Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch
Schneider Fensterbau in Güglingen

Ein Unternehmen seit 125 Jahren in Bewegung

125 Jahre Unternehmensgeschichte sind keine Selbstverständlichkeit. Selten gelingt es, über fünf Generationen hinweg ein Unternehmen zu erhalten, seltener, es konsequent weiterzuentwickeln. Bei Fensterbau Schneider im baden-württembergischen Güglingen ist das gelungen. Was 1901 als kleine Schreinerei begann, ist heute ein moderner Fenster- und Türenhersteller mit bald 70 Mitarbeitenden, hochautomatisierter Fertigung und einem klaren Bekenntnis zum Holzfenster.

Mitte Mai feierte das Familienunternehmen sein Jubiläum und zeigte, worauf der Erfolg basiert: modernste Produktionstechnik, langfristige Partnerschaften, regionale Verwurzelung – und eine Unternehmerfamilie, die den Betrieb nicht verwaltet, sondern mit Leben füllt.

Produktion als Herzstück

Das Zentrum des Unternehmens bleibt die Fertigung. Hier zeigt sich, weshalb Schneider heute weit über die Region hinaus als leistungsfähiger Holz- und Holz-Alu-Fensterbauer wahrgenommen wird – auch bei anspruchsvollen Elementgrößen und hohen Anforderungen an Oberflächen und Montagefertigkeit. Im Holzlager lagern Kiefer, daneben Eiche, Lärche, Fichte sowie Meranti und Red Grandis. Ein Großteil des Holzes stammt aus regionalen Wäldern und das Lager erinnert eher an einen hochwertigen Möbelschreiner als an klassische Fensterfertigung.

Gefertigt wird auf zwei getrennten Produktionslinien für Holz- sowie Holz-Alu-Systeme. Der Maschinenpark wurde in den vergangenen Jahren konsequent modernisiert. Ein wesentlicher Meilenstein war die Installation der neuen Fertigungsanlage im Jahr 2022.

Die Bearbeitung startet auf einer Powermat-1500-Hobelmaschine, die direkt mit der Weinig Conturex 226 verkettet ist. So entfallen manuelle Umlagerungen: Hobeln und Fräsen greifen ineinander, Werkzeugwechsel werden reduziert – das senkt Rüstzeiten und erhöht die Prozesssicherheit.

Rahmen- und Flügelteile entstehen separat, bevor sie anschließend in der Presse mit der im Unternehmen bewusst beibehaltenen Schlitz-Zapfen-Verbindung verleimt werden. Gerade hier wird die Philosophie des Unternehmens greifbar: Trotz moderner CNC-Technik hält Familie Schneider an der aufwendigeren Schlitz-Zapfen-Verbindung fest. Der Grund: hohe Stabilität und Langlebigkeit – gerade bei großen, schweren Elementen ein entscheidender Faktor.

Nach dem Verleimen folgt die Oberflächenbearbeitung. Flutanlage, Lackierroboter und UV-Trocknung sorgen für reproduzierbare Qualität und kurze Durchlaufzeiten. Von Grundierung über Vorlackierung bis zur Endlackierung vergehen insgesamt zwei bis drei Arbeitstage.

In der Endmontage werden Beschläge, Verglasungen und – bei Holz-Alu-Systemen – die Aluminiumschalen montiert. Eingesetzt werden Dreh-Kipp-Beschläge von Roto sowie GU (für Hebe-Schiebe-Türen und Türen) und KFV-Schlösser im Türenbereich.

Auch Sonderlösungen spielen eine wichtige Rolle. Im Bankraum entstehen individuelle Denkmalschutzfenster mit Sprossen und Sonder­profilierungen ebenso wie großformatige HS-Türen oder farbige Sonderanfertigungen für den nahe gelegenen Erlebnispark Tripsdrill.

Durch die Modernisierung des Maschinenparks konnten die Produktions- und Durchlaufzeiten um rund 20 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig ermöglicht die Fertigung eine hohe Variantenvielfalt.

Türenfertigung wird ausgebaut

Eine zentrale Rolle in der weiteren Entwicklung übernimmt die Türenproduktion. Aktuell fertigt Schneider rund 500 Türen pro Jahr; dieser Bereich soll in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Bis 2027/2028 ist deshalb eine Erweiterung der Produktionsflächen geplant: Auf dem Betriebsgelände soll eine zusätzliche Halle entstehen. Treiber des Ausbaus ist besonders Jan Schneider.

Der 28-jährige Schreinermeister ist Prokurist und arbeitet in fünfter Generation im Unternehmen. „Stillstand ist Rückschritt“ – ein Satz, der bei Schneider immer wieder fällt. Für Jan Schneider ist er Leitmotiv: Seit Abschluss seiner Ausbildung 2019 ist er vollständig im Betrieb und übernimmt Schritt für Schritt mehr Verantwortung.

Vertrieb neu gedacht

Neben der Produktion zählt die Vertriebsstrategie zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Mit der Übernahme durch Wolfgang und Thomas Schneider in vierter Generation wurde nicht nur die Fertigung modernisiert, sondern auch der Vertrieb neu ausgerichtet. Aus einem überwiegend regionalen Direktvertrieb entwickelte sich ein Fachpartnernetzwerk mit einem Radius von rund 150 km. Heute entfallen rund 90 Prozent des Umsatzes auf den Fachhandel. Schreiner und Glasbauer ohne eigene Fertigungskapazitäten beziehen komplette Fenster- und Türlösungen aus Güglingen.

Geliefert werden montagefertige Elemente in allen geforderten Größen und Losgrößen. Für viele Fachpartner bedeutet das, moderne Holzfenster anbieten zu können, ohne selbst hohe Investitionen in eigene Produktionsanlagen tätigen zu müssen.

Langjährige Partnerschaften

„Wir pflegen mit unseren Partnern und Lieferanten langjährige Beziehungen und arbeiten sehr eng miteinander“, sagt Wolfgang Schneider. Wie sich diese Partnerstrategie in der Praxis zeigt, wurde auf der Jubiläumsveranstaltung an mehreren Beispielen deutlich. Im Eingangsbereich präsentierte Schneider gemeinsam mit der Gröninger Antriebstechnik GmbH eine automatisierte Fensterlösung in Kooperation mit Roto-Beschlägen: Ein motorisch gesteuertes Kippfenster mit systemoffener Schnittstelle für Smart-Home-Anwendungen. Der kompakte Antrieb kombiniert Motor, Elektronik und Spindel in einem System und ermöglicht automatisiertes Lüften – etwa als Alternative zu zentralen Lüftungslösungen in Bad oder Küche (lesen Sie dazu auch den Beitrag auf S. 62).

Im Schauraum war auch die über 30-jährige Zusammenarbeit mit Roma sichtbar. Präsentiert wurden aktuelle Sonnenschutzlösungen wie Uno oder der Zip Screen. Die zwangsgeführte Tuchführung in den Führungsschienen sorgt dafür, dass der Behang auch bei höheren Windlasten stabil bleibt – ein Vorteil insbesondere bei großformatigen Verglasungen.

Holzfenster als klares Bekenntnis

„Während viele Hersteller ihre Produktstrategien in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert haben, ist Schneider dem Holzfenster treu geblieben“, sagte Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, in seiner Ansprache. Schneider gelte auch als positives Beispiel in Sachen Betriebsnachfolge. „Die fünfte Generation ist bereits aktiv eingebunden, Verantwortung wird schrittweise übertragen – Zukunft wird nicht nur angekündigt, sondern konkret gestaltet“, betonte er.

Wolfgang Schneider dankte Mitarbeitenden, Familie, Partnern und Gästen – und formulierte es in seiner Jubiläumsansprache so: „125 Jahre sind ein Grund zum Feiern – aber sie sind auch ein Auftrag für die Zukunft.“ Genau dieser Anspruch prägt den Betrieb: Die nächste Generation steht bereit, die Produktion wird erweitert, Partnerschaften werden weiterentwickelt – und zugleich bleibt die handwerkliche Herkunft sichtbar.

Petra Janßen

Jetzt weiterlesen und profitieren.

+ Glaswelt E-Paper-Ausgabe – jeden Monat neu
+ Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv
+ Fokus GW: Sonderhefte (PDF)
+ Webinare und Veranstaltungen mit Rabatten
uvm.

Premium Mitgliedschaft

2 Monate kostenlos testen