Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) entwickelt ein digitales Werkzeug namens „FensterKlang", das die Schalldämmung von Fenstern hörbar macht. Damit sollen Kunden künftig ohne akustisches Fachwissen beurteilen können, welches Fenster für ihre spezifische Lärmsituation den optimalen Schutz bietet.
Bisher wird die Schalldämmung anhand von Messergebnissen frequenzabhängig bestimmt und über eine normierte Bezugskurve zu einem Einzahlwert Rw für Schallschutzklassen zusammengefasst. Doch inwieweit die subjektiv wahrgenommene Schalldämmung geeignet ist, um bei der Geräuschsituation vor Ort bestmöglichen Schallschutz zu erreichen, lässt sich anhand dieses Einzahlwertes nur eingeschränkt beurteilen.
Zielgerichteter Schutz vor spezifischen Lärmquellen
Das Konzept „FensterKlang" soll die gezielte Reduzierung von Lärmbelastung ermöglichen und eine wirtschaftliche sowie nachhaltige Fensterauswahl unterstützen. Dabei werden sowohl die situationsabhängige Geräuschemission als auch die persönliche, subjektive Wahrnehmung berücksichtigt.
Besonders relevant wird dies bei modernen Lärmquellen wie Wärmepumpen, die über rotierende Elemente verfügen und tonale, damit besonders störende Geräusche erzeugen können. Durch die gezielte Abstimmung der Fenster mit dem methodischen Ansatz von „FensterKlang" kann die technische Entwicklung der Industrie interdisziplinär unterstützt und der individuell bestmögliche Schallschutz erreicht werden.
Psychoakustik aus der Automobilindustrie für den Fensterbau
Das Fraunhofer IBP entwickelt weitere Ziel- und Bewertungsgrößen auf Basis objektiver und wahrnehmungsgetriebener Geräuschanalysen. Grundlage bildet das Themenfeld der Psychoakustik, das bereits seit vielen Jahren in der Automobilindustrie für die Produktentwicklung eingesetzt wird.
Daraus entsteht eine wissenschaftliche Beratungs- und Begleitungsleistung für die Industrie, die von etablierten Ansätzen für eine Produktentwicklung im Kontext der Bauakustik profitiert. Professionelle Wahrnehmungsstudien mit Probandinnen und Probanden runden diese Beratungs- und Entwicklungsleistung ab.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit im akkreditierten Prüflabor
Fraunhofer IBP
Das Konzept „FensterKlang" erweitert die akustische Prüfung von Bauteilen auf Basis von Messungen um subjektive, wahrnehmungsbezogene Größen. Das akkreditierte Prüflabor Bauakustik und Schallimmissionsschutz des Fraunhofer IBP verfügt über mehrere Akustik-Labore, darunter einen Prüfstand zur Messung der Schalldämmung von Fenstern.
Die Erweiterung der Labormessergebnisse führt die Expertinnen und Experten der Bau- und Raumakustik sowie der Psychoakustik am Fraunhofer IBP interdisziplinär zusammen. Dabei kommen jahrelange Erfahrungen mit akustischer Messtechnik, deren normgerechtem Einsatz sowie der Planung, Umsetzung und statistischen Auswertung von Wahrnehmungsstudien zum Einsatz.
Kontakt: David Goecke, Abteilungsleitung Akustik, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP