Das Fenster-Komplettsystem Windowment von Beck+Heun verändert den Bauablauf grundlegend: Bei zwei Mehrfamilienhäusern in Moos bei Singen wird das System bereits werkseitig in die Betonfertigwände integriert – inklusive Rollladenkasten, Dämmung und vorbereiteter Leitungsführung für die Gebäudetechnik. Das Ergebnis: Die Rohbauzeit verkürzt sich um 30 %, und die Fassade ist im Fensterbereich faktisch bereits fertig, wenn die Wände auf der Baustelle ankommen.
Komplettes Geschoss in zwei Wochen
„Mit unseren industriell gefertigten Leichtbetonwänden sind wir rund 30 Prozent schneller als in traditioneller Bauweise", erklärt Fabian Wall, Leiter Konstruktion bei CBS Süd GmbH, dem Hersteller der Betonfertigwände. In Moos entsteht ein komplettes Geschoss innerhalb von zwei Wochen: eine Woche für Außen- und Innenwände, eine Woche für die Filigrandecke mit Ortbeton.
Die hohe Geschwindigkeit entsteht nicht allein durch die Betonfertigteilbauweise. Zusätzliche Zeitgewinne ergeben sich aus der werkseitigen Integration von Windowment und der vorbereiteten Gebäudetechnik. Fenster, Beschattung, Leitungsführung und Lüftung werden nicht mehr auf der Baustelle koordiniert, sondern industriell aufeinander abgestimmt vorgefertigt.
Fertige Fassade ab Werk
Beck+Heun/Sven-Erik Tornow
Das patentierte Windowment-System vereint Fenster, Rollladenkasten und alle notwendigen Anschlussdetails in einem vierseitig geschlossenen, hoch wärmegedämmten Tragrahmen. Jedes Modul wird objektbezogen gefertigt, wodurch Maße, Anschlussdetails und statische Anforderungen frühzeitig definiert sind. Die Vorfertigung verlagert Entscheidungen aus dem witterungsabhängigen Baustellenbetrieb in die kontrollierte Produktionsumgebung.
Die 160 Millimeter starken Außenwände von CBS Süd werden mit EPS-Dämmung in 140 mm Dicke sowie allen notwendigen Leerrohren und sanitären Rohinstallationen geliefert. Durch die werkseitige Integration von Windowment werden Wärmebrücken minimiert. In Kombination mit dem Wandaufbau erreicht die Gebäudehülle einen U-Wert von 0,194 W/(m²K).
Beck+Heun/Sven-Erik Tornow
Gebäudetechnik wird mitgedacht
Auch die Gebäudetechnik ist bereits vorbereitet: Die Leitungswege für die Raumluftgeräte der Envola GmbH aus Ulm liegen bereits in den Fertigwänden, Windowment bietet den exakt passenden Rahmen, in den die Geräte nur noch eingeschoben werden müssen. Eine zentrale Speicherwärmepumpe zwischen den beiden Gebäuden versorgt über separate Heiz- und Kühlkreisläufe die bedarfsgerechte Wärme- und Kälteübergabe.
Selbst die Badezimmer kommen als halbgeschlossene Fertigelemente auf die Baustelle – komplett gefliest, inklusive Wand-Wc sowie mit allen notwendigen Verrohrungen und Anschlussleitungen. Per Kran werden sie im Rohbau platziert.
Wirtschaftlichkeit im Gesamtprozess
Zwar liegt der Quadratmeterpreis einer werkseitig vorbereiteten Außenwand über dem einer konventionell gemauerten Ziegelwand. Ihre Wirtschaftlichkeit entfalte die Bauweise jedoch im Gesamtprozess, erklärt Fabian Wall. Durch den hohen Vorfertigungsgrad reduzierten sich Bauzeit, Baustellenlogistik und Folgegewerke deutlich. Parallel dazu sinken Koordinationsaufwand, Schnittstellenrisiken sowie Materialverluste. Auch Lärm- und Schmutzbelastungen auf der Baustelle reduzieren sich deutlich.
Tapezierfähige Oberflächen durch schalungsglatte Wände beschleunigen den Innenausbau zusätzlich. „Auch das spart Zeit auf der Baustelle, denn Verputzarbeiten und damit verbundene Trocknungszeiten entfallen", erklärt Wall.
Baustellenschutz für hochwertige Oberflächen
Jedes Element bleibt bis zur Endabnahme nach dem Verputzen durch Schutzfolien geschützt. Diese Maßnahmen sollen gewährleisten, dass die hochwertigen Fenster und Rollladensysteme trotz der rauen Baustellenbedingungen während der Rohbauphase nicht beschädigt oder verdreckt werden. Die Verpackung wird kurz vor der finalen Abnahme entfernt.
Vom Einzelbauteil zum integrierten System
Windowment ist technologieoffen und lässt sich in unterschiedlichste Vorfertigungssysteme integrieren. Das System markiert einen Wandel von der Einzelbauteil-Montage hin zu industriell abgestimmten Komplettlösungen. Der Rohbau der dreigeschossigen Häuser wird gut elf Wochen nach dem Start der Betonwandlieferungen im März 2026 abgeschlossen sein.