Gleich zu Beginn steht ein echtes römisches Trinkglas in der Vitrine. Und es ist grünlich. „Die Römer hatten keinen Zugang zu Mangan, sie konnten das Glas also nicht entfärben“, erklärt Troels Rasmussen und der muss es wissen, denn er ist Historiker und Head of Company History der VKR-Gruppe. Eisenoxid im Rohstoff sorgt dann für den Grünstich. Das daneben gezeigte römische Fensterglas ist eine Kopie, aber die Farbe passt zum Original: durchscheinend, nicht durchsichtig. Licht kam rein, Aussicht gab es keine – man begreift sofort, was frühes Glas leisten sollte und was nicht.
Der Mythos vom fließenden Glas
Daniel Mund / GW
Gezeigt wird in diesem einzigartigen Museum auch die verkleinerte Kopie eines realen Kirchenfensters. Troels Rasmussen hätte lieber eine Komplettkopie gehabt, das war nicht machbar. Interessant ist die Ökonomie dahinter: Beim sogenannten „Kronglas“ bzw. dem Zylinderblasverfahren wurden die Scheiben aus einer geblasenen Glasscheibe herausgeschnitten. Die Stücke waren nicht gleich viel wert – das hier gezeigte gehörte zu den günstigeren Zuschnitten, die teuersten stammten aus einem anderen Bereich der Scheibe. Und weil dieses Glas ungleichmäßig dick war, an einem Ende stärker als am anderen, hält sich bis heute hartnäckig die Erzählung, Glas sei eine Flüssigkeit und fließe über die Jahrhunderte nach unten. Ist es nicht. War es nie.
Sainte-Chapelle: Licht als Gottesbeweis
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Wir sind schließlich im schönsten Raum der Ausstellung angekommen. Hier hängt eine originalgetreue Kopie eines Panels aus der Pariser Sainte-Chapelle. Die Stiftungen des Hauses hatten die Restaurierung der dortigen Verglasung zwischen 2008 und 2014 unterstützt; der CEO von Velux Frankreich fragte anschließend bei den französischen Glasmachern nach einer Kopie. Man bekam sie, so etwas hat kaum ein Museum. Gezeigt wird weniger das Fenster als seine Wirkung: Sonnenlicht, gefiltert durch farbiges Glas, im Kirchenraum. „So kam man mit Gott in Verbindung. Das ist Gottes Licht.“
1638, geliehen und niemals zurückgefordert
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Das älteste Originalfenster des Hauses stammt aus dem Jahr 1638 und kommt aus dem dänisch-deutschen Grenzraum. Die charakteristischen Ausarbeitungen findet man in Nordschleswig und in Friesland, im Marschgebiet. Es gehört gar nicht dem Museum, sondern dem Dänischen Nationalmuseum, der Leihvertrag wird aber laufend erneuert.
Dazu eine Beobachtung, die ich so noch nicht kannte: In alten niederländischen Dokumenten ist belegt, dass Fensterrahmen und Glas derart teuer waren, dass sie nicht selbstverständlich zum Haus gehörten. „Wollte der neue Eigentümer nicht genug zahlen, hat man die Rahmen ausgebaut und ins nächste Haus mitgenommen“, so Rasmussen. Ähnliches soll es in Deutschland und der Schweiz gegeben haben.
Barock: Selfie im Spiegelsaal
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Für die Barockzeit fehlte lange die passende Idee im Museum. Gefunden wurde sie an Metrozügen in Paris, deren Gestaltung den Spiegelsaal von Versailles zitierte. Genau das gibt es nun auch hier – mit etwas Glück gelingt darunter ein brauchbares Selfie.
Vor allem aber erklärt der Raum in Sekunden, was große Fenster des 17. Jahrhunderts in Kombination mit Spiegeln mit dem Licht anstellen.
Dann ein klassizistisches Fenster, Baujahr: 1850er-Jahre – für die Stilepoche eigentlich schon spät dran. „Viele Fenstertypen liefen noch 50 Jahre weiter, nachdem sie aus der Tradition gefallen waren.“ Es ist ein bemerkenswert gut gestaltetes Fenster: reichlich Licht, gleichmäßig verteilt, und trotzdem eine sehr intime Lichtstimmung. Das liegt an den Sprossen, die so profiliert sind, dass sie das Licht streuen. Ein Fenstertyp, der vom 18. bis ins 19. Jahrhundert prägend blieb.
Nebenbei ein Unterschied, über den man in Deutschland zu wenig nachdenkt: In Dänemark sitzt das Fenster außen bündig in der Fassade. In Deutschland liegt es in der Leibungsmitte, mit äußerer Fensterbank davor. Skandinavien und die Britischen Inseln machen es auf die eine Art, der Kontinent auf die andere.
Jacques Gruber und der Anruf von Le Figaro
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Ein paar Schritte weiter steht eines der Stücke des Hauses, in die ich mich schockverliebt habe: Ein Jugendstilfenster aus Frankreich, wahrscheinlich aus Paris. Über die Herkunft weiß man wenig – über den Gestalter alles: Jacques Gruber, einer der berühmtesten Glaskünstler Frankreichs. „Zu unserem 75-jährigen Jubiläum war Le Figaro für ein Interview hier“, erzählt er. „Als die Journalisten das Fenster sahen, waren sie so beeindruckt, dass sie nur noch eines wissen wollten: Was habt ihr dafür bezahlt?“ Er nannte daraufhin eine Größenordnung, wie sie für solche Stücke üblich ist – und die stand dann eben auch in der Zeitung.
Die Folge kam prompt. Auf einmal meldeten sich reihenweise Personen, die dem Haus selbst ein Fenster andienen wollten. Im Kollegium hielt sich die Begeisterung darüber in Grenzen. „Ich hatte die Summe wohl etwas zu deutlich erwähnt“, sagt Rasmussen und grinst.
Für die Fensterbranche relevant: In dieser Jugendstil-Epoche entstanden unzählige Oberlichter und Dachverglasungen. Handwerk, Einzelstücke. Die Industrialisierung des Dachfensters kam erst danach.
1942: Das Dachfenster wird demokratisiert
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Der Übergang ins nächste Kapitel ist wörtlich zu nehmen – man hört ihn. Im Hintergrund läuft ein früher Velux-Radiospot von 1962, den Velux in Hamburg einsetzte. Und hier ist dann auch das erste Velux-Dachfenster von 1942 zu besichtigen. Troels Rasmussen ordnet ein: Es war nicht das erste Dachflächenfenster überhaupt. Aber das erste standardisierte, mit Blechverkleidung außen und Holz innen. „Das erste moderne Fenster für Wohnräume unter dem Dach.“
In Deutschland traf das nach dem Krieg auf einen Bedarf, den man kaum überschätzen kann. Ausbauen ist die günstigste Art zu bauen. Das richtige Produkt im richtigen Moment. Manche Architekten scheuten sich zwar noch unter dem Dach Wohnraum zu schaffen. Die Erinnerung an die Bombennächte saß tief. Doch der Wohnungsbedarf war größer als die Bedenken, und binnen weniger Jahre verbreitete sich das Produkt rasend schnell. Der eigentliche Umbruch war aber ein sozialer. Mads Kann-Rasmussen, Chair of the Board der VKR Holding: „Vorher wohnten unter dem Dach die Armen und die Dienstboten. Es war vor allem dunkel unter dem Dach.“ Mit dem Velux-Fenster kam das Licht und so wurde aus dem Dachboden das elegante Penthouse, der Ort, an dem man wohnen will. „Das verändert die Struktur des ganzen Gebäudes,“ so der Enkel des Velux-Gründers Villum Kann-Rasmussen, nach dem dieses auch Museum benannt ist.
Vakuumglas für denkmalgeschützte Häuser
Daniel Mund / GW
Und dann steht da ein Exponat, das gar nicht zur Dauerausstellung gehört und ganz neu ist. „Das Produkt haben wir erst diese Woche in Großbritannien eingeführt“, sagt Mads Kann-Rasmussen. Speziell für listed buildings – denkmalgeschützte Gebäude. Mit Vakuumglas.
Der Grund: Wenn eine Dreifachscheibe die Treppen hinaufgetragen werden muss, wird es schnell unpraktikabel. „Mit Vakuum ist es sehr viel besser. Und man kommt näher an das originale gusseiserne Fenster heran.“ Auf die Frage, ob das VIG auch für den „normalen Markt“ bei Senkrecht-Fenstern relevant werden könnte, antwortet Kann-Rasmussen skeptisch: Das größte Hindernis sei die Tatsache, dass Vakuumisolierglas sich konstruktionsbedingt nur in begrenzten Abmessungen herstellen lässt. Der Markt will aber genau das Gegenteil – große Elemente. Beim Dachfenster sei die Sache beherrschbarer – die Formate sind kleiner und standardisierter
Allen, die geschäftlich oder privat in der Nähe von Kopenhagen sind, hier mein Tipp: Die Villum Window Collection ist ein „Must See“ auf jeder Bucket-List eines Fenster-Begeisterten.