Der Holzfensterbau in Deutschland steht vor einem spannenden Umbruch. Beim ProHolzfenster-Partnerkongress 2026 in Wertheim kamen über 150 Branchenexpertinnen und -experten zusammen, um über die Zukunft der Branche zu diskutieren. Im Fokus standen die Themen Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit, die die Richtung für die kommenden Jahre vorgeben. Veranstalter war der Bundesverband ProHolzfenster, unterstützt durch die Firmen Warema und Weinig AG.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Schlüsselthemen
Daniel Mund / GW
Angelique Renkhoff-Mücke, Geschäftsführerin von Warema, betonte in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung der Digitalisierung: „Ohne sie geht nichts mehr.“ Gleichzeitig erinnerte sie daran, den Klimawandel trotz anderer Krisen nicht aus dem Blick zu verlieren: „Er schreitet weiter voran, und wir können einen Beitrag leisten.“ Für die Branche sei der Austausch untereinander entscheidend, um Lösungen zu entwickeln.
Michael Bock, Geschäftsführer der Weinig Vertrieb und Service GmbH, sprach über technologische Innovationen wie Robotik, erweiterte CNC-Technik und sogar das „Drucken von Holz“ mittels 3D-Technologien. Diese Entwicklungen könnten die Produktion grundlegend verändern und die Qualitätssicherung automatisieren.
Diversifikation und neue Märkte
Daniel Mund / GW
Jakob Schöffel, Geschäftsführer eines Familienunternehmens, zeigte in seiner Keynote, wie strategische Diversifikation ein Erfolgsrezept für Unternehmen sein kann. Statt neue Produktkategorien zu erschließen, setzt er auf die Erschließung neuer Märkte basierend auf vorhandenen Kernkompetenzen. Seine drei Geschäftsbereiche – Sport, Tech und Pro – stärken das Unternehmen durch unterschiedliche Zielmärkte und bieten Stabilität in unsicheren Zeiten.
Medienexperten moderieren Fachsessions
Ein besonderes Format prägte den zweiten Kongresstag: Drei Deep-Dive-Sessions wurden von Chefredakteuren und einem Redakteur verschiedener Branchenmedien moderiert. CR Holger Dirks von der GFF leitete die Session „Produktivität, Digitalisierung & Mitarbeiterbeteiligung“, CR Daniel Mund von der GW moderierte „Nachhaltigkeit & Kreislaufwirtschaft“ und Stefan Kirchner von Bauelemente Bau führte durch „Personal, Organisation & Personalentwicklung“.
Diese mediengeleiteten Sessions ermöglichten einen besonders praxisnahen Austausch zwischen Herstellern, Zulieferern und Fensterbauern. Praxisbeispiele von Stefan Nickel (Warema), Rolf Egerter (Weinig) und Florian Murr (Heiss Fensterbau) zeigten, wie durchgängige Prozesse Produktivität und Kundenerlebnis steigern.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Nachhaltigkeit war ein zentrales Thema, insbesondere der Verzicht auf biozidhaltige Imprägnierungen bei Holzfenstern. Es wurde deutlich, dass besonders langlebige Holzarten wie Eiche chemiefreie Lösungen ermöglichen und Verbraucher zunehmend nachhaltige Produkte nachfragen. Zudem gewinnt die stoffliche Verwertung von Holzfenstern an Bedeutung. Der digitale Produktpass in Form von Anwendungssoftwaren wie ID4Win könnte hier zukünftig eine Schlüsselrolle spielen, um Recycling zu fördern und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Studie zur stofflichen Verwertung von Altholzfenstern
Der Bundesverband ProHolzfenster e.V. initiiert in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL) sowie dem Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) eine umfassende Studie zur stofflichen Verwertung von Altholzfenstern. Ziele der Studie: IST-Analyse zu Holzfenstern und Recycling, inklusive kritischer Substanzen wie PCP, Lindan, Schwermetalle und halogenorganische Verbindungen. Umfragen mit Stakeholdern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Chemische Analysen und Empfehlungen zur stofflichen Verwertung. Erstellung eines Leitfadens für Fensterhersteller mit praxisnahen Lösungen für Recycling und nachhaltige Produktionsprozesse. Bearbeitungszeitraum: 02/2026 bis 10/2026.
Ansprechpartner: Dr. Wolfram Scheiding (wolfram.scheiding@ihd-dresden.de) und martina.broege@ihd-dresden.de
Fachkräfte und Organisation im Wandel
Neben technischen Themen wurden auch Strategien zur Mitarbeitergewinnung und -bindung diskutiert. Neue Arbeitszeitmodelle wie die 4- und 6-Tage-Woche sowie bessere Kommunikation in der Prozesskette wurden als zentrale Punkte für die Zukunft der Branche identifiziert.
Der Kongress zeigte klar: Der Holzfensterbau steht vor spannenden Herausforderungen, die durch technologische Innovationen, Nachhaltigkeit und bessere Kommunikation geprägt sind. „Holz- und Holz-Alu-Fenster überzeugen durch Qualität, Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit“, resümierte ProHolzfenster-Vorstand Eduard Appelhans.
Ausführlichere Einblicke und Analysen zum Branchentreff finden Sie in unserer Maiausgabe, die am 7. Mai erscheint.