Im Rahmen der Präsentation der Verbandsaktivitäten stellte VFF-Geschäftsführer Frank Lange auch den neuen VFFbot (KI) vor, der aktuelle Fensterbau-Themen rund um den VFF bündelt und für die Verbandsmitglieder zugänglich macht. Der VFFbot durchsucht gezielt die Wissensdatenbank des VFF und stellt Fachinformationen, Normen, Richtlinien, Merkblätter u. v. m. bereit.
Verband Fenster+Fassade
Aktuelle Marktzahlen erst im April
Leider wurden diesmal keine neuen Marktzahlen über Glas und Fenster vorgestellt, was unter anderem auch der aktuellen politischen Lage geschuldet ist. Diese Zahlen werden im April auf der Tagung veröffentlicht.
Was die aktuellen Zahlen zum Glas- und Fenstermarkt in Deutschland angeht, werden die neuesten Daten am 28. April 2026 auf der Fachtagung Statistik & Markt präsentiert, die von beiden Verbänden gemeinsam durchgeführt wird.
BF VFF
Fenstersanierung: Schnelle Amortisation bei Energie und CO₂
Spannend war die Vorstellung der jüngsten ift-Studie „Graue Energie und graue Emissionen von Fenstern im Vergleich zum Einsparpotenzial März 2026“.
Die Studie analysiert die energetischen und ökologischen Auswirkungen des Fenstertauschs von Bestandsfenstern, wenn diese durch zeitgemäße Fenster ersetzt werden. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt, inklusive Herstellung, Transport, Einbau und Nutzung. Erläutert wird die Frage, in welchem Zeitraum sich die für neue Fenster erforderliche graue Energie und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen durch Einsparungen im Betrieb amortisieren.
Dabei zeigt sich, dass die Amortisationszeiten für neue Fenster deutlich kürzer sind als bisher angenommen: Eine energetische Amortisation (Primärenergie) reicht dabei von 2 bis 11 Jahren, eine CO₂-Amortisation erfolgt häufig bereits nach ca. 1 bis 5 Jahren. Dabei spielen die Heizungssysteme im Gebäude eine entscheidende Rolle.
Isolette
Besser als gedacht: Wärmeschutz im Scheibenzwischenraum
Jochen Grönegräs stellte neue Erkenntnisse zum sommerlichen Wärmeschutz vor: So hat der BF-Arbeitskreis „Systeme im Scheibenzwischenraum (SZR)“ neue Simulationen durchgeführt, die zeigen, dass Sonnenschutzsysteme im Scheibenzwischenraum deutlich besser abschneiden als bisher angenommen. Dies ist bislang in Normen nicht ausreichend differenziert und wird teilweise unterschätzt. Ziel des Arbeitskreises ist es, eine realitätsnahe Bewertung der Leistungsfähigkeit von Verglasung und Sonnenschutz zu erhalten. Die Veröffentlichung neuer Kennwerte ist in Vorbereitung.
Brandaktuell BF-Merkblatt 019/2015 – Glasbemesseung nach DIN 18008
Weiter stellte er den brandneuen Leitfaden zur Glasbemessung nach DIN 18008 vor. Das aktualisierte BF-Merkblatt 019/2015 (Änderungsindex 2, März 2026) wurde gerade veröffentlicht. Es enthält die Kommentierung aller Teile der DIN 18008 (inklusive aktueller Fassungen 2024/2026) mit konkreten Hinweisen für die Planung von Gläsern.
Diskussion um den Gebäudetyp E
Ein weiterer Schwerpunkt war die Diskussion um den Gebäudetyp E. Bei dessen Vorstellung vor einigen Monaten kam auch der Vorschlag auf, Fenster und Glasflächen für solche Bauten kleiner zu dimensionieren. Hier stellten die Referenten die Frage: Was macht Bauen überhaupt billiger? Werden Häuser mit kleineren Fenstern und kleineren Glasflächen sowie dem Verzicht auf Sonnenschutz wirklich günstiger?
Matthias Rehberger / GW
Wichtig ist – so das Ergebnis der Statements von Frank Lange, Jochen Grönegräs und Thomas Drinkuth (Leiter der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle), dass Fenster und Glas viel Tageslicht in Gebäude bringen. Das ist kein reiner Komfort, sondern steht auch für Wohnen, das die Gesundheit fördert und eine gute Wohnqualität bietet.
Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war die Betrachtung der eingesetzten Bauprodukte hinsichtlich der Nutzungsdauer und nicht nur der Neubaukosten. Am Beispiel des Fensters wurde deutlich: Ein zeitgemäßes Fenster mit optimierten Gläsern kann über die Lebensdauer ein Vielfaches an Kosten einsparen – gegenüber einem Billigfenster, das nur minimalen Standards genügt.
Jochen Grönegräs betonte: „Wir wollen einfaches Bauen und nicht schlechtes Bauen.“
Thomas Drinkuth verwies in diesem Zusammenhang auf den „Hamburger Standard“ als Modell, das den gesamten Bauprozess hinsichtlich Kosten und Abläufen untersucht. Die zentrale Frage bleibt: Was muss in der gesamten Prozesskette getan werden, damit der Bauablauf insgesamt günstiger wird?
Und Frank Lange unterstrich die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen. Die Politik müsse sicherstellen, dass sich auch abweichende Bauweisen – wie beim Gebäudetyp E – rechtssicher umsetzen lassen. Es braucht Rechtsklarheit für alle Beteiligten, insbesondere für Unternehmen, Bauunternehmen und Handwerker, die vom bestehenden Recht abweichen wollen.
Autor: Matthias Rehberger