GW: Wie entwickelt sich das Deutschlandgeschäft von Reynaers aktuell, gerade vor dem Hintergrund der angespannten Baukonjunktur?
Zafer Güldoğan: Der Markt ist nicht einfach, doch die Baukonjunktur wird sich wieder erholen, und daran wollen wir teilhaben. Deutschland ist für uns ein großer und wichtiger Markt, in dem wir gezielt wachsen möchten. Unser Ansatz ist es, die Metallbauer mit wirtschaftlichen Systemlösungen zu unterstützen. Entscheidend sind aus unserer Sicht ein verlässlicher Service, leistungsfähige Produkte und wettbewerbsfähige Preise. Wir liefern zudem geprüfte Komplettlösungen bis zur letzten Schraube und geben darauf auch entsprechende Systemgarantien. Das erleichtert die Arbeit und erhöht die Sicherheit in der Umsetzung.
Reynaers
GW: Wo sehen Sie die Stärken von Reynaers?
Güldoğan: Unser Ansatz ist es, uns über Systemqualität sowie Service und Investitionen in Entwicklung zu differenzieren. Wir investieren jährlich rund 50 Mio. Euro in neue Systeme und haben zahlreiche Projekte weltweit umgesetzt, die als Referenz dienen. Gemeinsam mit unseren Entwicklungszentren in Belgien konzipieren wir maßgeschneiderte Systeme, unterstützt durch ein Team aus rund 30 Ingenieuren und Architekten.
GW: Welche Segmente tragen derzeit am stärksten zum Wachstum bei?
Güldoğan: Der Wohnbau und insbesondere die Sanierung sind aktuell die zentralen Wachstumstreiber. Im Bestand steigt die Nachfrage bei den Sanierungen, insbesondere nach projektspezifischen Lösungen im Rahmen der energetischen Gebäudeoptimierung. Wir prüfen aktuell, in welchem Umfang wir dieses Segment weiterentwickeln können, auch für den deutschen Markt.
GW: Wie reagieren Sie auf die steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und CO₂-Senkung?
Güldoğan: Optimierte Profilgeometrien reduzieren den Materialeinsatz und die damit verbundenen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig wurden sie gezielt so entwickelt, dass Stabilität, Langlebigkeit und bauphysikalische Leistungsfähigkeit uneingeschränkt erhalten bleiben. Reynaers Aluminium setzt auch bei Isolierstegen auf nachhaltige Innovationen: Durch den Einsatz von thermischen Trennungen aus recyceltem Polyamid wird der CO₂-Fußabdruck auch hier gezielt reduziert – bei unveränderten mechanischen Eigenschaften. Weiterhin arbeiten wir fortlaufend an großformatigen Lösungen, etwa im Bereich von Schiebeelementen. Systeme wie „HiFinity“ und „MasterPatio“ ermöglichen große Höhen bei gleichzeitig schlanken Ansichtsbreiten, auch das ist nachhaltig.
GW: Sind auch schlanke Systeme nachhaltig?
Güldoğan: Ja, auch Systeme wie SlimLine 38 sind sehr nachhaltig, da ihre schlanken und eleganten Profilansichten in unterschiedlichen Designformen den Materialeinsatz reduzieren und gleichzeitig großflächige Verglasungen mit maximalem Tageslichteintrag ermöglichen – bei gleichzeitig nachgewiesener hoher Stabilität, Widerstandsfähigkeit und bauphysikalischer Leistungsfähigkeit.“
GW: Wie ist Reynaers Deutschland organisatorisch aufgestellt?
Güldoğan: Die deutsche Zentrale hat ihren Sitz in Oberursel. Gemeinsam mit meinem Team aus aktuell sechs Mitarbeitenden verantworte ich das Deutschlandgeschäft. Dazu zählen ein Architekten- und Metallbauberater, zwei Anwendungstechniker für unsere Metallbaufachbetriebe, einen Gebietsverkaufleiter für Süddeutschland sowie zwei Mitarbeiterinnen im Kundendienst und in der Projektkalkulation. Diese Struktur ermöglicht es uns, nah am Markt und an den Anforderungen unserer Partner zu agieren.
Matthias Rehberger / GW
GW: Welche technologischen Innovationen stehen derzeit im Fokus Ihrer Produktentwicklung?
Güldoğan: Ein klarer Schwerpunkt liegt auf schlanken Systemen. Lösungen wie „SlimWall 35“ zeigen, in welche Richtung die Entwicklung geht: möglichst filigrane Ansichten bei gleichzeitig hoher Leistungsfähigkeit. „Mit „Timberwall“ erweitert Reynaers Aluminium sein Portfolio um ein nachhaltiges Holz-Aluminium-Fassadensystem und vereint damit die natürliche Optik und Haptik von Holz mit der Langlebigkeit, Stabilität und Witterungsbeständigkeit von Aluminium für vielseitige Projekte im modernen Fenster- und Fassadenbau
GW: Welche Rolle spielt das Design im Vergleich zu rein technischen Kriterien?
Güldoğan: Wir stehen im engen Austausch mit Architekten und greifen deren Anforderungen direkt auf. Der Wunsch nach möglichst schlanken Profilen ist sehr ausgeprägt. Gleichzeitig müssen die Systeme natürlich auch produzierbar und funktional sein. Unsere Rolle sehen wir darin, zwischen Architekten und Metallbauern zu vermitteln und Lösungen zu entwickeln, die beiden Seiten gerecht werden.
GW: Wie sieht Ihre Strategie für den deutschen Markt aus?
Güldoğan: Wir sehen großes Potenzial in Deutschland und wollen unsere Marktanteile weiter ausbauen. Unser Fokus liegt auf kleinen und mittelständischen Metallbaubetrieben, insbesondere auf Betrieben, die wachsen möchten. Dabei konzentrieren wir uns auf unsere Stärken im Bereich Schiebeelemente sowie Fenster- und Türsysteme – sowohl für Wohnbau als auch für das Objektgeschäft.
GW: Welche Trends werden aus Ihrer Sicht die Gebäudehülle der Zukunft maßgeblich prägen?
Güldoğan: Wir beobachten, dass sich Wohnkonzepte verändern: Die Wohnungen werden tendenziell kleiner, gleichzeitig verbringen Menschen mehr Zeit zu Hause. Damit steigen die Anforderungen an Wohnqualität. Große Fensterflächen, mehr Tageslicht und zusätzliche Außenräume wie Balkone gewinnen an Bedeutung. Entsprechend wächst die Nachfrage nach großformatigen Elementen und Schiebesystemen. Aluminiumsysteme werden in diesem Zusammenhang weiter an Bedeutung gewinnen.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Reynaers