Jens-Uwe Geschonke: Für uns ist Nachhaltigkeit kein Entweder-oder. Als Familienbetrieb denken wir generationsübergreifend und nicht in kurzfristigen Gewinnmaximierungszyklen. Meine Söhne Lukas und Max sind bereits im Unternehmen und werden schrittweise an die Geschäftsführung herangeführt. Allein das sorgt automatisch für einen langfristigen Blick. Nachhaltigkeit ist für uns sowohl ein inneres Ideal als auch ein klares wirtschaftliches Ziel: unabhängiger von schwankenden Energiepreisen zu werden, planbarer zu wirtschaften und unser Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Umweltschutz darf keine Floskel sein, sondern muss ganzheitlich gedacht und konsequent umgesetzt werden. (…)
Glasvertrieb G&J GmbH
GW: Gab es kurzfristige Mehrkosten, und ab wann haben sich die Maßnahmen betriebswirtschaftlich gerechnet?
Geschonke: Ja, es gab anfänglich Mehrkosten. Wir denken aber nicht wie ein Konzern, bei dem sich Investitionen nach ein oder zwei Jahren rechnen müssen. Unser Ansatz ist langfristig. Erste wirtschaftliche Effekte haben sich dennoch relativ schnell gezeigt – vor allem durch die massive Reduktion der Energiekosten. (…)
GW: Wie wirkt sich heute bei Ihnen der Fokus auf Nachhaltigkeit auf Produktionskosten und Wettbewerbsfähigkeit aus?
Geschonke: Der Fokus auf Nachhaltigkeit hat uns eindeutig wettbewerbsfähiger gemacht. Während bei vielen Betrieben im Jahr 2022 die Energiepreise explodierten und ESG-Fertigungen zeitweise kaum noch profitabel waren, konnten wir die Kosten stabil halten. Unsere Investitionen haben uns unabhängiger gemacht. (…)
GW: Wie konnten Sie die Mitarbeitenden davon überzeugen, dass Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist?
Geschonke: Natürlich gab es anfangs auch Zweifel im Betrieb, das ist völlig normal. Entscheidend war, dass wir nicht nur darüber gesprochen, sondern Ergebnisse geliefert haben. (…)
GW: Welche Kennzahlen nutzen Sie, um den Erfolg Ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich zu bewerten?
Geschonke: Wir betrachten klassische Kennzahlen wie Energieverbrauch, Stromzukauf, Eigenstromerzeugung und Kostenentwicklung sehr genau. Gleichzeitig vergleichen wir konsequent mögliche CO₂-Einsparungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein persönlicher Ehrgeiz von uns ist es zudem, eine sehr gute EPD für unsere Produkte zu erreichen. (…)
Bundesverband Flachglas
GW: Welche weiteren nachhaltigen Maßnahmen planen Sie als Nächstes, und wo sehen Sie dabei die größten wirtschaftlichen Chancen?
Geschonke: Wir planen unter anderem den Einsatz von Batteriespeicherlösungen, alternativen Verpackungsmaterialien sowie eine KI-gestützte Tourenplanung mit Echtzeit-Optimierung. (…)
GW: Würden Sie rückblickend sagen, die Investitionen in Nachhaltigkeit haben sich gelohnt?
Geschonke: Auf alle Fälle! Wir sind heute unabhängiger, stabiler und besser für die Zukunft aufgestellt. Wir sind aber auch bereit, Mehrkosten für klimafreundlicheres Gas zu bezahlen. (…)
Das Gespräch führte Matthias Rehberger
Das vollständige Interview finden Sie in Kürze in der Printausgabe der GLASWELT.
Für Jens-Uwe Geschonke ist Nachhaltigkeit nicht nur eine Frage der Haltung ist, sondern dass nachhaltiges Handeln für ihn und seinen Familienbetrieb eine Frage der Zukunftsfähigkeit ist. Dabei denkt er nicht in Quartalszahlen, sondern in Generationen. Mit Blick auf seine Söhne, die bereits im Unternehmen aktiv sind, steht für ihn fest: Nachhaltiges Handeln ist heute sowohl ein Wirtschaftsfaktor als auch der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft. Für die praktische Umsetzung zahlreicher Maßnahmen wurde er dafür im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Für mich ist das ein schönes und nachahmenswertes Beispiel für ein Familienunternehmen.
Matthias Rehberger