Bereits 2025 konnte die Bauwirtschaft nach der Durststrecke ein leichtes Wachstum von 0,3% verzeichnen. Für 2026 erwarten die Experten eine deutliche Beschleunigung auf 2,4%. Ein wiedererstarkendes Wirtschaftswachstum von etwa 1,5% pro Jahr sowie verstärkte Investitionen in Wohnraum und Infrastruktur treiben diese Entwicklung an.
Deutschland bleibt Sorgenkind trotz Förderprogrammen
Deutschland zeigt sich als Bremsklotz des europäischen Aufschwungs. Obwohl die Bundesregierung mit dem "Bau-Turbo" und steigenden Investitionen in den sozialen Wohnungsbau gegensteuert, bleibt die Genehmigungszahl für Wohnbauvorhaben weit hinter den Erwartungen zurück. 2024 erreichte die Zahl genehmigter Einheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern einen Tiefstwert von 566.000 – ein dramatischer Rückgang.
Bis 2028 prognostiziert das Ifo Institut lediglich einen moderaten Anstieg um etwa 15%, was den tatsächlichen Wohnungsbedarf nur teilweise decken dürfte. Die Fertigstellungsquote wird mit 2,6 Einheiten pro 1.000 Einwohner weiterhin niedrig bleiben. Als Haupthindernisse nennt Ludwig Dorffmeister vom Ifo Institut hohe Baukosten, ineffiziente Förderstrukturen und die Überregulierung des Mietmarkts. Zusätzlich belasten Arbeitskräftemangel und steigende Materialkosten die Branche.
Spanien verdreifacht Wohnungsfertigstellungen
Während Deutschland stagniert, zeigen andere europäische Länder beeindruckende Fortschritte. Spanien wird zwischen 2024 und 2028 eine Verdreifachung der Wohnungsfertigstellungen erleben. Auch Irland und Schweden können ihre Fertigstellungsquoten deutlich erhöhen und profitieren von gezielten Investitionen und weniger bürokratischen Hürden.
Der Tiefbau entwickelt sich europaweit als stabile Säule des Baugewerbes und soll bis 2028 ein Volumen von 550 Milliarden Euro erreichen. Investitionen in Verkehrs- und Energiesysteme, die Modernisierung der Infrastruktur und Eu-Fördermittel unterstützen das Wachstum in diesem Segment nachhaltig.
Nichtwohnhochbau schwächelt europaweit
Der Nichtwohnhochbau zeigt europaweit eine schwache Dynamik, insbesondere im Büroneubau. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, darunter Handelshemmnisse und sinkende Investitionsbereitschaft, bremsen die Entwicklung. Bestandsmaßnahmen wie Sanierungen übertreffen mittlerweile den Neubau und bleiben ein zentraler Wachstumsfaktor.
Die Prognosen basieren auf den Forschungsergebnissen des Euroconstruct-Netzwerks, dem führenden europäischen Prognoseinstitut für die Bauwirtschaft. Die nächste Konferenz findet im Frühjahr 2025 statt und wird weitere Detailanalysen zur Marktentwicklung liefern.
Aufsatz: „Europäische Bauwirtschaft schaltet 2026 zwei Gänge höher“, von Ludwig Dorffmeister, in: ifo Schnelldienst 2/2026:
https://www.ifo.de/publikationen/2026/aufsatz-zeitschrift/europaeische-bauwirtschaft-schaltet-2026-zwei-gaenge-hoeher