GLASWELT Ausgabe: 11-2017

Fressen oder gefressen werden?

Mund: Back from Rosenheim – für mich gab es ein paar Paukenschläge im Vortragskonzert der Fenstertage: Der Bericht über die Elbphilharmonie war so einer. Faszinierend zu sehen, was mit klugen Köpfen alles auszutüfteln ist. Und auch der Beitrag über die digitale Disruption war ein richtiger Wachmacher: Deutlich wurde, dass die Gefahr eines plötzlichen Totalausfalls noch nie so groß gewesen ist, wie seit Beginn dieser digitalen Revolution – gleichzeitig hat ein Einzelner noch nie so viele Optionen gehabt, aus der eigenen Kreativität auch ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Was ist für Dich hängengeblieben?

Vögele: Um es bei der digitalen Disruption auf den Punkt zu bringen: „Die Schnellen werden die Langsamen fressen“. Das wird mit dem Umstieg auf Industrie 4.0 auch in unseren Branchen einhergehen und auch für das Handwerk ein notwendiges Umdenken bedeuten. Auch das Handwerk muss auf den Zug der Digitaliserung aufspringen. Das fängt z. B. bei der Montageplanung über die EDV an, die direkt mit der Warenwirtschaft verknüpft ist, und dafür sorgt, dass die richtigen Teile an den richtigen Ort kommen. Unser Top-Thema Industrie 4.0 zeigt dazu mit Musculus ein Beispiel aus der R+S Branche. Was sagen denn die Fensterbetriebe dazu?

Mund: Ich denke, da schenken sich die Branchen nichts. Es gibt Betriebe, die nutzen digitale Tools für die eigenen Wertschöpfungsprozesse bis hin zur Montage, andere agieren wie eh und je – weil der Markt aktuell auch (noch) brummt. Aber klar muss uns allen sein: Die digitale Disruption, also die Verdrängung eines klassischen Geschäftsmodelles durch digitale Elemente oder Strukturen, steckt in der Baubranche erst noch in den Startlöchern, der Tsunami baut sich erst auf. Wann und wie heftig er ankommt, kann keiner vorhersehen. Frederic Lehner von Interconnection Consulting jedenfalls prophezeite auf den diesjährigen Fenstertagen, dass in 10 Jahren bis zu 30 Prozent der Unternehmen, die vertreten waren, nicht mehr existieren. Dabei ging es ihm um das digitale Vermarktungspotenzial. Und die Einstellung, dass in Zukunft eben nicht mehr das Produkt Fenster oder Rollladen für sich überzeugt, sondern vielmehr das Versprechen, das damit verbunden ist: Zum Beispiel Sicherheit oder Behaglichkeit.

Vögele: Genau das sind die richtigen Stichpunkte, denn bei allem Sinnen nach der Digitalisierung darf man nicht vergessen, dass am Ende der Kette der Kunde steht, ein Mensch. Und da zählt immer noch der Dialog. Denn da, wo montiert werden muss, bleibt immer auch Raum für Gespräche und Erklärungen, wie auch bei Planung und Aufmaßterminen, bei denen Details abgestimmt werden müssen. Deshalb gilt es das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Am Ende zählen drei Dinge: Digitalisierung, handwerkliches Können und Beratungskompetenz. Ersteres kann man kaufen, die beiden anderen Dinge muss man lernen und sich hart erarbeiten. Weiterbildung bleibt da immer ein Thema.

Mund: Dem ist nichts hinzuzufügen. Ihnen, liebe Leser, wünsche ich, dass Sie der digitale Tsunami nicht unvorbereitet trifft und hoffe, dass wir Sie mit unserem 26-seitigem Top-Thema über die Digitalisierung ein wenig bei den Vorbereitungen auf den Wandel unterstützen können.

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

GLASWELT-Newsletter

Ja, ich möchte folgenden Newsletter abonnieren:

GLASWELT-Newsletter
» Weiter Informationen zum GLASWELT-Newsletter
Kommentare

Jammern „ja“ – Lösungen suchen, „eher nein“

Die Handwerksbetriebe stehen vor einem großen Dilemma, wenn es um ihren Fuhrpark geht. Die... mehr

Alle Kommentare