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Arnold Glas investiert in Kirchberg

Die modernste ISO-Linie Europas

Mit der Investition setze die Glasgruppe ein klares Zeichen: „Mit dieser Produktionslinie sind wir auf dem neuesten Stand und können hier Gläser fertigen, die den Ansprüchen im Weltmarkt genügen.“

Für Hans-Joachim Arnold ist die Investition zudem ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und zur Region Hunsrück. „Wir haben dieser Region viel zu verdanken, hier werden wir gut unterstützt“, so Arnold. Wichtig sei ihm weiter die Perspektive des Standorts für die Zukunft: „Wir haben am Standort noch eine Reservefläche von 60000 m2, wo wir in den nächsten Jahren weiter investieren können.“

Arnold verwies darauf, dass das Familienunternehmen bewusst in Deutschland investiert, statt Kapazitäten ins Ausland zu verlagern: „Unsere hocheffizienten Gläser werden gebraucht. Hier ist unser Markt, hier fertigen wir. Als heimische Industrie haben wir Verantwortung und sind jetzt in Vorleistung gegangen, aber die gleiche Erwartung habe ich auch von der Politik.“ Es könne nicht sein, dass hierzulande Wohnungen dringend gebraucht werden und man beim Bau fast ein Jahrzehnt hinterherhinke. “Hier muss die Politik schnellstens aktiv werden.“

Für Arnold zählt neben der Technik vor allem die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden: „Wir müssen unseren Mitarbeitern eine Perspektive für die Zukunft geben. Das ist die höchste Aufgabe, die ich von jeder Führungskraft in der Arnold Glas Gruppe erwarte.“ Am Standort Kirchberg sind derzeit rund 150 Mitarbeitende beschäftigt. Weiteres Wachstum ist geplant.

Fachveranstaltung mit über 200 Teilnehmern

Zur Eröffnung am 10. September kamen über 200 Teilnehmer – Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten und Fachleute – im Rahmen der Fachveranstaltung „Glas trifft Fenster und Fassade“ zusammen. Neben einem Rundgang durch die neue Produktion standen Fachvorträge und Produktvorstellungen auf dem Programm. Mit vor Ort war auch Gottfried Brunbauer, CEO von Lisec, dessen Unternehmen die Anlagentechnik geliefert hat.

Die neue Linie reicht von der Glasbeschickung über den Zuschnitt bis zur vollautomatisierten Isolierglasfertigung mit dem thermoplastischen Abstandhalter 4SG von Kömmerling. Dabei lassen sich Scheiben bis zum Format von 3,21 × 5 m verarbeiten.

Ergänzt wird die Anlage durch eine integrierte Kantenbearbeitung sowie einen Qualitätsscanner von Viprotron. Bereits bei der Applikation der ISO-Einheit wird ein Barcode auf den Spacer gedruckt. So lässt sich jede Scheibe über den gesamten Prozess hinweg verfolgen, weiter können Informationen zum Fenster, zur Montage und für das Facility Management hinterlegt werden.

Zur Materialversorgung gehören ein automatisches Lager sowie Puffer für 1200 Scheiben. Die Gläser der ISO-Einheit können zudem direkt in der Linie gesäumt und geschliffen werden. Darüber hinaus verfügt die Anlage über eine automatische Zuführung für ESG-Scheiben.

Strategischer Standort im Herzen Europas

Andreas Winter, CEO der Gruppe, ordnete die Investition strategisch ein: Vor der Entscheidung habe die Frage im Raum gestanden, ob man wie früher in einzelne Anlagen investiere oder einen großen Schritt gehe. „Wir haben uns für die vollverkettete Produktion entschieden – von Glasbeschickung und Sortierung bis zur vollautomatisierten ISO-Fertigung.“

Auch der internationale Blick spielt eine Rolle: Die Nähe zu Benelux und Frankreich sei gerade für die internationale Ausrichtung von Arnold Glas Kirchberg relevant.

Neun Monate Produktions-Umbau bei laufendem Betrieb

Für Albert Schweitzer, Geschäftsführer von Arnold Glas und verantwortlich für den Standort Kirchberg, ist die neue Fertigung ein Quantensprung in Sachen Qualität, Flexibilität und Automation: „Wir haben in Automation investiert, um eine größtmögliche Flexibilität in der Produktion zu schaffen.“ Mit Blick auf Automation habe man sich bewusst für eine TPA-Lösung entschieden.

Auch die Auslegung auf Jumboformate war eine strategische Entscheidung, so Schweitzer: „Wir sehen einen wachsenden Bedarf nach größeren Formaten, gerade im Objektbau.“

Die größte Herausforderung bei der Investition sei die Umsetzung selbst gewesen: „Vorher standen Einzelmaschinen im Fokus, aber im Rahmen der Vernetzung und Automation steht die gesamte Produktion im Fokus. Die größte Herausforderung war, in neun Monaten die alten Anlagen gegen die neue Linie auszutauschen – und dabei weiter unsere Kunden zu bedienen. Und das haben wir geschafft.“

Weitere Digitalisierung im Fokus

Ein Kernelement der neuen Linie ist die konsequente Digitalisierung: Über einen Spezialdrucker erhält jede Glasscheibe einen individuellen QR-Code direkt auf den TPA-Randverbund.

Dieser Code enthält alle produktionsrelevanten Daten, vom Aufbau über die Fertigungsparameter bis hin zu qualitätssichernden Informationen. Über den Code lassen sich später auch Prüfzeugnisse, EPDs und weitere Dokumente hinterlegen sowie Informationen der Fensterbauer.

„Die Digitalisierung erleichtert unsere Arbeit erheblich, das Glas hat künftig alle Produktdaten bei sich“, erklärt Schweitzer. “Zusätzlich können wir über den QR-Code Prüfzeugnisse, EPDs oder andere Dokumente hinterlegen, und das auch nachträglich. Auch Fensterbauer können diesen Code für ihre eigenen Daten nutzen.“

Die Cloud-basierte Infrastruktur dazu liefert der Digitalisierungs- und Tracking-Spezialist Biss.ID. Über die Cloud lassen sich Glas- und Fensterdaten miteinander verknüpfen, sodass alle relevanten Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abrufbar sind, ohne dass eigene Server betrieben werden müssen.

Gerade auch für Fensterbau-Partner ist das interessant, da sie die Daten der verbauten Gläser in ihre eigenen Prozesse übernehmen und um produktspezifische Fensterinformationen ergänzen können. So entsteht eine belastbare Datenbasis, die auch mit Blick auf den kommenden digitalen Produktpass einen klaren Vorteil bietet.

Der Aufbau der Linie ist abgeschlossen, die Produktion läuft. Für Arnold Glas markiert die Investition den Beginn eines neuen Kapitels am Standort Kirchberg, mit einer der modernsten Isolierglaslinien Europas als Basis.

Matthias Rehberger

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