Das PfB Prüfzentrum für Bauelemente hat eine neue Richtlinie „Hochwasserbeständige Abschlüsse – Anforderungen, Prüfung, Klassifizierung" entwickelt, die erstmals einheitliche Standards für die Bewertung von Hochwasserschutzsystemen schafft. Die technische Grundlage ermöglicht es Herstellern, die Leistungsfähigkeit ihrer Türen, Fenster, Tore und Fassaden unter Hochwasserbeanspruchung nachvollziehbar zu dokumentieren und damit eine Marktlücke zu schließen, die durch die zunehmenden Extremwetterereignisse immer dringlicher wurde.
Realistische Hochwasserszenarien im Prüflabor
Die neue Richtlinie berücksichtigt die verschiedenen Arten von Hochwasserereignissen, die in der Praxis auftreten: Starkregen, anhaltende Niederschläge, über das Ufer tretende Flüsse, anschwellende Bäche oder steigende Grundwasserstände stellen manche Gebäude regelmäßig, andere schlagartig vor zusätzliche Herausforderungen. Besonders kritisch sind dabei die Gebäudeabschlüsse, über die Wasser in das Bauwerk eindringen kann.
Das Prüfverfahren deckt sowohl die Beanspruchung durch stehendes beziehungsweise drückendes Wasser in Kellerschächten, Garagenabfahrten oder tieferliegenden Gebäudeteilen ab als auch die zusätzlichen Belastungen durch fließende Gewässer. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Einwirkungen durch Treibgut, die prüftechnisch nachgestellt werden können. Angeschwemmte Gegenstände führen zu zusätzlichen Stoßbelastungen auf Abschlüsse und Schutzsysteme, die in bisherigen Prüfnormen nicht berücksichtigt wurden.
Damit können wesentliche Szenarien betrachtet werden, die bei realen Hochwasserereignissen auftreten und zu hochwasserspezifischen Beanspruchungen der Abschlüsse führen. Diese praxisnahe Herangehensweise unterscheidet die PfB-Richtlinie von bestehenden Standards und macht sie zu einem wichtigen Werkzeug für die Branche.
Umfassender Anwendungsbereich für alle Gebäudeabschlüsse
Der Anwendungsbereich der Richtlinie umfasst Gebäudeabschlüsse aller Art: Türen, Fenstertüren, Fenster, Tore, Rollläden, Fassadenkonstruktionen sowie weitere Abschlüsse und Vorsatzelemente zum Hochwasserschutz. Diese breite Abdeckung ermöglicht es, ganze Gebäudehüllen systematisch auf ihre Hochwasserbeständigkeit zu prüfen und zu bewerten.
Die Prüfungen erfolgen mit definierten Wasserständen und Belastungsbedingungen, die standardisiert und reproduzierbar sind. Dies schafft Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Herstellern und Produkten und gibt Planern sowie Betreibern eine verlässliche Entscheidungsgrundlage.
Zwei Klassifizierungsstufen mit klaren Grenzwerten
Das PfB hat zwei Klassifizierungsstufen definiert, die unterschiedliche Anforderungen abdecken: Bauelemente, die zusammen mit dem dazugehörigen Gebäudeanschluss die durchschnittliche Grenze von 10 Liter pro Stunde über 24 Stunden unterschreiten, können als hochwasserbeständig klassifiziert werden. Diese Kategorie eignet sich für Standardanwendungen, bei denen ein gewisser Wasserdurchlass tolerierbar ist.
Für höchste Ansprüche gibt es die Klassifizierung "wasserdicht": Gebäudeabschlüsse mit maximal 20 Milliliter pro 24 Stunden erreichen diese Stufe. Diese Kategorie ist besonders für kritische Bereiche relevant, in denen auch kleinste Wassermengen Schäden verursachen können.
Nutzen für Hersteller und Planer
Für Hersteller bietet die Klassifizierung die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit ihrer Systeme auf Basis eines nachvollziehbaren und standardisierten Prüfverfahrens nachzuweisen. Dies schafft Vertrauen bei Kunden und ermöglicht eine objektive Produktdifferenzierung im Markt. Gleichzeitig können Entwicklungsabteilungen die Richtlinie als Grundlage für die Optimierung ihrer Hochwasserschutzsysteme nutzen.
Ausschreibende Stellen können klassifizierte Leistungseigenschaften bei der Planung ansetzen und bei Ausschreibungen gezielt auf hochwasserbeständige Bauelemente zurückgreifen. Dies vereinfacht den Planungsprozess und reduziert das Risiko von Wasserschäden durch ungeeignete Bauprodukte.
Planer erhalten damit ein Werkzeug, um die Hochwasserresilienz von Gebäuden systematisch zu verbessern und dokumentieren zu können. Besonders in hochwassergefährdeten Gebieten wird dies zu einem wichtigen Planungskriterium.
Anwendung auch für kritische Infrastrukturen (KRITIS)
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Die Richtlinie ermöglicht auch Prüfungen im Rahmen des KRITIS-Dach-Gesetzes, das den Schutz kritischer Infrastrukturen regelt. So können die Auswirkungen von Havariefällen mit Löschwasser, Kühlwasser oder anderen Flüssigkeiten wie Kerosin bei Flugzeugabstürzen an Gebäudeabschlüssen getestet werden. Diese Erweiterung macht die Richtlinie auch für Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Rechenzentren oder Industrieanlagen interessant.
Die Entwicklung der PfB-Richtlinie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Hochwasserschutz durch die Zunahme von Extremwetterereignissen immer wichtiger wird. Für Hersteller, Planer und Betreiber schafft sie erstmals eine objektive und nachvollziehbare Grundlage für die Bewertung und Auswahl hochwasserbeständiger Gebäudeabschlüsse.
Weitere Informationen zu Prüfungen und Klassifizierungen hochwasserbeständiger Abschlüsse erhalten Interessierte beim PfB Prüfzentrum für Bauelemente.