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Richtig lüften bei Hitze: Experten im Streit

Mythos 1: „Tagsüber Fenster schließen ist immer richtig.“

Fakt: Hier gehen die Meinungen auseinander. Institutionen wie das Umweltbundesamt und die WHO empfehlen, Fenster tagsüber geschlossen zu halten, um heiße Außenluft und Sonnenstrahlen auszusperren. 
Wetterexperte Jörg Kachelmann hält diesen Ansatz für gefährlich, da geschlossene Fenster die Luftfeuchtigkeit erhöhen und die Luftqualität verschlechtern könnten. Er rät, auch tagsüber regelmäßig zu lüften, besonders bei schwüler Hitze. 

Kachelmanns Tipp: „Folgen Sie Ihrem Instinkt: Wenn die Luft in der Wohnung stickig wird, öffnen Sie die Fenster – Frischluft und Luftbewegung sind essenziell, besonders für ältere Menschen.“

Mythos 2: „Durchzug bringt immer Abkühlung.“

Fakt: Durchzug ist ein effektives Werkzeug, aber nur unter den richtigen Bedingungen. Laut Umweltbundesamt sollte er vor allem nachts oder frühmorgens genutzt werden, wenn die Außenluft kühler ist als die Innenluft. 
Kachelmann sieht das anders: Er betont, dass Durchzug auch tagsüber hilfreich sein kann, um Feuchtigkeit und Schadstoffe aus der Luft zu entfernen und die Raumluft zu verbessern. 

Mythos 3: „Keller und Souterrainräume sind immer kühl und sicher.“

Fakt: Warme Sommerluft, die in Keller- oder Souterrainräume gelangt, kann an den kühlen Wänden kondensieren und Schimmel fördern. Das Umweltbundesamt empfiehlt, solche Räume nur in kühlen Zeitfenstern zu lüften und von wärmeren Räumen abzutrennen. 
Kachelmann warnt jedoch davor, diese Räume komplett von Frischluft abzuschneiden. Eine Mindestlüftung sei auch hier wichtig, um die Luftqualität zu erhalten. 

Mythos 4: „Ventilatoren sind bei Hitze immer hilfreich.“

Fakt: Ventilatoren senken nicht die Raumtemperatur, sondern die gefühlte Temperatur am Körper, indem sie die Verdunstung von Schweiß fördern. WHO und Umweltbundesamt warnen vor Ventilatornutzung bei Temperaturen über 35–40 °C, da sie dann die Belastung erhöhen könnten. 
Kachelmann widerspricht: Ventilatoren verbessern die Luftzirkulation und sind auch bei hohen Temperaturen sicher. Die Angst vor einem „steifen Hals“ sei unbegründet.

Mythos 5: „Innenliegende Beschattung reicht aus.“

Fakt: Außenliegende Verschattung ist deutlich effektiver als innenliegende Lösungen. Sie verhindert, dass Sonnenstrahlen die Fenster durchdringen und die Räume aufheizen. Laut Umweltbundesamt und dem österreichischen Klimaschutzministerium ist eine außenliegende Beschattung die beste Strategie, um die Innenraumtemperatur zu senken.
Kachelmann ergänzt: „Stehende Luft ist bei Hitze besonders belastend. Neben Beschattung sollte immer für Luftbewegung gesorgt werden.“ 

Mythos 6: „Fenster kippen ist besser als Stoßlüften.“

Fakt: Stoßlüften ist deutlich effizienter, um Schadstoffe und feuchte Luft aus dem Raum zu bekommen. Gekippte Fenster bieten nur langsamen Luftaustausch und lassen tagsüber oft warme Luft eindringen. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher regelmäßiges Stoßlüften, wenn Schadstoffe oder Feuchtigkeit ansteigen. 
Kachelmann betont: „Lüften Sie lieber intensiv und sorgen Sie für Bewegung in der Luft – auch tagsüber, wenn nötig.“

„Die größte Gefahr bei Hitze sind nicht nur hohe Temperaturen, sondern auch Feuchtigkeit, schlechte Luftqualität und mangelnde Luftbewegung. Lüften Sie regelmäßig, sorgen Sie für Durchzug und nutzen Sie Ventilatoren – auch tagsüber. Niemand wird krank durch Frischluft oder Wind.“

Kachelmanns zentrale Botschaft

Quellen:

Zusätzliche Tipps:

  • Außenverschattung nutzen: Fensterläden, Rollos oder Sonnensegel sind besonders effektiv.
  • Elektrische Geräte abschalten: Vermeiden Sie unnötige Wärmequellen im Raum.
  • Nachts lüften: Nutzen Sie die kühleren Stunden für eine intensive Lüftung.
  • Raumwechsel: Ist ein Raum zu heiß, ziehen Sie in den kühlsten Raum der Wohnung um.
  • Ventilatoren einsetzen: Sorgen Sie für Luftbewegung, auch wenn die Temperaturen hoch sind.
Chefredakteur Daniel Mund
Das Thema Lüften bei Hitze zeigt: Es gibt keinen universellen Ansatz. Während Institutionen wie das Umweltbundesamt und die WHO für tagsüber geschlossene Fenster und Nachtlüftung plädieren, hebt Jörg Kachelmann die Bedeutung von Frischluft und Luftzirkulation hervor – auch tagsüber. Testen Sie, welche Methode für Ihre Wohnung am besten funktioniert, und kombinieren Sie beide Ansätze.