Dünnglas und Leichtbau: Von der Vision zur Anwendung. Ein Schwerpunkt des Programms lag auf dem Leichtbau – insbesondere auf ultradünnem Glas, das sich zunehmend von der experimentellen Nische in Richtung marktreifer Anwendungen bewegt. Die Vorträge zeigten, wie sich filigrane Fassaden, adaptive Bauteile und energieeffiziente Konstruktionen mit minimalem Materialeinsatz realisieren lassen.
Dr. Thomas Schmid
Dünnglas eröffnet nicht nur neue gestalterische Möglichkeiten, sondern reduziert auch CO₂‑Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und wird dadurch ein interessantes Element für nachhaltiges Bauen.
Auch in Kombination mit intelligenten Fassadensystemen wird deutlich, wie stark die Branche auf funktionale Integration setzt: Glas wird nicht mehr nur als Hülle verstanden, sondern als aktives Bauteil, das Energie steuert, Räume reguliert und sich an wechselnde Umweltbedingungen anpasst. Ein Beispiel sind Fassadenelemente, die die Temperatur des Gebäudes von außen steuern und so die Energieverluste eines Gebäudes minimieren.
Recycling und Reuse: So sieht der Weg in die Kreislaufwirtschaft aus
Mindestens ebenso präsent war die Frage, wie Glas künftig in geschlossenen Stoffkreisläufen geführt werden kann. Neue Trenntechnologien, sortenreine Aufbereitung und erste Reuse‑Pilotprojekte zeigen, dass die Branche den Übergang zur Kreislaufwirtschaft ernsthaft angeht.
Besonders spannend: Die Wiederverwendung von Bauglas, lange Zeit als schwierig eingeschätzt, rückt durch neue Prüfmethoden und Festigkeitsbewertungen in greifbare Nähe. Damit kann ein völlig neues Kapitel im nachhaltigen Bauen entstehen, zur Zeit noch auf den universitären Einsatz beschränkt, aber mit Potenzial für die Zukunft.
Dr. Thomas Schmid
Die Workshops – kompakt, praxisnah und zukunftsorientiert
Vier Workshops boten einen schnellen, aber stark praxisorientierten Einblick in zentrale Zukunftsthemen:
„LCA zum Ausprobieren“: Die Teilnehmenden analysierten CO₂‑Emissionen, Energieverbrauch und Materialeinsatz und lernten, wie sich Optimierungspotenziale systematisch identifizieren lassen..
„VSG im Fokus – Worauf es wirklich ankommt!“: Ein kompakter Überblick über Herstellung, Aufbau und Qualitätsanforderungen von Verbundsicherheitsglas.
„Second Sight – Identifikation von Bruchursprüngen“: Gebrauchte Fensterscheiben wurden optisch untersucht, im Doppelring‑Biegeversuch geprüft und anschließend mikroskopisch analysiert. Das noch mit weiteren Daten zu untermauernde Ergebis – Mikroskopie eignet sich nicht zur Charakterisierung von gebrauchten Gläsern, was die Festigkeit angeht. „ThinLam –
Zukunftsszenarien adaptiver Fassaden“: Dieser Workshop widmete sich flexiblem Dünnglas und seiner Rolle in adaptiven Fassaden. Die Teilnehmenden entwickelten visionäre Konzepte, etwa zu neuen Lüftungssystemen, integrierter Photovoltaik oder Begrünung. Austausch, Atmosphäre und ein starker gemeinsamer Impuls
Neben den fachlichen Inhalten bot die Glasbau 2026 erneut ein Umfeld, das den Austausch fördert: lebhafte Gespräche in den Pausen, ein stimmiges Abendprogramm und Pecha‑Kucha‑Vorträge, die mit Energie und Begeisterung in den Abend führten.
Ausblick
Die Glasbau 2026 war mehr als eine Fachtagung. Sie war ein Signal, dass Innovation, Nachhaltigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit die Branche tragen – und dass Glas als Werkstoff noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen ist. Die Veranstaltung machte Mut und Lust auf die nächsten Schritte, die zweifellos ebenso spannend werden.
Autor: Dr. Thomas Schmid
Dr. Thomas Schmid