Die CE-Kennzeichnung ermöglicht Fensterherstellern den freien Warenverkehr in Europa – doch für den deutschen Markt ist sie nur der erste Schritt. Nationale Bauordnungen definieren zusätzlich, ob und wie Fenster tatsächlich verbaut werden dürfen. Diese doppelte Anforderungsebene führt zu einem komplexen Geflecht aus Normen und Nachweisen, das bereits in der Produktentwicklung berücksichtigt werden muss.
"Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass die CE-Kennzeichnung als Genehmigung für die Verwendung interpretiert wird. Tatsächlich zeigt die CE-Kennzeichnung, dass für das Bauprodukt eine Leistungserklärung nach einschlägigen harmonisierten technischen Spezifikationen erstellt wurde", erklärt Jürgen Zandanell, Prokurist sowie Leiter Bau- & Umwelttechnik bei gbd PTA.
Die CE-Kennzeichnung weise bei Fenstern technische Eigenschaften wie Wärmedämmung, Luftdichtheit, Schallschutz oder Einbruchschutz aus – "nicht jedoch, ob ein Produkt im konkreten Bauvorhaben verwendet werden darf", so Zandanell weiter.
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Nationale Besonderheiten bremsen europäische Harmonisierung
Während die europäische Bauprodukteverordnung die technischen Eigenschaften von Fenstern regelt, bestimmen nationale Bauordnungen die tatsächliche Verwendbarkeit. Diese Unterscheidung wird besonders bei neuen Fenstersystemen, erweiterten Glasformaten oder speziellen Beschlagsystemen relevant. Bereits geringfügige Änderungen an Profilen oder Verglasungen können zusätzliche Prüfungen oder Bewertungen erforderlich machen.
"Vor allem bei neuen Produkten zeigt sich, wie wichtig eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den regulatorischen Anforderungen ist. Wer hier zu spät ansetzt, riskiert aufwendige Anpassungen und Verzögerungen im Zulassungsprozess", betont Zandanell.
Besonders kritisch wird es bei der Befestigung von Fenstern in der Gebäudehülle. Hier müssen sowohl die europäischen technischen Bewertungen als auch nationale Verwendbarkeitsnachweise für Befestigungssysteme und Anschlagsdübel stimmen.
Prüfstellen als Partner für Fensterhersteller
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Unabhängige Prüf- und Zertifizierungsstellen übernehmen eine Schlüsselrolle bei der Navigation zwischen den Regelwelten. Sie entwickeln produktspezifische Prüfkonzepte für Fenster und führen Versuche von klassischen Festigkeitsprüfungen über Schlagregentests bis hin zu mehrmonatigen Alterungsprüfungen durch.
"Die Aufgabe besteht darin, objektive und reproduzierbare Ergebnisse zu liefern. Nur so entsteht eine verlässliche Grundlage für Leistungsbewertungen und Zulassungsentscheidungen", erläutert Zandanell.
Der Prüfprozess für Fenster erfordert lückenlose Dokumentation und muss den gesamten Lebenszyklus abbilden – von U-Werten über Dauerhaftigkeit der Profile bis zum Verhalten der Dichtungen unter Witterungseinflüssen.
Häufige Fehler im Fensterbau vermeiden
Viele Probleme entstehen bereits in frühen Entwicklungsphasen, wenn Fensterhersteller normative Anforderungen zu spät berücksichtigen. Die unzureichende Abgrenzung zwischen CE-Kennzeichnung und nationalen Anforderungen führt besonders bei neuen Profilsystemen oder Verglasungslösungen zu nachträglichen Anpassungen und Verzögerungen.
"Je früher eine Prüfstelle in den Entwicklungsprozess eingebunden sind, desto effizienter lassen sich Prüfkonzepte gestalten und Risiken minimieren. Das spart Zeit, Kosten und vermeidet unnötige Iterationen", so Zandanell.
Typische Stolpersteine für Fensterhersteller sind unvollständige Leistungserklärungen, fehlende Nachweise für Befestigungssysteme oder unzureichende Dokumentation der werkseigenen Produktionskontrolle.
Steigende Komplexität durch neue Regelwerke
Mit der Bauprodukteverordnung 2024 besteht derzeit eine Parallelregelung zur bisherigen Verordnung von 2011. In der Übergangsphase gelten teilweise parallele Regelungen für Leistungserklärungen und CE-Kennzeichnungen von Fenstern, bis neue harmonisierte Spezifikationen wirksam werden.
Gleichzeitig gewinnen Umwelt- und Nachhaltigkeitsanforderungen an Fenster sowie Digitalisierung an Bedeutung. Neue Materialien wie Kunststoff-Holz-Verbunde oder smarte Fenstersysteme mit integrierten Sensoren bringen standardisierte Prüfverfahren an ihre Grenzen und erfordern flexible, entwicklungsbegleitende Prüfansätze.
Für Fensterhersteller wird die frühzeitige Integration von Prüf- und Bewertungskompetenz in den Entwicklungsprozess damit zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor – nicht nur für die Regelkonformität, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit am hart umkämpften Fenstermarkt.
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