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Traditionsunternehmen Kapo: Crowdfunding-Kampagne für Produktionsfinanzierung

Der österreichische Holzfensterhersteller Kapo sammelt über eine Crowdfunding-Anleihe bis zu eine Million Euro für seine neue Produktionsstätte am Ökopark Hartberg ein. Das steirische Traditionsunternehmen bietet Investoren 8% Zinsen bei einer Laufzeit von vier Jahren über die Plattform Conda Capital – und klassifiziert die Anleger nach Holzarten.

Die ungewöhnliche Kategorisierung orientiert sich an der Kernkompetenz des Unternehmens: Ab 5.000 Euro Anlagesumme werden Investoren als "Kiefer" eingestuft, ab 10.000 Euro als "Fichte", ab 20.000 Euro als "Lärche" und ab 50.000 Euro als "Eiche". Jede Kategorie bringt entsprechende Prämien mit sich – von Produktionsführungen und Pflegesets bis hin zu Fenster-Rabatten von bis zu 12% und VIP-Tickets für den TSV Hartberg.

Bisher haben sich bereits mehrere Investoren beteiligt: Die aktuellen Investitionen (Stand: 09.04.) haben einen Stand von 290.500 Euro erreicht, wie aus der Plattform ersichtlich wird. Die nachrangige Anleihe (ISIN: AT0000A3RGG2) hat einen Nennbetrag von je 250 Euro bei einer Mindestzeichnung von einer Einheit.

10-Millionen-Euro-Investition in neue Produktionsstätte

Hintergrund der Kapitalsammlung ist die größte Investition in der 98-jährigen Unternehmensgeschichte: Kapo hat rund 10 Millionen Euro in eine neue, nachhaltige Produktionsstätte am Ökopark Hartberg investiert. Auf einer ehemaligen Deponiefläche entstand ein ökologisches Vorzeigeprojekt mit modernsten Maschinen und durchgängiger Digitalisierung.

Die Baukosten lagen bei rund 800 Euro pro Quadratmeter vor Abzug der 22%igen Förderung. Die ursprünglichen Kosten wurden um rund 10% überschritten, was Geschäftsführer Stefan Polzhofer auf Inflation, besondere Grundstücksanforderungen – darunter 330 Tiefengründungen bis auf 14 m Tiefe – und die Einzelgewerksvergabe zurückführt. Die Mehrkosten wurden über eine Aufstockung des Baukredits um 800.000 Euro und 200.000 Euro Eigenmittel finanziert.

Der technologische Sprung ermöglicht drastisch verkürzte Durchlaufzeiten von im Regelfall unter zehn Arbeitstagen statt zuvor rund fünf Wochen bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Fertigung individueller Einzelstücke.

Starker Auftragseingang nach schwierigem Vorjahr

Die Emissionserlöse sollen zur Stärkung des Working Capitals sowie zur bilanziellen Stabilisierung nach der Investitionsphase eingesetzt werden. Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2024/25 zeigt sich Kapo optimistisch: "Wir sind mit Vollgas ins Jahr 2026 gestartet und haben allein im Jänner und Februar neue Aufträge über 6,2 Millionen Euro abgeschlossen", berichtet Polzhofer. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2025/26 sind 16 Millionen Euro Umsatz geplant.

Das negative Vorjahresergebnis führt das Unternehmen auf gestiegene Lohnkosten zurück, die seit 2019 um rund 40% zugelegt haben. Komplexe Aufträge im Denkmalschutz, die aufgrund zu hoher manueller Fertigungskosten abgelehnt werden mussten, können nun wieder wirtschaftlich abgebildet werden.

Premium-Positionierung mit Nachhaltigkeitsfokus

Kapo positioniert sich bewusst abseits des Massenmarkts im Premium-Segment für Holz- und Holz-Alu-Fenster. Das 1927 gegründete Familienunternehmen konzentriert sich auf anspruchsvolle Projekte mit hoher Wertschöpfung – von historischen Kastenstockfenstern für den Denkmalschutz bis zu individuellen Sonderlösungen. Die konsequent biozidfreie Fertigung aus 100% Holz unterstreicht den Nachhaltigkeitsanspruch.

Insolvenz 2019 in Anleihe-Werbung nicht erwähnt

Was in der aktuellen Crowdfunding-Kampagne nicht erwähnt wird: Kapo hatte 2019 Insolvenz angemeldet, nachdem es zu "massiven Querfinanzierungen" mit der insolventen Mutterholding gekommen war. Die Passiva betrugen damals 7,68 Millionen Euro, betroffen waren 102 Mitarbeiter und 110 Gläubiger. Die neue Geschäftsführung um Stefan Polzhofer und Othmar Sailer übernahm das Unternehmen Ende 2019. Das Unternehmen hatte in den Jahren vor der Insolvenz bei Umsätzen zwischen 11,6 und 14,5 Millionen Euro grundsätzlich operative Gewinne erwirtschaftet – die Probleme resultierten aus den Querfinanzierungen innerhalb der Unternehmensgruppe.

In den Anlageinformationen der aktuellen Crowdfunding-Kampagne wird diese Vorgeschichte nicht thematisiert. Stattdessen wird die "Reorganisation als Basis für künftiges Wachstum" im Jahr 2019 als Meilenstein der Unternehmensgeschichte dargestellt.