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Holzbau eröffnet Holzfenstern neuen Wachstumsmarkt

Kai Pless (re.), Geschäftsführer des Bundesverband ProHolzfenster, Ende September auf einem Thementag des Verbands. Seine Forderung: „Der Holzbau darf nicht bei der Fensteröffnung enden.“

Bundesverband ProHolzfenster

Kai Pless (re.), Geschäftsführer des Bundesverband ProHolzfenster, Ende September auf einem Thementag des Verbands. Seine Forderung: „Der Holzbau darf nicht bei der Fensteröffnung enden.“

Der Holzbau gewinnt in Deutschland Marktanteile: 24,4 Prozent der genehmigten Wohngebäude entstehen inzwischen überwiegend in Holzbauweise. Holz- und Holz-Aluminium-Fenster kommen im Wohnungsneubau dagegen auf rund 17 Prozent. Der Bundesverband ProHolzfenster wertet diese Differenz als Hinweis auf ein Marktpotenzial, das die mittelständisch geprägte Fensterbranche bislang nicht ausschöpft.

Mehrgeschossiger Wohnungsbau bietet die größten Chancen

„In dem Segment, in dem das größte Wachstumspotenzial für den Holzbau steckt, steckt auch das größte Wachstumspotenzial für das Holzfenster“, sagt Kai Pless, Geschäftsführer von ProHolzfenster. „Gerade im mehrgeschossigen Wohnungsbau und bei Objektbauten kann das Holzfenster problemlos mitspielen.“

Rückenwind erhält der Markt, weil bei Planung und Vergabe nicht mehr allein Investitionskosten und Energieverbrauch zählen. Lebenszyklusanalysen, Treibhausgasemissionen, Reparierbarkeit und nachwachsende Rohstoffe gewinnen an Bedeutung. Holzfenster lassen sich über Jahrzehnte nutzen, reparieren und energetisch ertüchtigen. Das Rahmenmaterial speichert zudem biogenen Kohlenstoff.

Großprojekte wie der Luisenblock West im Berliner Regierungsviertel und das Büroensemble EDGE Südkreuz verbinden Holz- beziehungsweise Holzhybridbau mit Holz-Aluminium-Fenstern.

„Der Holzbau darf nicht bei der Fensteröffnung enden“, fordert Pless. Der Verband sieht darin auch ein industrielles Potenzial: Die deutsche Holzfensterbranche ist stark mittelständisch geprägt und verfügt über Produktionskapazitäten, Know-how und regionale Wertschöpfung.

Entscheidungen fallen in der Planung

Noch ist das Holzfenster im Holzbau keine Selbstverständlichkeit. Ein wesentliches Hemmnis sieht die Branche in etablierten Planungs- und Vergaberoutinen. Gregor Bröcking, Geschäftsführer des münsterländischen Fensterbauunternehmens Bröcking, beobachtet in Ausschreibungen häufig übernommene oder standardisierte Vorgaben. Sein Unternehmen fertigt mit rund 70 Mitarbeitenden ausschließlich Holz- und Holz-Aluminium-Fenster. Die Vorgaben bilden aus seiner Sicht die technischen Möglichkeiten moderner Holzfenster nicht immer angemessen ab. Die Fensterbranche müsse deshalb früher mit Architektinnen, Architekten und Planenden ins Gespräch kommen. Entscheidend seien Aufklärung und Wissenstransfer.

Auch überholte Vorstellungen über Wartung und Pflege beeinflussen die Materialwahl. Moderne Holzfenster müssen nicht im Abstand weniger Jahre komplett neu gestrichen werden. Die Intervalle hängen von Konstruktion, Bewitterung und Beschichtung ab. Bei Holz-Aluminium-Fenstern schützt eine äußere Aluminiumschale das Holz zusätzlich.

Ist ein Rahmenmaterial erst in Planung und Ausschreibung gesetzt, lässt sich die Entscheidung später nur schwer ändern. ProHolzfenster hält deshalb die frühe Planungsphase für entscheidend.

Förderung soll das ganze Gebäude erfassen

Bund und Länder unterstützen klimafreundliches Bauen und teilweise gezielt den Einsatz von Holz. Stephan Gerwens, Geschäftsführer der Terhalle Tischlerei GmbH, plädierte bei einem gemeinsamen Thementag von ProHolzfenster und der Terhalle Unternehmensgruppe dafür, die Förderlogik auf das gesamte Gebäude zu beziehen. Wenn die Politik den Einsatz von Holz im Bau unterstütze, stelle sich die Frage, warum Holz- und Holz-Aluminium-Fenster nicht stärker einbezogen würden.

„Wenn der Staat die Speicherung von Kohlenstoff in hölzernen Bauteilen fördern will, sollte diese Logik nicht an der Fensteröffnung enden“, betont Pless. „Wir brauchen Förderbedingungen, die das Gebäude als Ganzes betrachten.“

Neue Regelwerke binden Ressourcen

Gleichzeitig muss sich die Branche binnen kurzer Zeit mit mehreren neuen europäischen Regelwerken auseinandersetzen: der EmpCo-Richtlinie zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen, der Verpackungsverordnung der Europäischen Union (EU), der EU-Entwaldungsverordnung EUDR und der neuen europäischen Bauproduktenverordnung.

„Kleine und mittelständische Betriebe müssen einen immer größeren Teil ihrer Ressourcen in Nachweise und Dokumentationspflichten stecken“, kritisiert Pless. „Wer nachhaltige Bauprodukte im Markt stärken will, muss die Regulierung praxistauglich und möglichst unbürokratisch gestalten.“

Verband erwartet steigende Nachfrage

Für ProHolzfenster überwiegt dennoch die Marktchance. Der steigende Holzbauanteil, strengere Anforderungen an die Klimabilanz von Gebäuden und die zunehmende Lebenszyklusbetrachtung könnten die Nachfrage nach Holz- und Holz-Aluminium-Fenstern deutlich erhöhen. Pless resümiert: „Der Holzbau zeigt, dass sich die Materialwahl im Bau verändert. Für unsere Branche kommt es jetzt darauf an, aus dieser Entwicklung einen größeren Marktanteil zu machen.“

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