GW – Sie übernehmen die Geschäftsführung von Aluprof Deutschland in einer Zeit des Marktumbruchs. Was hat für Sie oberste Priorität?
Jens Eberhard – Für mich stehen die Menschen und die Organisation im Vordergrund. Ich möchte in der DACH-Region ein starkes, lokales Team aufbauen, das nah am Kunden ist und diesen Markt gut versteht und einen guten Kontakt zu unseren Partnern pflegt. Wichtig ist mir, dass wir in drei Segmenten stark sind: Architectural Systems (Fenster, Fassaden, Schiebetürsysteme), Sun Shading und Aluminium-Extrusion. Und dazu legen wir jetzt das Fundament. Vertrieb, Akquise, technische Unterstützung, Service und Marketing stimmen wir so ab, dass alle am selben Strang ziehen – zugunsten des Kunden. Zudem will ich unsere Marke neu positionieren, als internationaler Anbieter im Premiumsegment, der alles aus einer Hand anbieten kann.
GW – Und die konkreten Ziele für die DACH-Region?
Eberhard – DACH ist strategisch, unsere Ziele sind ambitioniert und gehen über reines Umsatzwachstum hinaus, wir streben ein nachhaltiges Wachstum an. Die Basis dafür sind eine starke lokale Organisation, der Ausbau des Kunden- und Partnernetzwerks sowie neue Projekte. Gleichzeitig wollen wir die Sichtbarkeit von Aluprof über alle drei Segmente deutlich erhöhen und werden sie unter einem Dach zusammenführen, um Synergien zu nutzen.
GW – Soll Aluprof stärker als Komplettanbieter für die Gebäudehülle wahrgenommen werden?
Eberhard – Ja. Mir ist wichtig, dass der deutsche Markt Aluprof als Komplettanbieter für die gesamte Gebäudehülle wahrnimmt: Fenster, Türen, Fassaden und Sonnenschutz. Heute verbinden viele Kunden uns vor allem mit Aluminium-Fenstern und -Fassaden – unser Portfolio ist jedoch sehr breit, auch bei Sonderlösungen, die wir gemeinsam mit den Kunden maßschneidern. Unser Sonnenschutzangebot ist vollwertiger Bestandteil davon, ebenso Brandschutzlösungen mit Gläsern aus eigener Produktion. Wir haben ein eigenes Brandschutzlabor mit großem Prüfstand und liefern fertige Elemente inklusive Glas, ein echter Mehrwert. Der Kunde findet bei uns abgestimmte Lösungen aus einer Hand. Hinzu kommt die Aluminium-Extrusion mit maßgeschneiderten Profilen für industrielle Anwendungen. Diese Kombination ist unsere Stärke.
GW – Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen im DACH-Markt?
Eberhard – Wir wollen in allen Segmenten wachsen. Im Architektursegment sehe ich großes Potenzial bei Fenstern, Türen, Schiebesystemen, Fassaden und Spezialanwendungen. Sonnen- und Hitzeschutz gewinnen durch den Klimawandel deutlich an Fahrt. Unser Segment Extrusion eröffnet uns zudem ein sehr breites Spektrum an industriellen Anwendungen. Besonders hervorheben möchte ich die Sanierung und Modernisierung bestehender Gebäude. Das ist für uns ein zusätzlicher Wachstumsmarkt und nicht nur ein Ausgleich für den schwächeren Neubau. Als Vollsortimenter können wir Kunden viel anbieten.
Aluprof
GW – Was bringen Sie aus Ihrer bisherigen Laufbahn mit?
Eberhard – Ich habe im Handwerk angefangen, Holztechnik in Rosenheim studiert und mein gesamtes Berufsleben in der Fenster- und Bauelementebranche verbracht – in Technik, Vertrieb, Marketing und Management. Ich kenne die gesamte Wertschöpfungskette, war im Handel und mit Fachkunden aktiv, kenne die Montage aus dem Effeff. Bei Velux war ich Exportmanager und Schnittstelle zur Produktion für weltweite Projekte. Zudem war ich bei Coplaning tätig und bei Oknoplast habe ich gelernt, ein interkulturelles Team zu bilden. Das Wichtigste: Ich verstehe wirklich, womit unsere Kunden konfrontiert sind, da ich selbst an ihrer Stelle war. Ich habe internationale Teams geführt, im deutsch-polnischen Kontext gearbeitet und Marken im Premiumsegment aufgebaut. Bei Aluprof bringe ich vier Dinge ein: technisches Wissen, Marktkenntnis, Führungserfahrung, unternehmerisches Denken.
GW – Wie hilft Aluprof den Kunden bei Kostendruck?
Eberhard – Die Rolle eines Systemanbieters endet nicht mit Profilen und Beschlägen. Es geht darum, dem Kunden zu helfen, effizienter zu produzieren. Hebel gibt es mehrere: ein leicht verarbeitbares System, weniger Komplexität, solide technische Unterstützung, zuverlässige Logistik, digitale Tools und reibungslose Projektabwicklung. Wenn unser System es dem Kunden ermöglicht, schneller und mit weniger Fehlern vom Entwurf zum Produkt zu gelangen, ist das ein unmittelbarer wirtschaftlicher Vorteil. Wir wollen nicht nur ein Profil verkaufen, sondern dass unser Kunde wettbewerbsfähiger wird.
GW – Müssen internationale Systeme stärker an regionale Anforderungen angepasst werden?
Eberhard – Mein Grundsatz: internationale Stärke plus lokale Präzision. Wir haben die Ressourcen eines internationalen Konzerns, doch der deutsche, österreichische und der Schweizer Markt haben eigene Erwartungen hinsichtlich Normen, Verarbeitung, Design und Service. Deshalb soll unser DACH-Team nicht nur verkaufen, sondern dem Markt zuhören und Signale in die Produktentwicklung zurückspielen. Die Stimme eines deutschen Verarbeiters oder Planers wird bei uns Gehör finden.
GW – Wie wichtig werden Recyclinganteil, CO₂-Fußabdruck und EPDs?
Eberhard – Immer wichtiger, nicht als Schlagwort, sondern als messbares Auswahlkriterium. Für Architekten, Planer und Bauherren werden Recyclinganteil, CO₂-Fußabdruck und EPDs zum realen Bestandteil der Kaufentscheidung. Nachhaltigkeit steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Unser Ansatz stützt sich auf konkrete Produktdaten, nicht auf allgemeine Aussagen. Aluminium ist dafür ideal, da es ohne Qualitätsverlust recycelt werden kann. Wir setzen auf emissionsarmes Material, entwickeln EPDs und arbeiten gemäß DIN EN ISO 14001; in der Zentrale gibt es dafür eine eigene Abteilung. Entscheidend ist, dass der Kunde von uns Zahlen erhält, auf die er seine Entscheidung und Umweltbilanz stützen kann.
GW – Welche Konsequenzen hat der Fachkräftemangel für die Systementwicklung?
Eberhard – Er verändert Produktion und Montage – und damit auch, wie wir Systeme entwerfen. Ein technisch ausgefeiltes System ist nicht automatisch ein gutes System. Gut ist, was sich in Werk und Baustelle bewährt. Systeme müssen einfach und intuitiv in der Verarbeitung sein, vorfertigungs- und montagefreundlich sowie gut dokumentiert und digital unterstützt. Ziel ist es, mit weniger Personal und unterschiedlichen Qualifikationsniveaus effizient und fehlerfrei zu arbeiten. Bei Bedarf helfen wir Kunden mit vorkonfektionierten Elementen. Die leichte Montage fängt bei der Konstruktion an, und daran arbeiten wir.
Aluprof
GW – Wie ist Aluprof bei der Digitalisierung aufgestellt?
Eberhard –Wir wollen in diesem Bereich stark sein. Wir stellen BIM-Objekte und -Bibliotheken bereit, entwickeln Konfiguratoren, Tools zur Systemauswahl und technische Online-Dokumentation, dazu Planungsberatung. Entscheidend: All das muss dem Kunden echten Nutzen bringen, keine Technologie um ihrer selbst willen. Ich frage mich entlang der ganzen Zusammenarbeit – Planung, Bestellung, Bearbeitung, Realisierung, Kommunikation –, wo etwas schneller und einfacher gestaltet werden kann. Die Zusammenarbeit mit Aluprof soll in jeder Phase einfach sein.
GW – Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit Verarbeitern vertiefen?
Eberhard – Mir ist eine langfristige Partnerschaft auf Augenhöhe wichtig. Wir sind kein klassischer Lieferant. Wir müssen verstehen, wohin unsere Partner streben und wie wir helfen können. Von unserer Seite bieten wir Zuverlässigkeit, technische Kompetenz, Service, reibungslose Abwicklung und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
GW – Womit will Aluprof überzeugen?
Eberhard – Das Produkt allein reicht nicht mehr. Wir überzeugen durch Zuverlässigkeit, Schnelligkeit, technische Kompetenz, Service und Flexibilität, und dadurch, dass wir Lösungen liefern, nicht nur Komponenten. Dahinter stehen die starke industrielle Basis der Kęty-Gruppe und ein breites technologisches Spektrum. Gleichzeitig ziehen sich bei uns Nachhaltigkeit und Kundenorientierung wie ein roter Faden durch alles. Wir wollen sichtbarer sein, u.a. durch einheitliches B2B-Marketing, digitale Marktbearbeitung und KI-unterstützte Lead-Generierung.
GW – Was reizt Sie an der neuen Aufgabe besonders?
Eberhard – Dass ich hier wirklich etwas aufbauen kann. Aluprof hat eine starke industrielle Basis, ein breites Portfolio und ehrgeizige Pläne, während in DACH viel Potenzial bereitsteht – eine seltene Kombination. Dieses Potenzial will ich mit dem bestehenden Team, neuen Mitarbeitern, Kunden und Partnern entwickeln. Ich bin Teamplayer: Wenn ein Team Freude an Veränderung hat, sportlichen Ehrgeiz und mit Kunden gut umgehen kann, macht das den Unterschied.
Die Arbeit macht mir einfach Spaß. Ein Satz liegt mir am Herzen: Eine starke Marke baut man nicht nur mit Produkten, sondern vor allem mit Menschen. Es gibt viel zu tun und ich blicke darauf mit Optimismus und voller Energie.
Das Interview führte Matthias Rehberger
Tipp: Aluprof ist Aussteller auf der Batimat in Paris vom 28.09.–01.10.2026, in Halle 4, Stand G120 und G122
sowie auf der BAU in München vom 11.–15.01.2027, in Halle B1, Stand 528.
Über Aluprof
Die Aluprof S.A. ist Teil der polnischen Grupa Kęty S.A., die das Unternehmen zu 100 Prozent besitzt. Mit einem Segmentumsatz von 2,507 Milliarden PLN (rund 586 Millionen Euro) 2024 und mehr als 2700 Mitarbeitenden ist Aluprof ein zentraler Baustein des Konzerns und erwirtschaftet 48 Prozent der gesamten Produktumsätze an Dritte.
Das Unternehmen verfügt über 10 Produktionsstandorte und beschäftigt mehr als 3400 Mitarbeitende und betreut mehr als 2600 Stammkunden. Die Systeme des Anbieters sind in über 60 Exportmärkten verfügbar. Aluprof entwickelt und produziert Fenster, Türen, Fassaden und Sonnenschutz-Systeme.
Mit fünf Produktionsstandorten in Polen – darunter Werke in Bielsko-Biała, Opole, Goleszów und Złotów – sowie einem Forschungs- und Innovationszentrum in Ogrodzona verfügt Aluprof über eine starke industrielle Basis. Das Innovationszentrum beherbergt eine der größten Fassadenprüfstände in Mittel- und Osteuropa und kann zudem nach US-amerikanischen Normen testen.
Die Aluprof Deutschland GmbH ist für die Marktentwicklung und den weiteren Ausbau der Aktivitäten von Aluprof auf dem deutschen Markt verantwortlich und ist Teil der strategischen Expansion der Gruppe in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz).
Der weitere Ausbau konzentriert sich auf drei Geschäftsbereiche: Architectural Systems, Sun Shading und Extrusion.
Seit August 2026 ist Jens Eberhard als Geschäftsführer der Aluprof Deutschland GmbH für die weitere Entwicklung des Unternehmens in der DACH-Region verantwortlich.