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Leibniz-Institut für Plasmaforschung + Technologie

Plasma statt Erdgas für emissionsärmere Glasproduktion

Im Projekt Plas4Glas wird eine Alternative zu herkömmlichen Gasbrennern entwickelt, so dass die benötigte Prozesswärme künftig mithilfe vom Plasma emissionsfrei erzeugt werden kann. Plasma als energiereicher, angeregter Zustand der Materie kann elektrische Energie direkt in Wärme umwandeln. Ziel ist es, in ausgewählten Hochtemperaturprozessen CO₂-Emissionen und schädliche Stickoxide deutlich zu verringern.

„Mit Plas4Glas wollen wir eine technische Lösung entwickeln, die zu den Anforderungen industrieller Prozesse passt“, sagt Dr.-Ing. Diego Gonzalez, Leiter des Projekts am INP. „Unser Ansatz ist, elektrische Energie so in Prozesswärme zu überführen, dass Hochtemperaturprozesse auch dort elektrifiziert werden können, wo klassische Ansätze bislang an Grenzen stoßen.“

Ein erstes Anwendungsfeld ist der Formungsprozess bei der Herstellung von Mikroglaskugeln, die u.a. für Straßenmarkierungen eingesetzt werden. Gerade in solchen nachgelagerten Prozessen und in der Weiterverarbeitung gibt es bislang kaum Ansätze zur Elektrifizierung. Plas4Glas untersucht deshalb, wie sich plasmabasierte elektrische Verfahren auch hier technisch und wirtschaftlich einsetzen lassen.

Und was ist mit Plasma-Einsatz in der Floatglas-Herstellung?

Auf die Frage der GW an die Projektverantwortlichen, ob bei der Floatglas-Herstellung auch Plasmatechnologie statt Erdgas eingesetzt werden kann, sagte Plas4Glas Projektleiter Dr. Diego Gonzalez: „Diese Frage können wir noch nicht mit einem ja oder nein beantworten. Dafür stehen wir noch zu weit am Anfang. Prinzipiell es ist jedoch beabsichtigt, die Plasmatechnologie neben der Formung auch für andere Bereiche der Glasindustrie weiter zu entwickeln. Floatglas hat die Besonderheit, dass aufgrund der sehr großen Produktionsmengen eine Elektrifizierung des Schmelzprozesses noch sehr schwierig ist. Für die Bereiche von Läuterung/Temperung usw., die auch mit Gasflammen erhitzt werden, kann ich mir ein Ersatz mit Plasmabrennern sehr gut vorstellen. Dies ist also als weitere Anwendungsfeld im Projekt vorgesehen. Zusammenfassend: eine Adaption an bestimmte Bereiche der Floatglas-Produktion erscheint uns realisierbar und wird im Laufe des Projekts betrachtet.“

Über das Plas4Glas Projekt

Plas4Glas wird vom Bundesforschungsministerium im Rahmen der Fördermaßnahme „KlimPro-Industrie – Vermeidung von klimaschädlichen Prozessemissionen in der Industrie“ gefördert. Es läuft von November 2025 bis Oktober 2029 und hat ein Gesamtvolumen von 1,6 Mio. Euro.

Verbundkoordinator ist die Kjellberg Finsterwalde Plasma und Maschinen GmbH. Projektpartner sind außerdem die Swarco Schönborn GmbH und Heinz-Glas GmbH & Co. KGaA sowie das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V. Das INP bringt seine Expertise in den Bereichen thermische Plasmatechnologien, Simulation der Plasma-Glas-Wechselwirkung und optische Diagnostik in das Vorhaben ein. Perspektivisch kann die entwickelte Technologie auch für weitere gasbrennerbasierte Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse in der Grundstoffindustrie interessant werden.