ansicht optimieren: Statt „Geschäftsführer XYZ“ besser „Bringe Licht und Sicherheit in jedes Gebäude“ – wie ein Elevator-Pitch formulieren.
- Banner nutzen: Hier gehören Infos für Positionierung, Events oder Recruiting-Botschaften hin.
- Mitarbeiter als Botschafter: Mitarbeiterprofile schaffen viel mehr Vertrauen als Unternehmensseiten. Deshalb: Employer-Influencer unterstützen.
- „Schreibt, wie ihr sprecht. Schreibt nicht wie in einem Produktkatalog“ – Fachsprache beim Posting vermeiden.
- Active Sourcing statt warten: 72 % der Monteure und Meister sind „passiv offen für Jobangebote“ – deshalb die Zielgruppe gezielt ansprechen statt Stellenanzeigen schalten.
- Qualität vor Quantität bei den Kontakten: „Lieber die richtigen Menschen im Netzwerk haben“ statt wahllos Kontakte sammeln.
- Regelmäßig aktiv sein: Unregelmäßige Aktivität ist ein Fehler – kontinuierliche Präsenz aufbauen.
- Videos einsetzen: „Behind-the-Scenes, Team vorstellen, Montagedokumentationen“ – visuelle Inhalte werden wichtiger.
- Sofort starten: Es ist ganz einfach, „vernetzt euch mit 10 Personen aus eurer Branche“ und „schreibt 5 Kommentare unter interessante Beiträge“.
- LinkedIn als tägliche Branchenmesse verstehen: „Ich kann jeden Tag vor Tausenden Personen mein Unternehmen präsentieren.“