Die Schüco Gruppe hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem Gesamtumsatz von 2,06 Milliarden Euro abgeschlossen und damit trotz der anhaltenden Baukrise in Deutschland ein Wachstum von 0,7 % gegenüber dem Vorjahr (2,05 Milliarden Euro) erreicht. Währungsbereinigt betrug der Umsatzanstieg sogar 2,3 %. Das Bielefelder Familienunternehmen profitierte dabei von seiner strategischen Internationalisierung: Während der deutsche Markt um 2,8 % auf 728 Millionen Euro schrumpfte, kompensierten die ausländischen Märkte mit einem Umsatz von gut 1,3 Milliarden Euro den heimischen Rückgang.
Ungewöhnliches Bild: Polymer Business überholt Metallbau beim Wachstum
Die Entwicklung der beiden Kernsparten offenbart eine bemerkenswerte Verschiebung: Während der Geschäftsbereich Metallbau global nur um 2 % auf 1,68 Mrd. Euro zulegte, wuchs die Sparte Polymer Business mehr als doppelt so stark um 4,5 % auf 327 Mio. Euro. In Deutschland konnte das Kunststoff-Geschäft sogar um 2,6 % auf 99 Mio. Euro zulegen, unterstützt durch ein Wiederanziehen im privaten Wohnbau.
Internationale Märkte treiben das Wachstum
Die Umsatzverteilung zeigt die erfolgreiche Diversifizierung: Deutschland trägt nur noch 35 % zum Gesamtumsatz bei, während die internationalen Märkte bereits 65 % erwirtschaften. In Europa stieg der Umsatz leicht um 0,7 % auf 965 Mio. Euro, in den übrigen internationalen Gesellschaften sogar um 8,8 % auf 371 Mio. Euro. Schüco ist mittlerweile in über 90 Ländern weltweit vertreten.
Beim Metallbau entfielen 594 Mio. Euro auf Deutschland, 720 Mio. Euro auf andere europäische Länder und 369 Mio. Euro auf internationale Märkte außerhalb Europas. Das Service Business erreichte 33 Mio. Euro, blieb aber hinter den Erwartungen zurück, da die 2022 neu gegründete Sparte noch im organisatorischen Aufbau befindlich ist.
Strategische Investitionen in Wachstumsfelder
Schüco investierte 2025 insgesamt 41,2 Mio. Euro, nahezu auf Vorjahresniveau. Ein wichtiges Projekt war die Erweiterung der Produktionskapazitäten bei der Tochter Sälzer in Marburg, die Fassadenelemente für internationale Projekte mit Hochsicherheitsanforderungen fertigt. Zusätzlich entstanden neue Showrooms in Paris und Riad.
Daniel Mund / GW
Im Januar 2025 erwarb Schüco die Restanteile an Alufit International Private Ltd. in Bangalore, einem der größten Aluminium-Fassadenbauer Indiens. Im Juni folgte eine Beteiligung an der Asset Transformation GmbH in Großbeeren, die Eigentümer und Investoren bei nachhaltigen Gebäudesanierungen unterstützt.
"Schüco Value Up" als Antwort auf den Wandel
Mit der Initiative "Schüco Value Up" reagierte das Unternehmen 2025 auf den Strukturwandel der Baubranche. Das Programm umfasst werterhaltende Lösungen für die Gebäudehülle entlang des gesamten Lebenszyklus – von minimalinvasiven Sanierungslösungen über Beratungsleistungen bis hin zu Service, Wartung und Recycling.
„Die Zukunft des Bauens ist zirkulär, digital und liegt vor allem im Umgang mit dem Gebäudebestand – genau daran arbeiten wir. Unser Anspruch ist es, Gebäudehüllen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg ganzheitlich zu denken und zu optimieren – ökologisch wie wirtschaftlich", erklärte Andreas Engelhardt, geschäftsführender Gesellschafter der Schüco International KG.
Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft im Fokus
Bei den Produktentwicklungen setzte Schüco 2025 verstärkt auf digitale Lösungen. Via QR-Code auf jedem verbauten Element können Nutzer den digitalen Zwilling abrufen, was Wartung und Instandhaltung erleichtert und am Lebensende eine sortenreine Rückführung in Materialkreisläufe ermöglicht.
Die Vision des "AW Circular" zeigt, wie Aluminium-Fenster künftig nach Kreislaufwirtschaftsprinzipien funktionieren könnten. Das Konzept zielt darauf ab, Ressourceneinsatz, Emissionen und Abfallaufkommen zu verringern und gleichzeitig Ressourcenkreisläufe zu schließen.
Auszeichnung für Nachhaltigkeitsengagement
Für sein Engagement in Richtung Klimaneutralität und Ressourcenschonung erhielt Schüco 2025 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Bauindustrie. Das Unternehmen verfügt über mehr als 95 Cradle-to-Cradle-zertifizierte Aluminium-Systeme und hat mit der Gründung von RE:CORE Metals GmbH im Dezember 2024 das Recycling von Baumaterialien weiter ausgebaut.
Um die Recyclingquote im Bereich der eigenen Materialien zu steigern, konzentriert sich Schüco darauf, Sammelquoten zu erhöhen und Wertstoffkreisläufe zu schließen. In Deutschland ist Schüco 2022 als Mitgründer des Joint Ventures RE:CORE in das Recycling von Altfenstern aus Kunststoff eingestiegen. Mit Gründung der RE:CORE Metals GmbH im Dezember 2024 und ersten Pilotprojekten wurde das Geschäftsfeld Rücknahme und Recycling sukzessive auf weitere Baumaterialien ausgeweitet. Das Engagement für die Rücknahme von Altmaterialien aus der Fensterproduktion und den Rückbau alter Fassadenelemente aus Bestandsgebäuden wurde im Jahr 2025 materialübergreifend erfolgreich intensiviert: Die Tonnagen konnten stetig gesteigert werden.
Herausforderungen für 2026
Schüco International KG
Für das Jubiläumsjahr 2026 – Schüco feiert am 18. Januar sein 75-jähriges Bestehen – plant das Unternehmen weitere Investitionen in KI-gestützte Lösungen. Mittels künstlicher Intelligenz sollen komplexe Kundenanfragen in effiziente digitale Serviceabläufe verwandelt werden.
Die ersten Monate 2026 zeigten jedoch erneut die Auswirkungen extremer Wetterereignisse, was die Bedeutung klimaresilienter Gebäudehüllen unterstreicht. Zudem belasten geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus die Energie- und Rohstoffmärkte, was zu steigenden Material- und Transportkosten führt.
Die Schüco Gruppe beschäftigte 2025 weltweit 6.750 Mitarbeitende, davon 3.800 in Deutschland. Am Hauptsitz Bielefeld arbeiten über 2.000 Menschen, in Weißenfels 935. In Deutschland bildet das Unternehmen 206 Auszubildende aus.