Dr. Scherer bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung im Unternehmen mit. Seit seinem Eintritt im Jahr 2010 hatte er verschiedene Entwicklungs- und Führungspositionen im Glasgeschäft inne – zuletzt als Head of Business Development der Business Unit Glass. In dieser Funktion arbeitete er an der Schnittstelle von Markt, Technik und Anwendung und verfügt über umfassende Kenntnisse der industriellen Anforderungen sowie der strategischen Potenziale moderner Glaslösungen.
Mit dem Führungswechsel verabschiedet H.B. Fuller | Kömmerling zugleich Ernst Semar, der nach 34 Jahren Unternehmenszugehörigkeit in den Ruhestand tritt.
4SG und Dünnglas-ISO im Fokus
„Glas spielt eine zentrale Rolle für energieeffiziente und nachhaltige Gebäude – genau hier setzt 4SG an. Wir verfügen über ein starkes technologisches Fundament, das wir konsequent weiter ausbauen werden“, betont Dr. Scherer.
Ein zentraler Schwerpunkt seiner neuen Rolle ist die Weiterentwicklung des technologischen Kernprodukts 4SG. Neben etablierten Anwendungen im Bereich Isolierglas stehen insbesondere neue Einsatzfelder wie Thin Triple IGUs (Dünnglas-ISO), hybride VIG-Systeme sowie Smart-Glass- und funktionale Glaslösungen im Fokus.
Matthias Rehberger / GW
Die GW fragt nach bei Dr. Christian Scherer
GW: Herr Dr. Scherer, wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht der aktuelle Glasmarkt in Deutschland und in Europa?
Dr. Scherer: Der Markt bleibt wirtschaftlich anspruchsvoll. Die Baukonjunktur ist verhalten, und viele Hersteller investieren vorsichtig. Gleichzeitig entstehen deutliche Impulse durch energieeffiziente und innovative Glaslösungen. Technologien wie Dünnglas-ISO, Vakuumglas oder funktionales Glas gewinnen an Bedeutung – trotz der schwierigen Gesamtlage bleibt der Markt technologisch sehr dynamisch.
GW: Sie haben vor Kurzem die Leitung der Business Unit Glass übernommen. Welche Prioritäten setzen Sie in Ihrer neuen Position?
Dr. Scherer: Mein Schwerpunkt liegt auf beschleunigter Technologieentwicklung, konsequenter Marktorientierung und globaler Skalierbarkeit. Wir wollen Innovationen schneller in marktfähige Produkte überführen und unser Portfolio gezielt auf wachstumsstarke Segmente ausrichten. Der intensive Dialog mit Kunden und Partnern ist dabei entscheidend, um Lösungen zu entwickeln, die sowohl technisch als auch wirtschaftlich überzeugen.
Echt Eppelt GmbH
GW: Seit über 15 Jahren sind Sie im Unternehmen. Wie hilft Ihnen diese Erfahrung?
Dr. Scherer: Die langjährige Zugehörigkeit hat mir ein tiefes Verständnis für Märkte, technische Anforderungen und Kundenprozesse vermittelt. Ich begann in der Forschung und Entwicklung und übernahm anschließend verschiedene Rollen im Business Development. Diese Kombination aus technischer Expertise und Marktpraxis hilft mir dabei, Trends früh zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, die fundiert und zukunftsorientiert sind.
GW: Ein wichtiges Produkt ist 4SG. Warum spielt es eine zentrale Rolle, und welche Weiterentwicklungen sind hier zu erwarten?
Dr. Scherer: Ködispace 4SG ist nicht nur die effizienteste Lösung für Standard-Isoliergläser, sondern auch die Plattform für aktuelle und zukünftige Glas-Trends. Energieeffizienz, Langlebigkeit und hohe Prozesssicherheit machen die Technologie für moderne Anwendungen unverzichtbar. Wir optimieren 4SG kontinuierlich, damit es auch in Anwendungen wie Thin Triple IGUs, hybriden VIG‑Systemen und intelligenten Funktionsgläsern seine Stärken ausspielen kann und schaffen damit die Basis, innovative Glasarchitekturen wirtschaftlich und zuverlässig umzusetzen.
Matthias Rehberger / GW
GW: Wie schätzen Sie die Entwicklung und Bedeutung von Dünnglas-ISO für die Glasbranche ein?
Dr. Scherer: Dünnglas-ISO wird insbesondere im Renovierungsmarkt an Bedeutung gewinnen. Geringes Gewicht, hohe Energieeffizienz und reduzierte Bautiefe machen diese Lösungen attraktiv, wenn Installationsaufwand, Gewicht oder Raumbeschränkungen entscheidend sind. Wir beobachten hier eine deutlich steigende Nachfrage.
GW: Und wie sieht es beim Vakuumglas sowie bei Smart Glass aus?
Dr. Scherer: Vakuumglas überzeugt durch sehr hohe Wärmedämmwerte bei minimaler Dicke. In Kombination mit 4SG entstehen hybride Lösungen, die neue Leistungsmaßstäbe setzen. Smart Glass ermöglicht darüber hinaus zusätzliche Funktionen z.B. für Licht- und Energiemanagement. Beide Technologien bewegen sich auf breitere Marktdurchdringung zu, sofern sie skalierbar und wirtschaftlich umsetzbar bleiben.
GW: Wie schätzen Sie aktuell den Glasmarkt ein, und wo sehen Sie neue Entwicklungen?
Dr. Scherer: Der Markt bleibt herausfordernd, insbesondere aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der schwachen Neubautätigkeit. Zugleich entstehen wichtige Entwicklungen: energieeffiziente Systeme, neue Glasarchitekturen und hybride Lösungen – vor allem in Kombination mit 4SG. In diesen Bereichen sehen wir die größten Innovations- und Wachstumspotenziale.
GW: Wie wird sich das laufende Jahr Ihrer Meinung nach hinsichtlich neuer Produkte entwickeln?
Dr. Scherer: Ich erwarte ein Jahr mit hoher Innovationsbereitschaft. Unser Fokus liegt klar auf unserem Premium-Produkt 4SG, zugleich optimieren wir unser gesamtes Portfolio, um den Bedürfnissen unserer Kunden und Märkte gerecht zu werden. Konkret arbeiten wir an Konzepten, die Prozesse vereinfachen, die Produktion effizienter gestalten und die Materialeffizienz erhöhen.
Die Fragen stellte Matthias Rehberger